Nachgefragt beim Werder-Manager

Thomas Schaaf bleibt „nur“ ein Ratgeber beim SV Werder Bremen

Thomas Schaaf (li.) als Berater für Trainer Florian Kohfeldt? Zumindest auf der Trainer-Bank wird der erfahrene Ex-Coach der Grün-Weißen in Zukunft nicht Platz nehmen.
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Thomas Schaaf (li.) als Berater für Trainer Florian Kohfeldt? Zumindest auf der Trainer-Bank wird der erfahrene Ex-Coach der Grün-Weißen in Zukunft nicht Platz nehmen.

Bremen - Nein, auf der Bank des SV Werder Bremen wird Thomas Schaaf nicht Platz nehmen. Aber Sportchef Frank Baumann bezeichnete die Club-Legende als „Ratgeber für mich und Florian Kohfeldt“.

Noch näher als bisher soll Thomas Schaa f, der sich bei Werder Bremen als Technischer Direktor vor allem um das Nachwuchsleistungszentrum kümmert, aber nicht an die Profis rücken. Dabei kennt sich der 59-Jährige mit Abstiegskampf bestens aus.

Werder Bremen: Übernimmt Thomas Schaaf in der Krise mehr Veranwortung?

„Thomas könnte dem Trainer und der Mannschaft in dieser Situation ganz bestimmt helfen“, hatte Wolfgang Rolff, der lange Jahre als Co-Trainer von Thomas Schaaf gearbeitet hat, im Interview mit der DeichStube gesagt. Darauf angesprochen erklärte Frank Baumann: „Es ist wie in den letzten zwei Jahren: Wir sind viel im Austausch. Thomas bringt seine Meinung ein, und wir lassen das in unsere Entscheidung einfließen.“

Vor zwei Jahren war Thomas Schaaf, der als Trainer mit Werder Bremen 2004 das Double geholt hatte, an den Osterdeich zurückgekehrt. Seitdem arbeitet er als Technischer Direktor. Gelegentlich tauchte er beim Training der Profis auf, tauschte sich dann mit Florian Kohfeldt aus. Der wiederum berichtete, dass er Schaaf nicht regelmäßig, aber zumindest immer mal wieder telefonisch um Rat fragen würde.

Thomas Schaaf rettete Werder Bremen als Nachfolger von Felix Magath 1999 vor dem Abstieg

Aktuell könnte der Coach ihm erklären, wie er Werder Bremen 1999 als Feuerwehrmann für den entlassenen Felix Magath gerade noch so vor dem fast sicheren Abstieggerettet hat. 2013 war Thomas Schaaf dann mit einer eigentlich viel zu guten Mannschaft in den Abstiegsstrudel geraten, bekam von der Geschäftsführung wie jetzt Florian Kohfeldt vor dem Werder-Spiel gegen Freiburg bis zum Schluss das Vertrauen ausgesprochen - und sicherte schon vor Saisonende den Klassenerhalt. Trotzdem gab der Club damals die Trennung von Schaaf bekannt - nach 14-jähriger Zusammenarbeit.

Mit Hannover 96 hatte Schaaf dann weniger Glück. In der Winterpause der Saison 2015/16 war er als Retter engagiert worden, wurde beim Tabellen.-17. aber noch vor Saisonende entlassen. (kni)

Zur letzten Meldung vom 21. Mai 2020:

„Thomas Schaaf und Klopp könnten Werder Bremen jetzt helfen“: Ex-Bremer Rolff wünscht sich Berater für Florian Kohfeldt

Der SV Werder Bremen taumelt der Zweiten Liga entgegen – und Wolfgang Rolff versteht nicht, warum sich sein Ex-Club so wenig dagegen wehrt. Der ehemalige Co-Trainer (2004 bis 2013) hält zwar Florian Kohfeldt durchaus noch für den richtigen Coach, empfiehlt ihm aber einen Berater.

Dabei denkt der 60-Jährige an seinen ehemaligen Chef Thomas Schaaf, der inzwischen als Technischer Direktor bei Werder Bremen arbeitet. Im Interview mit der DeichStube erklärt Rolff auch, warum er befürchtet, dass Kohfeldt die Grün-Weißen im Sommer selbst verlassen könnte.

Herr Rolff, schafft Werder noch den Klassenerhalt?

Wenn die Mannschaft weiter so mutlos spielt wie gegen Leverkusen, dann sind die Chancen ganz, ganz gering. Ich war wirklich erschrocken. Werder wartet nur noch ab, was der Gegner macht. Das kann nicht gutgehen. Du musst doch deiner Philosophie treu bleiben. Bei Florian Kohfeldt war das immer dieser tolle Offensivfußball, mit dem er erfolgreich war und der so gut zu Werder passt. Als wir 2013 in den Abstiegskampf geraten sind, haben wir unsere Linie ganz bewusst nicht verlassen und haben so den Klassenerhalt geschafft.

Aber ist es nicht verständlich, gegen einen starken Gegner wie Leverkusen etwas defensiver zu denken?

Deshalb kann ich aber nicht nur an der Mittellinie warten und mich verstecken. Kein Gegner hat mehr Angst vor Werder. Es war doch klar, dass Leverkusen irgendwann ein Tor schießt – vor allem, wenn man Werders unglaubliche Schwäche bei Standardsituationen bedenkt. Gerade deshalb muss ich das Heft selbst in die Hand nehmen, wenn ich da unten rauskommen will. Das habe ich speziell nach der langen Pause erwartet. Wenn man dann aber überhaupt keine Veränderungen zu vorher sieht, dann macht das einen schon nachdenklich.

Die Werder-Legende Rune Bratseth hat gefordert, dass Kohfeldt entlassen werden muss. Ist das die Lösung?

Nein, das sehe ich anders. Wenn Florian Kohfeldt das große Trainertalent ist und so gut wie kein anderer Coach zu Bremen passt, wie Frank Baumann (Werder-Sportchef, Anm. d. Red.) sagt, dann muss er sich jetzt allerdings ändern – oder ändern lassen.

Werder Bremen: „Thomas Schaaf könnte dem Trainer und der Mannschaft jetzt bestimmt helfen“

Von wem?

Zum Beispiel von seinem Berater Marc Kosicke. Der muss Kohfeldt jetzt sagen, dass er den Schalter wieder umlegen muss. Und wenn es Kosicke nicht selbst machen kann, dann hat er viele namhaften Klienten, die ihm und Kohfeldt helfen könnten.

An wen denken Sie da?

Jürgen Klopp hat ja gerade etwas Zeit, weil in England noch nicht gespielt wird. Aber auch bei Werder gibt es einen ganz erfahrenen Trainer, mit dem man jetzt sprechen sollte.

Sie meinen Thomas Schaaf.

Genau, Thomas könnte dem Trainer und der Mannschaft in dieser Situation ganz bestimmt helfen. Wie man ihn einbindet, das weiß ich nicht. Er muss ja nicht gleich auf der Bank sitzen. Aber es wäre fahrlässig, so eine Legende als Spieler und Trainer wie Thomas Schaaf nicht mit einzubauen. Ich weiß aber nicht, ob Thomas das überhaupt will – und natürlich muss das auch ein Florian Kohfeldt wollen. Ich bin ohnehin gespannt, wie es bei ihm weitergeht.

Warum?

Werder hat zwar ganz klar gesagt, dass sie mit ihm auch in die Zweite Liga gehen wollen, aber will das die Kohfeldt-Seite auch? Vielleicht präsentiert Kosicke seinem Trainer nach einem Abstieg ganz neue Möglichkeiten bei anderen Clubs. Das ist doch wie bei Spielern: Plötzlich kippt das, und es geht einer, der erst gar nicht wegwollte, aber dann den Verlockungen eines besseren Clubs erliegt. Das erleben wir im Fußball immer wieder. Für Werder wäre es hart, weil sie diesem Trainer so viel Vertrauen geschenkt haben.

Werder Bremen: „Es muss nicht immer der Impuls Trainerwechsel sein, aber...“

Ist Werders Weg mit Kohfeldt auch deshalb nicht zu riskant?

Nicht unbedingt, zumal die Verantwortlichen, die wie Frank Baumann und Marco Bode (Aufsichtsratsvorsitzender) ganz dicht dran sind, fest an Kohfeldt glauben. Es muss auch nicht immer der Impuls Trainerwechsel sein, der dann hilft. Aber dann muss es zumindest andere Impulse geben. Also einen Thomas Schaaf, der in Gesprächen Florian Kohfeldt wieder diesen Mut zurückgibt, der ihn so ausgezeichnet hat. Mir fehlt dieses Selbstbewusstsein, diese Aggressivität, dieser unbedingte Wille, Spiele selbst dominieren und gewinnen zu wollen. Das kann bei Kohfeldt nicht plötzlich komplett weg sein.

Ist die Mannschaft denn gut genug besetzt, so riskant zu spielen?

Warum nicht? Werder hat im Sommer viel Geld investiert, wollte mit dieser Mannschaft in die Europa League. Dann kann diese Truppe doch jetzt nicht für guten offensiven Fußball und den Klassenerhalt zu schlecht sein. Man muss sich nur trauen, seinen Fußball zu spielen. Wenn du es nicht probierst, bekommst du das Selbstvertrauen auch nicht zurück. Ich würde mir wünschen, dass Werder in Freiburg von der ersten Minute an Vollgas gibt und den Gegner attackiert. Vielleicht ist die Mannschaft dann nach 70 Minuten platt, vielleicht gibt es auch keinen Punkt, aber die Spieler wissen dann endlich, dass sie es noch drauf haben – und können dann im nächsten Spiel Mönchengladbach schlagen.

Ex-Co-Trainer Wolfgang Rolff sorgt sich um die Zukunft des SV Werder Bremen und wundert sich über die Zurückhaltung des Clubs.

Zur Person: Wolfgang Rolff

Wolfgang Rolff hat im Fußball extrem viel erlebt. Als Spieler holte er mit dem Hamburger SV 1983 die Deutsche Meisterschaft und den Europapokal der Landesmeister, mit Bayer Leverkusen 1988 den Uefa-Pokal. 1986 wurde der Mittelfeldspieler mit Deutschland Vize-Weltmeister. Von 2004 bis 2013 war er Co-Trainer von Thomas Schaaf beim SV Werder, gewann 2009 den DFB-Pokal. Mit Schaaf arbeitete Rolff anschließend auch in Frankfurt und Hannover, er war zwischenzeitlich aber auch in Aserbaidschan, Kuwait und China tätig. Der 60-Jährige lebt in Köln, hat eine Scouting-Firma und denkt über weitere Trainer-Abenteuer in Asien nach.

Quelle: DeichStube

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