Werder-Testspieler Seydou Bocar Seck

Über YouTube in die Bundesliga?

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Werder-Testspieler Seydou Bocar Seck

Bremen – Werder Bremen hat in den vergangenen Tagen mit Seydou Bocar Seck einen Mittelfeldspieler aus dem Senegal getestet. Der 24-Jährige hatte sich laut Viktor Skripnik selbst bei den Grün-Weißen angeboten und offensichtlich Eindruck hinterlassen – mit einem Video.

„Ich habe ihn im Fernsehen gesehen, da hatte er sehr gute Szenen“, sagte Werder-Coach Skripnik am Donnerstag. Um sich ein besseres Bild von dem Mittelfeldspieler vom norwegischen Zweiligaabsteiger Baerum SK zu machen, wurde er kurzerhand zum Probetraining eingeladen. Zunächst am Dienstag bei der U23, Mittwoch und Donnerstag dann bei den Profis. „Ich wollte ihn live sehen und kennenlernen“, so Skripnik. Auf die Nachfrage eines Journalisten, wo denn die zweite norwegische Liga im TV zu sehen sei, hatte der 46-Jährige indes keine richtige Antwort. Der Grund: Der Ukrainer hatte Bocar Seck gar nicht im TV gesehen, sondern auf einem Video, wie Werder-Sportchef Thomas Eichin am Freitag bestätigte.

Vermutlich genau das Video, das unter dem Titel „Seydou Bocar Seck Highlights 2015“ auf YouTube zu finden ist - eingestellt von Seydou Bocar Seck am 12. November. Also wenige Tage nachdem in Norwegen die Saison in der zweiten Liga endete (1. November) und klar war, dass Baerum SK in die Drittklassigkeit absteigt. Das Video an sich unterscheidet sich deutlich von gewöhnlichen „Higlight-Clips“ à la Messi oder Ronaldo. Statt Tricks und genialer Tore bekommt der Zuschauer in 10:34 Minuten eine Art Imagefilm zu sehen.

Zunächst werden die Eckdaten des Spielers präsentiert: Position, Größe, Gewicht. Es folgen zusammengeschnittene Szenen des Senegalesen, unterteilt in die Abschnitte „Ballgewinnung und Verteidigung“, „defensive und offensive Kopfbälle“, „Spieleröffnungen und Pässe“, „lange Bälle und Seitenwechsel“, sowie „Torabschluss“. Also genau das Material, was in der Regel von Spieleragenturen genutzt wird, um ihre Klienten an Teams zu vermittelt. Beziehungsweise das Material, was die Verantwortlichen eines Clubs bei speziellen Diensten wie Wyscout abrufen, wenn sie an einem Spieler Interesse haben.

Insgesamt gesehen, vermittelt der YouTube-Clip Bocar Seck als zweikampfstarken Mittelfeldspieler, der technisch versiert ist und weiß, seinen bulligen Körper geschickt einzusetzen. Auch in der Spielübersicht und im Passspiel wirkt der 24-Jährige souverän. Attribute, die ihn offensichtlich auch für Werder interessant gemacht haben. Denn gerade im defensiven Mittelfeld fehlt es den Grün-Weißen an Alternativen, wenn Stammkraft Philipp Bargfrede ausfällt.

In Frankreich Durchbruch nicht geschafft

„Er hat das nicht schlecht gemacht. Er ist ein kräftiger Junge in einem guten Alter“, urteilte Werders Sportchef Thomas Eichin über Bocar Seck, nachdem er ihn am Mittwoch beim Bremer Training beobachtet hatte. Ob der 24-Jährige eine Zukunft an der Weser hat, steht noch nicht fest. „Die Entscheidung wird nicht jetzt fallen, sondern später“, sagte Werder-Coach Skripnik am Donnerstag. Vorerst wird der Senegalese allerdings keine weiteren Einheiten bei den Bremern absolvieren. "Wir behalten ihn aber im Auge", so Eichin.

Zu große Hoffnungen sollten die Bremer Fans aber nicht in den Senegalesen setzen - falls es in den kommenden Wochen oder Monaten überhaupt zu einer Verpflichtung kommt. Am Ende des Trainingsspiels am Mittwoch war dem 24-Jährigen deutlich anzusehen, dass ihm die Puste ausging. Und auch wenn Bocar Seck in seinem YouTube-Video einen starken Eindruck macht, es darf nicht vergessen werden, dass die Aufnahmen aus der zweiten norwegischen Liga stammen. Andere große Leistungsnachweise gibt es von ihm bisher nicht.

Zwar ist bekannt, dass er im Nachwuchsbereich für Girondins Bordeaux aktiv war, wirklich durchsetzen konnte er sich in Frankreich aber weder bei Bordeaux noch bei anderen Clubs wie Toulouse, Lille oder Valenciennes, wo Bocar Seck ebenfalls Probetrainings absolvierte. Bevor der 24-Jährige im August dieses Jahres nach Norwegen wechselte und dort zu insgesamt neun Liga-Einsätzen kam, spielte er im Senegal in der National League 1 für Diambars FC.

Zumindest in einem Punkt würde Seydou Bocar Seck ohne jeden Zweifel perfekt ins Beuteschema der Bremer passen: Beim Preis. Denn der dürfte bei dem Mittelfeldspieler nach dem Abstieg in die dritte Liga nicht sonderlich hoch sein – auch wenn er laut transfermarkt.de bei Baerum noch einen Vertrag bis Ende 2018 hat.
mib

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