Taktikanalyse zum Spiel gegen Leverkusen

Kompakte Bremer knacken Bayer

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Der Plan von Werder-Trainer Alexander Nouri (r.) ging auf - der von Roger Schmidt nicht.

Bremen - Von Cedric Voigt. Mit Disziplin und dem nötigen Quäntchen Glück belohnt sich Werder Bremen bei Alexander Nouris Debüt als fixer Cheftrainer für eine couragierte Leistung. Gegen den Champions-League-Teilnehmer aus Leverkusen erwartete den SV Werder ein ganz anderer Spielrhythmus als noch jüngst gegen Darmstadt.

Das kam den Stärken der Bremer jedoch durchaus entgegen. Anders als bei den bolzenden Lilien übernahm der Gegner hier Verantwortung im Spielaufbau und rückte mit mehr Spielern ins Angriffsdrittel auf, sodass gut gespielte Konter potentiell eine erfolgsversprechende Variante waren. Nouri vertraute dabei zu großen Teilen der Elf, die sich gegen Darmstadt noch lange schwer getan hatte – lediglich der wieder genesene Santiago Garcia rückte für Robert Bauer auf die Position des Linksverteidigers. Izet Hajrovic erhielt erneut den Vorzug vor Fin Bartels und Ousman Manneh startete weiterhin statt Aron Johannsson – gegen einen Gegner, der sich nicht zu sehr an den eigenen Strafraum drängen lassen würde, auch eine durchaus passende Wahl.

Vom Anstoß weg entwickelte sich eine Partie, die von klarer Leverkusener Ballbesitzdominanz geprägt werden sollte. Kevin Kampl zeigte sich als Aktivposten im Leverkusener Aufbau, der den Ball verteilte oder mit eigenen Läufen dynamisch nach vorne treiben konnte, wo die vier Offensivspieler des Leverkusener 4-2-2-2 häufig rochierten und mit schnellen Kurzpässen versuchten, die Bremer Abwehr zu knacken. Diese formierte sich gegen den Ball oft in einem abwartenden 4-5-1 mit vereinzelten Mannorientierungen, das grundsätzlich zuverlässig auf die Leverkusener Kombinationsansätze reagieren und punktuell Druck ausüben konnte. In der Anfangsphase sah man im höheren Pressing auch teilweise ein Herausrücken von Fritz oder Junuzovic in Richtung Kampl, um den Aufbau früh zu stören.

Werders 1:0: Schnellangriff in 15 Sekunden

Grundsätzlich fehlte es den Leverkusenern in dieser Partie erneut an einem Plan B: Am stärksten ist das Team von Roger Schmidt, wenn es im hohen Pressing oder Gegenpressing einen Ballgewinn erzielen kann und mit kurzer Distanz zum Tor eine unorganisierte Abwehr vorfindet. Schon beim Leverkusener 0:0 gegen Augsburg oder der 1:2-Niederlage gegen Frankfurt tat sich der Werksclub gegen Gegner schwer, die mit einer tief stehenden Defensive diese Schnellangriffe vermeiden wollten. Auch Werder fiel in diese Kategorie Gegner. Zwar kam Leverkusen durchaus vereinzelt zu Chancen, wenn diese allerdings nicht aus den seltenen Bremer Unkonzentriertheiten im flachen Aufbau resultierten, handelte es sich bei den Abschlüssen meist aus Schüsse aus der zweiten Reihe oder die Versuche, Flanken zu verwerten.

Die Bremer ihrerseits suchten ihr Heil in schnell zu Ende geführten Angriffen über die Flügel, die nach Ballgewinn gelegentlich mit flachen Zuspielen eröffnet wurden, in der Regel jedoch mit hohen Bällen begannen. Mit Santiago Garcia und Theodor Gebre Selassie standen zwei Außenverteidiger mit gutem Kopfballspiel auf dem Platz, die diese hohen Schläge relativ kontrolliert weiterleiten konnten. Ein Paradebeispiel für den Bremer Plan war das 1:0 durch Zlatko Junuzovic: Eingeleitet durch einen langen Ball von Felix Wiedwald konnte Gebre Selassie den Ball per Kopf auf Izet Hajrovic weiterleiten, der das Tempo mitnahm und die herausstürzenden Leverkusener Verteidiger aussteigen lassen konnte, um in die Mitte zu spielen – mit Manneh im Zentrum, Gnabry am langen Pfosten und Junuzovic im Rückraum besetzte Werder hierbei alle möglichen Abschlusszonen und kam nach Mannehs erstem Versuch im Nachsetzen zum Treffer. Noch gut 15 Sekunden zuvor lag der Ball im eigenen Strafraum – ein Schnellangriff par excellence.

Junuzovic und Manneh treffen für Werder

Ähnliche Muster waren häufiger zu beobachten, wenn auch nicht immer mit diesem durchschlagenden Erfolg. Der flache Ball ins Mittelfeld auf Junuzovic oder Fritz wurde durchgehend vermieden, war Grillitsch involviert, dann ließ er sich meist auf Höhe der Innenverteidiger fallen. Auch Wiedwald, eigentlich nicht der Archetyp des mitspielenden Torwarts, wurde aktiver als sonst eingebunden, fiel teilweise durch gute, schnelle Abwürfe auf und war nicht nur aufgrund der vielen Leverkusener Abschlüsse mit 49 Ballaktionen auf Platz drei der involviertesten Bremer zu finden. So vermieden die Bremer, dass sich das Leverkusener Pressingnetz um Chicharito und Volland als vorderste Doppelspitze zuziehen konnte.

Das obligatorische Gegentor der Bremer fiel dann auch aus einer eher statischen Situation heraus, in die erst Torschütze Hakan Calhanoglu die Dynamik brachte: Mit Wucht stieß der Mittelfeldspieler in den Bremer Strafraum, der zwar quantitativ gut besetzt war, jedoch nicht alle Zonen gleichmäßig abdeckte, sodass Calhanoglu eine Kampl-Flanke leicht einköpfen konnte. Es sollte die beste Leverkusener Chance bleiben.

Leverkusen im Handball-Stil zu ungefährlich

In Halbzeit zwei blieb sich das Bild ähnlich: Leverkusener schob sich in bester Handball-Stilistik den Ball vor dem Bremer Sechzehner zu, Werder versuchte, die Außenspieler oder Manneh mit langen Bällen einzusetzen. Die Einwechslungen von Bartels für den verletzten Serge Gnabry und von Ulisses Garcia für den angeschlagenen Kapitän Fritz änderten an der Bremer Ausrichtung nichts Grundlegendes. Die Leverkusener hingegen versuchten erst mit Admir Mehmedi für Kevin Volland, Zentrumspräsenz gegen Kreativität und Dribbelstärke im linken Halbraum zu tauschen.

Etwa 20 Minuten vor Schluss brachte Roger Schmidt dann mit Stefan Kießling für Julian Brandt noch einmal einen klaren Strafraumstürmer, der hohe Bälle in den Strafraum verwerten sollte. Das einzige Tor des zweiten Durchgangs erzielten aber die Bremer: Der umkämpften Partie angemessen mit einem Grätschschuss von Ousman Manneh, dem eine flache Freistoßvariante über Hajrovic und Junuzovic vorausging. In der hektischen, durch viele Verletzungsunterbrechungen zerstückelten Schlussphase wäre dem Gambier gar fast sein zweiter Bundesligatreffer geglückt – Leno rettete aus kurzer Distanz, nachdem die Leverkusener viel Platz für Bremer Konter hatten lassen müssen.

Ein weiterer Schritt nach vorne für Alexander Nouri also – besonders die Defensive zeigte sich deutlich sortierter. Mit RB Leipzig wartet nun ein nicht unähnlicher Gegner auf Werder – bis zum Spiel gegen den formstarken Aufsteiger wird die Devise sein, die mannschaftlichen Abläufe weiter zu perfektionieren.

Sane auf dem Weg zum Abwehrchef

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