Nach 3:2-Sieg gegen Wolfsburg

Werder-Taktik-Analyse: Kohfeldt stellt besser um als Glasner

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Florian Kohfeldt entschied das Duell der Taktikfüchse mit Wolfsburg-Trainer Oliver Glasner für sich. Der SV Werder Bremen gewann mit 3:2.

Wolfsburg - Kampfgeist, taktische Flexibilität und ganz viel Glück: Das waren die Zutaten, die Werder Bremen den bitter nötigen 3:2-Sieg gegen den VfL Wolfsburg beschert haben. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher seziert die Partie.

In Krisenzeiten tut es gut, sich an das Bewährte zu klammern. Florian Kohfeldt hat in den vergangenen Wochen viele Experimente gewagt. Ob 5-3-2, Raute oder Tannenbaum: Es gab nahezu keine Formation, die Kohfeldt nicht ausprobiert hat. Im richtungsweisenden Duell gegen den VfL Wolfsburg kehrte er zur klassischen Variante zurück, mit der er einst bei Werder Bremen begann.

Werder Bremen mit frühem Pressing im 4-3-3-System

Werder ging mit einer 4-3-3-Formation in die Partie. Yuya Osako übernahm im Zentrum die Rolle des Stürmers. Der Japaner ließ sich allerdings immer wieder zurückfallen. Für Tiefe im Spiel sollten die Außenstürmer sorgen: Rechtsaußen Leonardo Bittencourt, vor allem aber Linksaußen Milot Rashica starteten hinter die Abwehr.

Zunächst stand bei Werder aber das Spiel gegen den Ball im Fokus. Offenbar wollten die Bremer ausnutzen, dass Wolfsburg am vergangenen Donnerstag in der Europa League antrat. Vom Anpfiff weg wollten die Bremer den Gegner überrollen.

Die Grafik zeigt Werders klassische 4-3-3-Variante gegen Wolfsburgs 3-4-3.

Das Team von Florian Kohfeldt störte die Wölfe früh: Werders Dreierreihe im Sturm lief Wolfsburgs Dreierkette im Aufbau an. Die Wolfsburger setzten auf eine 3-4-3-Variante, bei der sie über die Flügel Raumgewinn erzielen wollten. Werder schnitt diese Pässe ab und zwang den Gegnern zu langen Bällen. In der Anfangsphase ging dieses Kalkül auf: Werder erzwang ein hektisches Spiel, das von Duellen im Mittelfeld geprägt war. Bremen nahm diese Zweikämpfe an und gewann zu Beginn die Mehrzahl der Duelle.

Werder Bremen probiert es mit langen Bällen auf Theodor Gebre Selassie

Offensiv waren die Bremer Bemühungen weniger fruchtbar. Abseits des Elfmeter-Treffers durch Doppelpacker Milot Rashica (13.) erarbeitete sich Werder wenig Chancen. Sie kamen nur selten an Wolfsburgs kompakter Ordnung vorbei. Yuya Osako versuchte zwar immer wieder, zwischen die gegnerischen Linien zu gelangen. Wolfsburg rückte jedoch diszipliniert und gut abgestimmt aus der Abwehr, um ihn zu stellen.

Gerade im Mittelfeld zeigte sich der VfL Wolfsburg gewohnt aggressiv. Bremen versuchte so gut es geht, diese Zone zu umspielen. Werders Torhüter Jiri Pavlenka, der eine ganz starke Leistung ablieferte, wählte auffallend häufig den hohen Pass nach Rechtsaußen. Wolfsburgs 1,75 Meter kleiner Linksverteidiger Jerôme Roussillon wurde als Schwachstelle für lange Bälle ausgemacht.

Zu selten gelang es Werder jedoch, diese langen Bälle auch zu halten. Dies war ein allgemeines Problem im Bremer Spiel: Vorne fehlte ein Spieler, der Bälle hält und damit seinen Kollegen ermöglicht, nach vorne zu rücken. Sobald Bremen den vertikalen Pass in die Angriffsreihe spielte, war der Angriff de facto beendet; entweder konnten sie den Angriff zu Ende spielen oder aber sie verloren den Ball. Bremen spielte zwar mit mehr Zug zum Tor als in den vergangenen Wochen, hielt den Ball aber wesentlich kürzer in den eigenen Reihen. Das erlaubte Wolfsburg, mit fortschreitender Spieldauer in die Partie zurückzufinden.

Wolfsburgs lange Flanken bringen Werder Bremen zur Verzweiflung

Obwohl Werder den obligatorischen Gegentreffer nach einem Standard kassierte (36.) – diesmal war es eine Manndeckung, die nicht funktionierte – gingen sie mit einer Führung in die Pause. Bittencourt hatte sich nach einer Flanke gegen Roussillon durchgesetzt (39.). Der Plan, Roussillon als Schwachstelle auszumachen, ging auf.

Nach der Pause drängte Wolfsburg Werder weiter und weiter zurück. Ihre Außenverteidiger rückten weit nach vorne, sie standen nun auf einer Höhe mit dem Stürmer. Wolfsburg nutzte geschickt aus, dass sie mit ihrer Formation mehr Breite kreierten, als Werder abdecken konnte. Werders Viererkette stand zu eng. Somit konnte Wolfsburg über lange Flanken stets einen Angreifer am zweiten Pfosten finden.

Mit der Einwechslung von Stürmer Daniel Ginczek (73., für Innenverteidiger Robin Knoche) änderte VfL-Trainer Oliver Glasner seine Formation. Wolfsburg griff fortan im 4-3-3 an. Nur wenige Sekunden später erzielten die Gastgeber den Ausgleich. Auf einmal war ihre Systemumstellung nicht mehr gewagt, sondern zu offensiv: Wolfsburg sicherte eigene Angriffe nur noch mit zwei Verteidigern ab.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt findet die richtige Antwort zur richtigen Zeit

Kohfeldt fand die richtige Antwort zur richtigen Zeit. Er beorderte Bittencourt in die Abwehr. Bremen verteidigte fortan mit einer Fünferkette. Sie konnten damit Wolfsburgs lange Flanken besser abwehren. Zugleich stellte Kohfeldt mit den Einwechslungen von Joshua Sargent (76., für Philipp Bargfrede) und Claudio Pizarro (78., für Osako) auf ein 5-3-2 um.

Die neue Formation brachte mehr Wucht im Konter. Das lag vor allem an Rashica und Sargent: Während Sargent aus dem Mittelfeld in die Spitze starten konnte, durfte Rashica nun zentraler auflaufen. Der Kosovare war es auch, der nach einem Konter den entscheidenden 3:2-Treffer erzielte (83.). Wolfsburg war zu weit aufgerückt.

Glücklich war der Sieg am Ende dennoch, da Wolfsburg in der Schlussphase zum Angriff blies. Sie hatten eine hohe Präsenz im gegnerischen Strafraum, schlugen Flanke und Flanke in den Sechzehner. Werder brachte keine Ruhe ins Spiel, auch weil vorne weiterhin kein Spieler Bälle halten konnte; selbst Pizarro gelang dies nicht. Am Ende holte Werder aber den lange ersehnten Dreier. Kohfeldt hatte richtig taktiert: Seine Startaufstellung sowie seine Umstellungen gingen auf.

Quelle: DeichStube

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