0:1-Niederlage am Ostersonntag

Werder scheitert an falschen Entscheidungen - Taktik-Analyse zur Niederlage in Stuttgart

Milot Rashica und seine Sturm-Kollegen beim SV Werder Bremen trafen gegen den VfB Stuttgart zu viele falsche Entscheidungen.
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Milot Rashica und seine Sturm-Kollegen beim SV Werder Bremen trafen gegen den VfB Stuttgart zu viele falsche Entscheidungen.

Stuttgart – Von Constantin Eckner. In einer ansehnlichen Partie beim VfB Stuttgart überraschte Florian Kohfeldt mit seiner taktischen Aufstellung. Werder Bremen hatte Chancen in der Offensive, ließ aber viele aussichtsreiche Möglichkeiten ungenutzt liegen – und wurde spät bestraft. Die Taktik-Analyse.

Florian Kohfeldt hatte für die Reise nach Stuttgart eine Überraschung im Gepäck. Der 38-Jährige entschied sich für eine etwas radikalere taktische Veränderung, indem er vom zuletzt präferierten 3-5-2 für das Spiel beim VfB zu einem 4-2-3-1 wechselte. Diese Grundformation kam beim SV Werder Bremen letztmalig beim 0:2 gegen Union Berlin Anfang Januar zum Einsatz.

Eine Interpretation von Kohfeldts Entscheidung könnte so aussehen: Der VfB Stuttgart dominiert für gewöhnlich mit Wataru Endo und Gonzalo Castro das Mittelfeldzentrum. Aus diesem Grund wollte der Bremer Trainer selbst mehr Präsenz in der Spielfeldmitte erzeugen. Dafür spricht auch, dass Kohfeldt schon in der Hinrunde auf ein 4-2-3-1 gegen den VfB setzte.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen VfB Stuttgart: Tanguy Coulibaly wird nicht eingefangen

Erfreulich für Werder Bremen war, dass die veränderte Grundstruktur zunächst positive Wirkung zeigte. Gerade Christian Groß war als Raumblocker und Ballverteiler vor der Abwehr enorm präsent. Romano Schmid attackierte derweil im Pressing mit viel Laufaufwand die beiden Stuttgarter Sechser. Lediglich die Abstimmung bei Verschiebungen innerhalb des Deckungsverbunds ließ hier und da zu wünschen übrig, was aber nach einer solchen taktischen Veränderung in Kauf genommen werden muss.

Stuttgart, das statistisch gesehen die laufstärkste Mannschaft der Bundesliga ist, fand trotz guter Ansätze auf Seiten Werders in der ersten Halbzeit Mittel und Wege, um die Gäste-Defensive vereinzelt ins Schwitzen zu bringen. Statt über Endo oder Castro das Spiel durch die Mitte aufzuziehen, nutzten die Schwaben die eigene rechte Seite für Angriffe. Dort spielte statt des aktuell verletzen Silas Wamangituka der nicht minder talentierte Tanguy Coulibaly, der zudem von Philipp Förster Unterstützung erhielt.

Sowohl Förster als auch Coulibaly konnten sich regelmäßig aus der Deckung Werders lösen. Förster tat dies mit driftenden Bewegungen zur rechten Seite, Coulibaly mit Läufen durch die Mitte hinter die Bremer Sechser. Aus Sicht der Gäste war vor allem problematisch, dass vielfach kein Zentrumsspieler Coulibaly aufnahm und als Anspielstation neutralisierte. Der 20-Jährige konnte oftmals tun und lassen, was er wollte.

Die Grafik zeigt wesentliche Laufrichtungen beim SV Werder Bremen und dem VfB Stuttgart.

Werder Bremen-Taktik-Analyse gegen VfB Stuttgart: Viele Fehlentscheidungen in der Offensive

Nachdem Werder Bremen die ersten halbe Stunde schadlos überstand, konnte die Mannschaft selbst mehr Akzente in der Offensive setzen. Das lag einerseits daran, dass Stuttgart die Halbräume immer behäbiger schloss, und andererseits an den präzisen vertikalen Zuspielen auf die regelmäßig gut postierten Milot Rashica und Niclas Füllkrug. Während sich die beiden Offensivkräfte zunächst mit gutem Stellungsspiel in aussichtsreiche Situationen manövrierten, machten sie diese dann umgehend mit schwachen Entscheidungen im letzten Spielfelddrittel wieder zunichte.

Genau diese Problematik sollte sich auch in der zweiten Halbzeit fortsetzen. Nach dem Seitenwechsel wurde die Partie insgesamt offener und gerade vor und in den Strafräumen ereignisreicher. Auch wenn der VfB Stuttgart bis zum Ende mehr Torchancen verzeichnen konnte, blieb Werder keineswegs ungefährlich, scheiterte aber mal um mal aufgrund teils fragwürdiger Aktionen. Es haderte an der Finalisierung der Angriffe.

Werder Bremen wird für taktisches Risiko gegen VfB Stuttgart nicht belohnt

Dass das Spiel mehr Fahrt aufnahm, lag unter anderem an den schwindenden Kräften auf beiden Seiten. Stuttgarts Pressing-Intensität ließ genauso nach wie Bremens Konzentration bei eigenem Ballbesitz. Hielt sich Werder in der ersten Halbzeit noch recht unbeschadet im Spielaufbau, begannen spätestens ab der 60. Minute die Ballverluste zuzunehmen. Zehn der 16 Bremer Ballverluste ereigneten sich in der zweiten Halbzeit. Bei Stuttgart waren es elf von 20. Beide Trainer wechselten trotzdem erst nach der 70. Minute zum ersten Mal, um frische Beine aufs Feld zu schicken.

Dass der VfB Stuttgart am Ende die drei Punkte in der Mercedes-Benz Arena behielt, kann zumindest in Teilen auf den Faktor Glück geschoben werden, denn das Eigentor von Ludwig Augustinsson fällt in die Kategorie „Slapstick“. Werder Bremen verpasste es aber, aus den Umschaltmöglichkeiten Kapital zu schlagen und die eigene Stabilität dann zu nutzen, als sie spürbar vorhanden war. So zahlte sich die taktische Umstellung Kohfeldts, die mit einem gewissen Risiko verbunden war, nicht aus.

Auch interessant: Werder-Schock! Niclas Füllkrug schon wieder verletzt!

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