Werder Bremen gegen die SGE in der Taktik-Analyse

Mit Ansage: Werder Bremen findet den Raum hinter Filip Kostic – die Taktik-Analyse zum Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt

Der Taktik-Plan von Trainer Florian Kohfeldt ging auf: Werder Bremen setzte sich mit 2:1 gegen Eintracht Frankfurt durch.
+
Der Taktik-Plan von Trainer Florian Kohfeldt ging auf: Werder Bremen setzte sich mit 2:1 gegen Eintracht Frankfurt durch.

Bremen - Werder Bremen rehabilitiert sich. Nach der 0:4-Niederlage gegen Hoffenheim machte die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt gegen Eintracht Frankfurt fast alles besser. Die Mischung aus starker Defensive und einer starken rechten Seite machte den Unterschied, schreibt DeichStube-Taktikanalyst Tobias Escher.

Werder Bremen hatte etwas gutzumachen. Vergangene Woche hatten sie alle Tugenden vergessen, die sie in dieser Saison stark gemacht hatten: Die sonst so starke Defensive war während der 0:4-Niederlage in Hoffenheim nicht einmal zu erahnen. Gegen Eintracht Frankfurt galt es zu beweisen, dass diese Schmach nur ein Ausrutscher war. Das gelang: Nicht nur stand Werders Fünferkette wieder sicher wie eine Mauer. Auch offensiv konnten die Bremer einige Akzente setzen.

Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt in der Taktik-Analyse: 3-4-3 gegen 3-4-3

Eintracht Frankfurt war als Mannschaft der Stunde nach Bremen angereist. Keine Bundesliga-Mannschaft holte im Kalenderjahr 2021 mehr Punkte. Ein Erfolgsgeheimnis ist das Frankfurter 3-4-3-System. Gleiches mit Gleichem bekämpfen: So lautete der Plan von Werder-Coach Florian Kohfeldt. Er stellte seine Mannschaft ebenfalls in einem 3-4-3-System auf. Joshua Sargent und Romano Schmid begannen als Halbstürmer neben Milot Rashica. Werder Bremen spiegelte damit die Formation der Frankfurter; jedem Bremer Verteidiger war automatisch ein Frankfurter Angreifer zugeteilt.

Werder interpretierte das Spielsystem allerdings wesentlich defensiver, als dies die Frankfurter taten: Die beiden Außenverteidiger rückten weit nach hinten, sodass ein 5-2-3 entstand. Werder Bremen war vor allem darauf bedacht, das Zentrum zu schließen. Dazu schlossen Sargent und Schmid die Passwege in die Spielfeldmitte. Frankfurt sollte den Ball innerhalb der Dreierkette laufen lassen und anschließend auf die Außen passen.

Kaum Zugriff vor der Pause: Werder Bremen in der Taktik-Analyse gegen Eintracht Frankfurt

Werders Plan kam allerdings schon nach wenigen Minuten völlig ins Wanken. Frankfurt bezwang die Bremer Abwehr nicht aus dem Spiel heraus, sondern nach einem Standard. Bremen verpasste es, nach einem kurz ausgeführten Eckball die Raumdeckung im eigenen Strafraum aufzulösen. Filip Kostic konnte völlig frei flanken, Silva ohne Druck eines Verteidigers einköpfen (9.). Nach dem Tor ließ Eintracht Frankfurt Ball und Gegner laufen. Nun kamen die Nachteile des Bremer Systems zum Tragen: Werder Bremen stand zwar im Zentrum enorm kompakt, rückte allerdings in der ersten Linie nicht auf die Flügel. Frankfurts Innenverteidiger konnten unbedrängt die Außenlinie entlangdribbeln. Auch Frankfurts Sechser wichen immer wieder in den freien Raum aus (siehe Grafik).

Die taktische Ausrichtung von Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt.

Zu Werders Glück sammelten die Frankfurter zwar 65 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit. Sie kamen allerdings nur selten in Abschlusspositionen. Das war der Vorteil der tiefen Bremer Verteidigung: Sie blockierten die Rückpasswege ins Zentrum. Frankfurt blieb häufig nur die Flanke. Im eigenen Strafraum blieb Werder fast gänzlich ohne Fehler. Die Innenverteidiger schalteten rechtzeitig auf Manndeckung um und gewannen praktisch jedes Kopfballduell. So blieb es bis zur Pause beim 0:1.

Die Lücke hinter Filip Kostic: Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt in der Taktik-Analyse

Schon vor der Halbzeitpause war in einzelnen Situationen zu erahnen, wie Werders Offensivplan aussah. Die Außenverteidiger absolvierten ein hohes Pensum: Sie schossen nach Ballgewinnen direkt nach vorne. Sie sollten die hoch stehenden Außenverteidiger der Frankfurter abhängen. Bis zur Halbzeitpause gelang dies aber nur selten. In der zweiten Halbzeit funktionierte dieser Trick jedoch wesentlich besser. Werder Bremen hatte vor allem Frankfurts linke Seite als Schwachstelle ausgemacht. Kostic arbeitete nicht fleißig mit nach hinten, und auch der linke Innenverteidiger Martin Hinteregger lief immer wieder nach vorne. Theodor Gebre Selassie und auch Sargent boten sich immer wieder hinter ihnen im halbrechten Raum an.

Werder Bremen fand die beiden Sprinter auf Rechtsaußen nun immer häufiger. Das lag nicht zuletzt daran, dass sie mehr Risiko im Zentrum eingingen. Da beide Teams dieselbe Formation spielten, entstanden viele Eins-gegen-Eins-Duelle auf dem ganzen Feld. Dribbelte nun ein Gegenspieler seinen direkten Kontrahenten aus, hatte er meist genügend Zeit, einen Pass in die Tiefe zu spielen. Sowohl vor dem 1:1 (47.) als auch vor dem 2:1 (62.) setzten sich die Bremer im direkten Duell im Zentrum durch, um anschließend den Ball nach halbrechts hinter die Abwehrkette zu spielen.

Die Taktik von Werder Bremen gegen die SGE in der Analyse: Frankfurter Flankengewitter

Nach der Führung zogen sich die Bremer noch weiter zurück. Eintracht Frankfurt versuchte weiterhin, auf den Außen durchzubrechen. SGE-Trainer Adi Hütter, der sich am Rande des Spiels mit Florian Kohfeldt zoffte, schwächte mit seinen Wechseln allerdings die rechte Seite. Ab der 65. Minute griff Frankfurt praktisch nur noch über die linke Seite an. Das war äußerst ausrechenbar, zumal fast alle Frankfurter Angriffe mit Flanken endeten. Von den insgesamt 39 Hereingaben führte keine zu einer Großchance.

Werder Bremen konnte sich auf die eigene Defensive verlassen. Frankfurt hatte am Ende zwar fast siebzig Prozent Ballbesitz, Chancen blieben aber Mangelware. Werder mauerte sich zum Erfolg. Dass sie über die rechte Seite Nadelstiche setzen konnten, sorgte letztlich für den verdienten Sieg. Es war ein Sieg mit Ansage: Bereits vor dem Spiel hatten die Bremer die Schwachstelle der Frankfurter auf deren linker Seite verortet. Für Florian Kohfeldt muss es ein schönes Gefühl gewesen sein, dass sein Plan aufging.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Meistgelesene Artikel

Füllkrug und Augustinsson fit für die Werder-Startelf gegen Mainz

Füllkrug und Augustinsson fit für die Werder-Startelf gegen Mainz

Füllkrug und Augustinsson fit für die Werder-Startelf gegen Mainz
Werder verurteilt Super-League-Pläne „aufs Schärfste“

Werder verurteilt Super-League-Pläne „aufs Schärfste“

Werder verurteilt Super-League-Pläne „aufs Schärfste“
Werder Bremen gegen Mainz 05: So seht Ihr den Bundesliga-Abstiegskampf-Kracher live im TV und im Live-Stream

Werder Bremen gegen Mainz 05: So seht Ihr den Bundesliga-Abstiegskampf-Kracher live im TV und im Live-Stream

Werder Bremen gegen Mainz 05: So seht Ihr den Bundesliga-Abstiegskampf-Kracher live im TV und im Live-Stream
Philipp Bargfrede bleibt bei den Profis des SV Werder und soll Bremen im Abstiegskampf helfen

Philipp Bargfrede bleibt bei den Profis des SV Werder und soll Bremen im Abstiegskampf helfen

Philipp Bargfrede bleibt bei den Profis des SV Werder und soll Bremen im Abstiegskampf helfen

Kommentare