6:1-Sieg im DFB-Pokal gegen Wormatia Worms

Taktik-Analyse: Werder bleibt Stil treu - im Schlechten, vor allem aber im Guten

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Werder-Coach Florian Kohfeldt bleibt seiner Spielidee treu.

Florian Kohfeldt macht taktisch und personell da weiter, wo er vergangene Saison aufgehört hat. Unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher erklärt das Bremer System, bewertet, wie sich die Neuzugänge eingefügt haben, und wagt eine Prognose, wie es in den kommenden Wochen mit Werder weitergeht.

Vor jeder Saison träumen Verantwortliche wie Fans davon, dass in diesem Jahr alles anders wird; eine neue Saison, eine neue Chance. So ganz stimmt dies natürlich nicht: Keine Saison beginnt bei null. Jeder Verein schleppt Altlasten aus der vergangenen in die neue Saison – manchmal im negativen, manchmal jedoch auch im positiven Sinn.

So war auch Werder Bremens Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal kein wirklicher Neubeginn. Während Florian Kohfeldt in der Vorbereitung so manche neue taktische Variante testete, kehrte er gegen Wormatia Worms zum System der vergangenen Saison zurück. Kein Neuanfang – aber ein Spiel mit vielen positiven Signalen.

Alte Systematik...

Kohfeldt stellte sein Team in einem Mischsystem aus 4-3-3 und 4-4-2 auf. Neuzugang Davy Klaassen übernahm Eins-zu-Eins die Rolle seines Vorgängers Thomas Delaney: Als linker Achter kurbelte er bei eigenem Ballbesitz das Spiel an, bei gegnerischem Ballbesitz agierte er als zweiter Angreifer neben Max Kruse. Auch der zweite Neuzugang in der Startelf, Yuya Osako, fügte sich nahtlos ins Spiel ein. Er übernahm die Rolle des ins Sturmzentrum sprintenden Rechtsaußen. Alle übrigen Bremer Startelf-Akteure kannten Kohfeldts System bereits aus der vergangenen Saison.

Mit diesen offensiven Laufwegen hat Werder das Spiel gegen Wormatia Worms bestimmt.

Aufgrund der personellen wie taktischen Kontinuität agierte Werder aus spielerischer Sicht, wie man es von ihnen aus der vergangenen Saison gewohnt ist: Die meisten Angriffe liefen über die linke Seite. Hier gab Florian Kainz den Fixpunkt. Der Österreicher bekam viele Bälle im linken Halbraum und suchte häufig das Dribbling. Linksverteidiger Ludwig Augustinsson sprintete an die Grundlinie, sobald Kainz Richtung Zentrum startete.

Da auch Klaasen und Stürmer Max Kruse häufig nach links zogen, lief ein Großteil der Bremer Angriffe über diese Seite. Diese Linkslastigkeit im Bremer Spiel ist nicht neu: Kohfeldts System funktionierte bereits in der vergangenen Saison so.

… Neue Stärken

Kohfeldt hat seinem System einige taktische Kniffe hinzugefügt, die Werders Ballbesitzspiel auf ein höheres Niveau heben. So bewegt sich Rechtsverteidiger Gebre Selassie häufig ins Zentrum, wenn sich der Ball auf der linken Seite befindet. Dadurch sichert Selassie das Zentrum nach einem Ballverlust zusätzlich ab. Zugleich ermöglicht dies Maximilian Eggestein, häufiger in den Strafraum zu starten und dort für Gefahr zu sorgen.

Es sind solche Details, dank denen Bremen den Gegner an dessen Strafraum festnagelte. Werder wirkte in allen Belangen eingespielt: Die Pässe kamen präzise und hart, die Spieler wussten schon zum Zeitpunkt der Ballannahme, wo sich ihre Mitspieler befanden. Nach Ballverlusten setzte Werder sofort nach, konnte dank der guten Struktur viele Bälle sofort wieder zurückerobern.

Auch wenn der Viertligist aus Worms in seinem biederen 4-4-2-System allenfalls ein Sparringspartner war: Man spürt schon jetzt, dass Werder sich im Ballbesitzspiel und bei der Rückeroberung von Fehlpässen weiterentwickelt hat.

Bei Bremer Spielverlagerung auf den linken Flügel macht Theodor Gebre Selassie das Zentrum dicht.

In einigen Situationen blitzten jedoch noch die Schwächen der vergangenen Saison durch. Vor Bremens Treffer zum 2:0 zum Beispiel: Bremen schuf eine Überzahl auf der linken Seite, erhöhte das Tempo, kombinierte sich über den linken Halbraum Richtung Tor – nur um am Ende mit einem Pass auf die Flügel den Angriff abzubrechen und das Tempo herauszunehmen. Kainz kaschierte diesen Fehler, indem er den Ball genial in den Winkel schlenzte. Doch solche Angriffe sollte Werder im Idealfall direkt zu Ende spielen, sobald sie Tempo aufgenommen haben.

Auf andere Fragen kann ein Pokalspiel gegen einen unterklassigen Gegner noch keine Antworten geben. So zog sich Werder nach der 5:1-Pausenführung weiter zurück, verteidigte etwas tiefer. Sie spielten nach der Pause einige geniale Konter, bei denen die Raumaufteilung stimmte. Ob diese Konter auch gegen Erstligisten funktionieren? Und wird Werder dann sauberer verteidigen? Gerade in der tiefen Verteidigung übte Bremen kaum Druck auf den Gegner aus – ein Manko, das sie bereits vergangene Saison plagte.

Welche Tricks hat Kohfeldt noch im Ärmel?

Und welche alternativen Varianten hat Kohfeldt im Gepäck, sollten sich kommende Gegner besser einstellen auf Bremens linkslastiges System? In der zweiten Halbzeit agierte Werder aus einem Rautensystem heraus, mit Kainz als Zehner hinter einer Doppelspitze aus Kruse und Claudio Pizarro. Dieses System hat ein hohes spielerisches Potential aus dem Zentrum heraus, lässt sich aufgrund des Spielstands von 6:1 aber kaum seriös bewerten.

Eins scheint aber bereits nach dem ersten Saisonspiel klar: Kohfeldt will keinen radikalen Neuanfang. Er geht konsequent den Weg weiter, den er seit dem vergangenen Jahr in Bremen eingeschlagen hat: fußballerisch, taktisch, aber auch personell. Die neue Saison dürfte für Bremen also kein Neuanfang werden, sondern eine Weiterführung der vergangenen Spielzeit. Das dürfte angesichts der Ergebnisse der vergangenen Monate nicht die schlechteste Idee sein.

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Fotostrecke: Werder Bremen feiert 6:1-Feuerwerk gegen Wormatia Worms

Erste Runde DFB-Pokal: Wormatia Worms gegen Werder Bremen.
Erste Runde DFB-Pokal: Wormatia Worms gegen Werder Bremen. © gumzmedia
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Erste Runde DFB-Pokal: Wormatia Worms gegen Werder Bremen. © imago
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Erste Runde DFB-Pokal: Wormatia Worms gegen Werder Bremen. © dpa
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Quelle: DeichStube

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