3:1-Sieg gegen Mainz 05

Taktik-Analyse: Max Kruse macht den Unterschied – auch aus taktischer Sicht

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Das Team von Florian Kohfeldt setzte die Marschroute des Trainers gegen Mainz 05 sehr gut um.

Bremen - Es hätte ein zähes Spiel zweier Teams werden können, die eine ähnliche Formation spielen. Doch nicht mit Max Kruse. Warum Werders Kapitän gegen Mainz auch aus taktischer Sicht den Unterschied gemacht hat, beleuchtet unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher in seiner Analyse.

Es braucht nicht viel Kreativität, um nach Werder Bremens 3:1-Sieg über Mainz eine Lobeshymne auf Max Kruse zu verfassen. Werders Kapitän war der überragende Mann auf dem Platz. Zwei Tore erzielte er selbst, das dritte bereitete er vor. An sechs der acht Bremer Schüsse war er direkt beteiligt. Kruse sprengte die taktischen Fesseln, die im Duell zweier ähnlicher Systeme entstanden waren.

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Raute gegen Raute

Florian Kohfeldt hielt an dem System der vergangenen Wochen fest. Im Mittelfeld begann Werder mit einer Raute. Kruse agierte als umtriebiger Zehner hinter der Doppelspitze aus Milot Rashica und Martin Harnik. Maximilian Eggestein durfte auf der für ihn ungewohnten Position des einzigen Sechsers ran.

Mainz-Trainer Sandro Schwarz wählte ebenfalls eine Raute. Während bei Bremen die Achter im zentralen Mittelfeld etwas weiter vorschoben, agierten sie bei Mainz häufig auf einer Linie mit Sechser Pierre Kunde. Das waren aber allenfalls Details. Im Grunde spielten Bremen und Mainz mit derselben Formation.

Die Grafik zeigt die Spielsysteme von Bremen und Mainz, die sich ähnelten. Kruse sprengte mit seinen Bewegungen die taktischen Fesseln des Spiels.

Spiele zwischen Mannschaften mit derselben taktischen Formation entwickeln sich meist eher zäh. Kein Wunder: Jeder Spieler hat einen direkten Gegenspieler zugeteilt, es entstehen überall auf dem Feld direkte Zweikämpfe. Wenn beide Teams dazu noch hoch pressen, wie dies Bremen und Mainz taten, gibt es praktisch keine freie Anspielstation im Mittelfeld.

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Kruse sprengt das taktische Patt

Mainz versuchte gar nicht erst, in die Mittelfeldräume zu gelangen. Sie spielten den Ball konsequent aus der Abwehr lang nach vorne. Im Anschluss gingen sie aggressiv auf die zweiten Bälle. Sie wollten die Dynamik von Leven Öztunali und Danny Latza nutzen. Die Strategie ging selten auf, da Bremens Achter im Spiel gegen den Ball wachsam waren.

Bremens Strategie war eine andere. Sie trug letztlich einen Namen: Max Kruse. Der Aufbau bei Bremen lief meist über die freien Außenverteidiger, diese wiederum suchten sofort Kruse. Und sie fanden ihn. Kruse zeigte sich umtriebig wie eh und je. Mal ließ er sich in den Sechserraum fallen, mal ging er auf den linken Flügel, mal startete er dynamisch in die Spitze.

Kruse sprengte mit seinen Läufen das taktische Patt im Mittelfeld und wirbelte die Mainzer Ordnung durcheinander. Diese ließen sich von Kruse häufig aus der Position locken. Sie kamen allerdings nicht in die Zweikämpfe mit Kruse, was zwei Gründe hatte: Zum Einen erwischte Kruse einen Sahnetag und verlor auch unter Druck kaum Bälle. Zum Anderen besetzten seine Mannschaftskollegen klug die frei werdenden Räume, sobald sich zwei Mainzer auf Kruse stürzten. Vor allem Rashica überzeugte als Tiefensprinter, sein Gegenspieler Stefan Bell konnte dem hohen Tempo Rashicas nicht folgen. Aber auch Eggestein zeigte kluge Läufe aus dem defensiven Mittelfeld.

Spielverlauf spielt Bremen in die Karten

Dass Bremens Strategie aufging, war auch dem Spielverlauf geschuldet. Nach dem frühen 1:0 (3.) konnten sie Mainz den Spielaufbau überlassen und sich selbst etwas stärker auf Konter fokussieren. Just in der Phase, als sie ihr Pressing etwas schleifen ließen und Mainz sich öfter flach in die Bremer Hälfte kombinieren konnte, fiel das Bremer 2:0 (36.).

Schwarz hielt auch nach der Pause an seiner Raute fest. Mit Alexandru Maxim (für Öztunali) brachte er jedoch einen kreativeren Spielertypen für die halblinke Achter-Position, Latza rückte nach rechts. Maxim überlud nun mit Zehner Jean-Paul Boëtius den halblinken Raum. Mainz erzielte aus dieser Zone recht schnell den Anschlusstreffer (52.).

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Fotostrecke: Ein Tor Rashica, zwei Tore Kruse, drei Punkte Werder

Werder Bremen gegen Mainz 05
Werder Bremen gegen Mainz 05 © dpa
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Bremen brauchte einige Minuten, um das eigene Spiel anzupassen. Sie verschoben im Anschluss stärker auf die starke Mainzer Seite. Rechtsverteidiger Gebre Selassie interpretierte seine Position etwas defensiver, sodass Werder die Lücken schließen konnte. Offensiv machten sie dort weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Nach einem schnelle Angriff erzielte Kruse den entscheidenden Treffer zum 3:1 (63.).

Fazit

Kruse kann sich nach dem Sieg in Mainz zurecht als Held feiern lassen. Mit seiner Klasse und seiner Beweglichkeit sprengte er die taktischen Ketten, die das Spiel fesselten. Werders System ist ganz auf den Kapitän zugeschnitten. Kaum überraschend, dass sich in Bremen dieser Tage alles um die Frage dreht, ob Kruse verlängert. Er selbst betont immer wieder, dass er kommende Saison europäisch spielen will. Momentan tut er alles dafür, dass er das in Bremen kann.

Quelle: DeichStube

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