Kein Leckerbissen für Taktik-Liebhaber

Ein Spiel voller Respekt: Werder und Freiburg mauern sich zum 0:0 – die Taktik-Analyse

Florian Kohfeldt, Cheftrainer des SV Werder Bremen, gibt seiner Mannschaft taktische Anweisungen im Bundesliga-Spiel gegen den SC Freiburg.
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Florian Kohfeldt, Cheftrainer des SV Werder Bremen, gibt seiner Mannschaft taktische Anweisungen im Bundesliga-Spiel gegen den SC Freiburg.

Bremen – Werder Bremen und der SC Freiburg trennen sich torlos. Überzeugt haben vor allem die Defensivreihen beider Teams. Ein Spiel für Taktikfüchse also? Mitnichten, meint DeichStube-Taktikexperte Tobias Escher.

Eigentlich hätte die Partie zwischen Werder Bremen und dem SC Freiburg gar nicht angepfiffen werden müssen. Man hätte einfach nur Freiburgs Trainer Christian Streich zuhören müssen. Seine Analyse vor dem Spiel nahm die folgenden 90 Minuten vorweg. Bremen, so seine Prognose, werde im 5-3-2 kompakt verteidigen und Freiburg den Ball überlassen. Erst in der zweiten Halbzeit werden sie aufrücken. Seine Freiburger werden es nicht leicht haben, ein Tor zu erzielen. Streichs Vorhersage traf voll ins Schwarze. Trotz mancher taktischen Bemühung konnte der Gäste-Trainer nicht verhindern, dass sie wahr wird.

Taktik-Analyse: Werder Bremen steht gegen Freiburg tief und kompakt

Werder Bremen begann das Spiel – wie von Streich vorausgesagt – abwartend. Florian Kohfeldt hatte seine Mannschaft in einem 5-3-2 aufgestellt. Milot Rashica und Joshua Sargent bildeten einen Doppelsturm. Im Mittelfeld agierten Romano Schmid und Maximilian Eggestein leicht versetzt vor Sechser Kevin Möhwald. Freiburg begann die Partie in einer offensiven 3-4-3-Formation. In der Anfangsphase verzichtete Werder auf ein hohes Pressing, Sargent und Rashica liefen die Freiburger Dreierkette nicht an. Stattdessen schlossen sie die Passwege ins Freiburger Mittelfeld. Erst wenn die Gäste die Mittellinie überquerten, ging Werder zum Zweikampf über.

Trotz der kompakten Bremer Verteidigung gelangte Freiburg zunächst häufig in die Bremer Hälfte. Sie hatten sich einen Spielzug zurechtgelegt: Sechser Baptiste Santamaria rückte auf den rechten Flügel. Freiburg schuf hier eine Überzahl, um Werders Verteidiger herauszulocken. Im Anschluss spielten sie den Ball aber nicht flach zu Santamaria, sondern direkt lang hinter die Abwehr. Hier lauerte Stürmer Ermedin Demirović auf die langen Zuspiele von Verteidiger Philipp Lienhart.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Ömer Toprak als Hybrid-Innenverteidiger gegen Freiburg

Werder Bremen passte sich jedoch recht schnell an diese Spielweise an. Romano Schmid rückte fortan aggressiv aus der Kette, sobald der Ball zu Lienhart kam. Auch die Abwehrkette passte ihr Timing beim Herausrücken an. Werder bekam Freiburgs rechte Seite in den Griff. Freiburgs Versuch, denselben Spielzug auf links zu kopieren, ging mangels Passgenauigkeit nicht auf. Die Breisgauer verzichteten ebenfalls auf ein hohes Pressing. Sie zogen sich in einem 5-2-3 zurück. Werders Verteidiger bekamen Zeit am Ball. Bremen nutzte diese Zeit, um die eigenen Angriffe vorzubereiten. So fanden auch die Bremer nach und nach in die Partie.

In der Folge rückte Ömer Toprak in den Mittelpunkt – im wahrsten Sinne des Wortes. Der zentrale Verteidiger der Bremer Dreierkette bewegte sich immer wieder nach vorne. Er bot sich im Sechserraum an. Über ihn wollte Werder Freiburgs erste Pressinglinie knacken. Sechser Möhwald ließ sich im Gegenzug fallen. So gab es in der ersten Linie viel Bewegung im Bremer Spielaufbau.

Die Grafik zeigt die Bemühungen des SV Werder Bremen im Spielaufbau. Ömer Toprak rückte immer wieder aus der Abwehr in den Sechserraum, Kevin Möhwald ließ sich im Gegenzug fallen. Freiburgs Spieler verfolgten Möhwald und Toprak. Es entstand ein Freiraum für Romano Schmid und Milot Rashica, den Freiburgs Verteidiger jedoch schlossen, sobald der Ball zu ihnen kam.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse gegen den SC Freiburg: Der Star ist die Mannschaft(staktik)

Doch nicht nur Bremens Verteidiger zeigten sich umtriebig. Auch die übrigen Akteure stimmten sich bei ihren Offensivläufen ab. Rashica ließ sich häufig etwas fallen. Er versuchte, Freiburgs Verteidiger aus der Abwehrkette zu ziehen. Maximilian Eggestein und Romano Schmid sollten die entstehenden Lücken besetzen. Werder Bremen probierte viel im eigenen Ballbesitzspiel. Die gesamte Mannschaft zeigte sich umtriebig. Warum sprang dabei trotzdem wenig Ertrag heraus? Das lag nicht zuletzt an einem gut eingestellten Gegner. Sobald Toprak vorrückte, ließ sich Freiburgs Woo Jeong Cheong sofort fallen. Santamaria wiederum heftete sich an die Fersen des zurückfallenden Möhwalds.

Raumgewinn erzielten die Bremer vor allem, wenn sie die Lücken hinter Santamaria fanden. Dessen Aufrücken hatte zur Folge, dass ein Freiburger Verteidiger herausrücken und die Lücke füllen musste. Die restliche Abwehrkette rückte ein. So entstand ein Freiraum auf den Flügeln. Werder Bremen initiierte einige schnelle Angriffe über die Flügel. Freiburgs Spieler kehrten jedoch selbst nach guten Eröffnungen der Bremer schnell in die eigene Ordnung zurück. Chancen blieben Mangelware.

Werder Bremen gegen den SC Freiburg: Defensiv stark – aber dennoch kein „Spiel für Taktikliebhaber“

Nach der Pause rückten die Bremer im Pressing einige Meter weiter vor. Sie attackierten die Freiburger Innenverteidigung. Hier hatte Christian Streich in der Halbzeitpause umgestellt: Lienhart agierte nun zentral, Manuel Gulde auf halbrechts. Doch auch mit veränderter Besetzung erhielt Werder Bremen noch Zugriff auf Freiburgs rechte Seite. Die Freiburger wiederum agierten etwas passiver, Bremen fand seltener den Raum hinter Santamaria. Auch nach der Pause verteidigten beide Teams diszipliniert und konzentriert. Kommentatoren sprechen bei solchen Partien gerne von einem „Spiel für Taktikliebhaber“. So defensivtaktisch sauber beide Teams agierten: Für ein Spiel auf taktisch höchstem Niveau fehlten nicht nur offensivtaktische Winkelzüge, sondern vor allem Umstellungen während des Spiels. Selbst als Florian Kohfeldt nacheinander Davie Selke, Yuya Osako und Leonard Bittencourt ins Spiel brachte, hielt er am 5-3-2-Grundsystem fest. Auch Streich änderte seine Formation nicht merklich.

Beide Trainer hatten merklich Respekt vor ihrem Gegenüber. Das übertrug sich auf die Spieler: Kein Team wollte den entscheidenden Fehler begehen und den Gegner zu einem Konter einladen. Somit entpuppten sich Streichs Prophezeiungen als selbsterfüllend: Am Ende trennten sich zwei defensiv eingestellte Teams 0:0.

Auch interessant: Milos Veljkovic verletzt - aber Werder Bremen gibt vorsichtig Entwarnung. Und: So reagiert Werder auf die Wechsel-Gerüchte um Marco Friedl.

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