Werder-Niederlage gegen Hertha BSC

Neuerungen? Fehlanzeige! SV Werder Bremen taktisch mit viel Luft nach oben

Florian Kohfeldt, Cheftrainer von Werder Bremen, gibt gegen Hertha BSC taktische Anweisungen
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Die taktischen Anweisungen von Trainer Florian Kohfeldt haben gegen Hertha BSC offenbar nicht gefruchtet: Werder Bremen musste eine 1:4-Niederlage hinnehmen.

Bremen - Neue Saison, neues Glück? Diese Hoffnung dürfen Werder-Fans bereits nach dem ersten Spieltag begraben. Die 1:4-Niederlage gegen Hertha BSC zeigt: Werder Bremen hat noch viele Baustellen. Unseren Taktikanalysten Tobias Escher erinnerte die Partie erschreckend stark an die Vorsaison.

Alles soll besser werden. So lautete das Versprechen der Verantwortlichen des SV Werder Bremen vor der Saison. Trainer Florian Kohfeldt erklärte im Deichstube-Interview: „Wir wollen es schaffen, wieder unseren Fußball zu spielen.“ Angesichts dieser Aussage hinterlässt die 1:4-Niederlage gegen Hertha BSC viele Fragezeichen. Werder verlor nicht nur völlig verdient – auch vom angepeilten Offensivstil war wenig zu erkennen.

Werder Bremen gegen Hertha BSC: Defensiv stabil, offensiv harmlos

Safety first: So lautete offensichtlich Werders Motto in der ersten Halbzeit. Florian Kohfeldt hatte seine Mannschaft in einem stabilen 4-2-3-1 aufgestellt. Auffällig war die Besetzung der Flügelpositionen: Auf Rechtsaußen begann der junge Leihspieler Tahith Chong, auf Linksaußen der nominelle Stürmer Joshua Sargent. Yuya Osako pendelte zwischen den beiden Flügeln als beweglicher Zehner. Die nominell offensive Besetzung der Außenpositionen kam aber zunächst nicht zum Tragen. Stattdessen begann Werder Bremen die Partie abwartend. Sie zogen sich in einem 4-4-2 an den Mittelkreis zurück. Herthas Abwehr durfte das Spiel gestalten.

Die Herthaner übernahmen die Kontrolle über die Partie. Bruno Labbadia hatte sein Team in einem 4-3-1-2 aufgestellt, also mit einer sogenannten Mittelfeldraute. Berlin wollte zunächst über das Zentrum vorrücken. Werders kompakte Viererketten neutralisierten jedoch Herthas Vier-Mann-Mittelfeld. Gerade Herthas Spielgestalter Matheus Cunha blieb zunächst vom Spielaufbau seiner Mannschaft abgeschnitten.

Taktik-Analyse: Ein Fehler – und Werder Bremen liegt gegen Hertha BSC hinten

Werder Bremen setzte ganz auf defensive Stabilität. Doch auch Hertha BSC wagte zunächst nicht mehr als nötig. Sechser Niklas Stark ließ sich immer wieder fallen, um die letzte Linie aufzustocken. Trotzdem blieben die Außenverteidiger in den Anfangsminuten auffallend defensiv. Hertha hatte Respekt vor etwaigen Bremer Kontern. So neutralisierte Hertha die Bremer Jungstars auf den Flügeln. Werder kam zudem selten zu Umschaltaktionen. Es fehlten die nötigen Ballgewinne: Herthas Verteidiger wurden von Bremen nicht gestört. Sie konnten das Spiel mit langen Bällen eröffnen, im Mittelfeldzentrum gab es nur wenige Zweikämpfe. Allenfalls nach Berliner Fehlern gab es die Möglichkeit, schnell umzuschalten.

Beide Teams neutralisierten sich. Erst nach einer halben Stunde wagte Hertha mehr. Die Außenverteidiger rückten nun weit vor. Sie wurden defensiv abgesichert von den Achtern Lucas Tousart und Vladimir Darida. Werder Bremen hatte die Vorstöße der Außenverteidiger gut im Griff, auch weil die eigenen Außenstürmer viel Defensivarbeit verrichteten. Bis zur 42. Minute: Werders gesamtes Kollektiv verpasste es, am eigenen Strafraum Druck aufzubauen. Herthas Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt bediente Rechtsverteidiger Peter Pekarik – 1:0 (42.). Nach dem Rückstand zeigte sich bei Bremen die Nervosität, die man aus der vergangenen Saison kennt. Ein Fehlpass lud Hertha kurz darauf zum Konter ein – das 2:0 noch vor der Pause (45.).

Die Grafik zeigt Werder Bremens defensiv stabiles, aber offensiv harmloses 4-4-2-Konstrukt gegen Hertha BSC.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse: Florian Kohfeldt wagt viel – und gewinnt wenig

Der Rückstand zwang Florian Kohfeldt, bereits in der Halbzeit zu reagieren. Leonardo Bittencourt kam für Osako ins Spiel. Er interpretierte seine Position als Zehner noch freier. Er bewegte sich besonders häufig auf den linken Flügel. Hier fand Werder Bremen eine Schwachstelle der Herthaner: Diese hatten in der Pause auf ein 4-3-3-System umgestellt. Rechtsaußen Dodi Lukebakio arbeitete jedoch nur halbherzig nach hinten mit. Werders Linksverteidiger Ludwig Augustinsson fand somit jede Menge Raum vor sich.

Der SV Werder Bremen investierte nun wesentlich mehr in die eigene Offensive. Gerade die Außenverteidiger rückten weit nach vorne. Das hatte seinen Preis: Werder stand nun offener für Konter. Gerade Cunha wusste dies zu nutzen. Als einrückender Linksaußen überzeugte er in der zweiten Halbzeit und stellte Werder vor einige Probleme – so etwa bei seinem Treffer zum 3:0 (62.). In der Folge stellte Kohfeldt auf eine enorm offensive Raute um: Sargent agierte als Zehner hinter einem Doppelsturm aus Davie Selke und Niclas Füllkrug. Mit dieser neuen Formation hatte Werder viel Präsenz im Strafraum. Sie griffen weiterhin vornehmlich über die linke Seite an; Bittencourt kurbelte das Spiel als halblinker Achter an.

Werder Bremen gegen Hertha BSC: Offensiv harmlos, defensiv anfällig

Mehr als den Anschlusstreffer brachte Werders Offensive gegen Hertha BSC nicht zustande. Das lag auch an Gäste-Trainer Labbadia, der auf den Bremer Sturmlauf schnell reagierte: Er stellte nach Bremens 1:3 (69.) auf ein 5-3-2-System um. Mittelstädt brachte als zusätzlicher Verteidiger Stabilität, der eingewechselte Deyovaisio Zeefuik sicherte als defensiver Rechtsaußen besser ab als Lukebakio zuvor. Die Fans des SV Werder Bremen dürften nach dem 1:4 enttäuscht sein. Viele Probleme der alten Saison scheinen auch in der neuen Saison zu bestehen. Die ersten vierzig Minuten stand Werder defensiv stabil, was allerdings auf Kosten der offensiven Durchschlagskraft ging. Nach dem 0:1 brach Werder zusammen. Selbst der Systemwechsel nach der Pause half wenig. Bereits am zweiten Spieltag muss sich Florian Kohfeldt mit Werder etwas Neues einfallen lassen. Eine Niederlage gegen Schalke – und die Krise wäre perfekt. Werder-Sportchef Frank Baumann hat die Mannschaft bereits in die Pflicht genommen.

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