Werder 1:1 gegen VfB Stuttgart

Taktik-Analyse: Keine Mittel gegen tiefe Defensive

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Trainer Florian Kohfeldt und Werder Bremen haben sich mal wieder von einem Kellerkind ärgern lassen. Dieses Mal war es der VfB Stuttgart.

Der VfB Stuttgart ärgert den SV Werder Bremen mit derselben Taktik, die bereits Hertha BSC in der Vorwoche erfolgreich angewandt hat. Warum Werder nicht an der Betonmauer der Stuttgarter vorbeifand und wieso dieses Problem sie Europa kosten kann, erklärt unser Taktik-Analyst Tobias Escher.

13 von 24 möglichen Punkten. Diese Bilanz ergibt sich, wenn man ausschließlich Werders Spiele gegen die vier Klubs am Tabellenende betrachtet. Nur 1,6 Punkte pro Spiel: Das ist die schlechteste Bilanz aller Bundesliga-Vereine gegen die Kellerteams (ausgenommen natürlich die Kellerteams selbst). Bremen gelingt es in dieser Saison einfach nicht, sich gegen defensive Teams Chancen zu erarbeiten. Auch beim 1:1 gegen den VfB Stuttgart plagte Werder dieses Manko.

Raute gegen Fünferkette

Florian Kohfeldt entschied sich, sein Team erneut in einer Raute aufzustellen. Überraschend begann Sturmtalent Joshua Sargent in vorderster Linie neben Milot Rashica. Max Kruse zog als Zehner die Strippen, während Nuri Sahin das Spiel aus der Tiefe anleiten sollte.

Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl hielt Bremen eine kompakte 5-3-2-Formation entgegen. Mit einer ähnlichen Variante ärgerte bereits Hertha BSC die Bremer am vergangenen Wochenende. Ball im Mittelfeld gewinnen, schnell kontern: Das war die Stuttgarter Spielidee.

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Werder Bremen gegen VfB Stuttgart
Werder Bremen gegen VfB Stuttgart © gumzmedia
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Der neue Sechser Sahin stand in der Anfangsphase gleich mehrfach im Fokus – allerdings nicht als Spielgestalter, sondern aufgrund seiner schwachen Rückwärtsbewegung. Bremen hatte große Probleme, nach Ballverlusten den Raum vor der eigenen Abwehr zu schließen. Die schwache Abstimmung der Innenverteidiger verschlimmerte das Problem. Stuttgart ging bereits nach einer Minute nach einem Konter in Führung, auch danach hatten sie beste Gelegenheiten.

Nach dem frühen Führungstor waren die Rollen zementiert: Im Verlauf der ersten Halbzeit zogen sich die Stuttgarter weiter und weiter zurück. Werder war gezwungen, das Spiel in die Hand zu nehmen. Doch sie fanden keinen Weg vorbei an der kompakten Formation der Stuttgarter.

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Kein Weg durchs Mittelfeld

Der VfB bediente sich auch defensiv an den Ideen von Hertha-Coach Pal Dardai. So versuchte der VfB, Bremens Mittelfeld durch eine enge Deckung aus dem Spiel zu nehmen. Im Zentrum etwa Alexander Esswein, nominell als zweiter Stürmer aufgestellt, gegen Sahin. Bremens alternative Spielidee, über die Außenverteidiger in die Halbräume zu gelangen, funktionierte auch nicht. Stuttgarts Achter Gonzalo Castro und Steven Zuber verteidigten diese Räume. Sie ließen sich immer auch mal wieder auf die Flügel fallen, sobald Maximilian Eggestein und Davy Klaassen auf die Außen starteten.

Es entstand das typische Duell Ballbesitz-Team gegen Konter-Mannschaft. Werder spielte viele Pässe, häufig quer. Nur selten aber erzielten sie Raumgewinn. Im Verlaufe der ersten Halbzeit gelang es ihnen aber nach und nach besser, Kruse in Szene zu setzen. Er fand vermehrt die freien Räume hinter Stuttgarts Achter. Hertha hatte Kruse diese Räume versperrt, indem die Verteidiger der Fünferkette herausrückten. Stuttgarts Verteidiger taten dies nicht. So war Kruse kurz vor der Pause entscheidend am Ausgleichstreffer durch Klaassen beteiligt.

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Wilde Formationswechsel nach der Pause

Eine Statistik der ersten Halbzeit spricht Bände: Gerade einmal drei Ballkontakte hatten die Bremer im gegnerischen Strafraum; Tiefstwert in dieser Saison. Dennoch waren es nicht die Bremer, sondern die Stuttgarter, die taktisch verändert aus der Kabine zurückkehrten. Mittelfeld-Routinier Christian Gentner kam für den angeschlagenen Verteidiger Marc-Oliver Kempf auf das Feld. Damit einher ging eine Umstellung auf ein 4-5-1-System.

Diese Umstellung tat dem Stuttgarter Spiel nicht gut. Die Fünferreihe im Mittelfeld stand äußerst flach, kein Spieler rückte heraus. Sahin hatte nun mehr Zeit am Ball. Zugleich deckte die Viererkette in der Abwehr die Breite des Feldes nicht mehr so gut ab. Werder konnte nun über die Flügel zu erfolgversprechenden Angriffen kommen. Auch Rashica testete mit seinen Dribblings die Abwehrkette.

Nach Kohfeldts erstem Wechsel schien Bremen endgültig die Oberhand zu gewinnen. Nicht nur, dass mit Claudio Pizarro (60., für Sargent) ein neuer Stürmer das Feld betrat. Auch im Mittelfeld war Bremen nun besser aufgestellt: Sahin und Eggestein tauschten die Positionen. Eggestein sicherte in der Tiefe gegnerische Konter besser ab, während Sahin als Achter in Strafraumnähe präzise Pässe spielte.

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VfB-Trainer Weinzierl wechselt klug

Weinzierl reagierte in der Schlussphase jedoch. Einige Zeit nach der Einwechslung von Anastasios Donis (58., für Mario Gomez) beorderte er Esswein als zweiten Stürmer nach vorne. Zuber wiederum rückte als Manndecker auf Eggestein. Stuttgart agierte nun also ebenfalls in einer Raute. Sie spiegelten damit Bremens System, jeder Spieler hatte einen festen Gegenspieler. Dadurch kam Stuttgart wieder besser in die Zweikämpfe.

Kurz vor Schluss stabilisierte Weinzierl die Defensive weiter. Er brachte mit Holger Badstuber (82., für Zuber) einen weiteren Abwehrspieler. Stuttgart kehrte zur 5-3-2-Variante der ersten Halbzeit zurück – eine gute Wahl, um den Punkt über die Zeit zu retten. Die Schlussphase der zweiten ähnelte der Schlussphase der ersten Hälfte. Bremen fand einfach kein Durchkommen gegen die gut gestaffelten Stuttgarter. Diesmal jedoch erzielte Klaassen keinen Treffer aus dem Nichts, und auch Kruse konnte sich nicht mehr in Szene setzen.

Fazit: Es haperte an Basics und Feinschliff

Wieder einmal biss sich Bremen an einem defensiven Abstiegskandidaten die Zähne aus. Bereits beim 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg sahen sie in dieser Disziplin nicht gut aus. Es haperte nicht nur am taktischen Feinschliff, sondern auch an vielen Basics, sprich: die richtigen Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, der Druck im Passspiel, das Verhalten nach Ballverlusten. Da kann Werder noch so sehr lamentieren über den Mauerfußball des Gegners.

Auch wenn dem VfB Stuttgart ein Lob gebührt angesichts der taktisch flexiblen Herangehensweise von Trainer Weinzierl: Wer nach Europa will, muss gegen solche Gegner mehr Punkte holen. Die eigene Bilanz gegen die Kellerkinder kann Bremen indes nicht mehr auffrischen. Sie haben bereits sämtliche Saisonspiele gegen Stuttgart, Augsburg, Hannover und Nürnberg hinter sich. Die Gegner aus der oberen Tabellengegend folgen derweil noch.

Quelle: DeichStube

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