Kohfeldts Plan geht auf

Die Mauer steht in Leverkusen: Werder Bremen holt dank kompakter Defensive einen Punkt - die Taktik-Analyse

Florian Kohfeldt, Cheftrainer des SV Werder Bremen, gibt seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen taktische Anweisungen.
+
Florian Kohfeldt, Cheftrainer des SV Werder Bremen, gibt seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen taktische Anweisungen.

Leverkusen - Vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen hat Florian Kohfeldt die gegnerische Offensive gelobt. Während des Spiels hat seine Mannschaft den passenden Plan vorgelegt, wie sich diese Offensive stoppen lässt. Wie der Plan des SV Werder Bremen aussah, erklärt unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher.

Vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen bekundete Werder-Trainer Florian Kohfeldt seinen großen Respekt vor Peter Bosz. Leverkusens Trainer habe die Mannschaft zu einem Spitzenteam geformt. Kohfeldt imponiere Boszs offensiver Stil. „Wir erwarten eine Mannschaft mit viel Tempo, individueller Qualität, Spielwitz im Zentrum und vielen tiefen Läufen“, sagte er vor der Partie. Davon war beim 1:1 zwischen Werder Bremen und Leverkusen nicht viel zu sehen. Die hochgelobten Leverkusener blieben offensiv harmlos. Das lag auch an einer starken Bremer Defensive – aber eben nicht nur.

Werder Bremen in der Taktik-Analyse gegen Bayer Leverkusen: 5-3-2 gegen 4-3-3

Vom System her blieb Bayer-Coach Bosz seinem offensiven Ansatz treu: Seine Elf begann in einem 4-3-3. Die Außenstürmer rückten weit nach vorne, um Breite auf dem Flügel zu schaffen. Die Doppelacht aus Kerem Demirbay und Nadiem Amiri sollte für Kreativität und Tiefenläufe sorgen. Werder-Coach Kohfeldt hielt seinem Kontrahenten ein 5-3-2-System entgegen. Im Zentrum agierte ein kompaktes Dreier-Mittelfeld vor einer Fünfer-Abwehrkette. Etwas überraschend übernahm Jean-Manuel Mbom die zentrale Position vor der Abwehr. Kevin Möhwald und Maximilian Eggestein agierten in den Halbräumen neben Mbom. Vorne sollte der Doppelsturm aus Joshua Sargent und Tahith Chong für Tempo sorgen bei Konteraktionen.

Diese Konter waren aber eher ein untergeordneter Teil der Bremer Strategie. Im Vordergrund stand die defensive Stabilität. Werder Bremen wollte den Spielaufbau der Leverkusener auf die Außenverteidiger lenken. Diese sollten im Anschluss den Ball nicht ins Mittelfeldzentrum spielen dürfen. Stattdessen provozierte Bremen lange Bälle den Flügel entlang oder zu Stürmer Patrik Schick.

Die Defensivformation des SV Werder Bremen: Mit dem kompakten 5-3-2 hielten Werder Leverkusen aus dem Zentrum raus. Bayer spielte fast ausschließlich Pässe zwischen den drei markierten Verteidigern.

Taktik-Analyse: Das Plus von Werder Bremen auf den Flügeln

Bayer Leverkusen ließ sich jedoch selten zu risikoreichen Aktionen verleiten. Meistens wählten die Außenverteidiger den einfachen Weg: Sie spielten den Ball zurück zum Innenverteidiger. Bayers Verteidiger ließen den Ball lange in den eigenen Reihen zirkulieren. Allein Edmond Tapsoba und Rechtsverteidiger Aleksandr Dragovic spielten 236 Pässe im Verlauf der Partie, von denen rund 90 Prozent beim Mitspieler ankamen. Die gesamte Bremer Mannschaft kam auf 261 Zuspiele (wohlgemerkt bei einer wesentlich geringeren Passgenauigkeit von knapp 60%).

Diese Zahlen beschreiben die Dynamik der Partie recht treffend. Oder besser gesagt: Sie beschreiben die nicht vorhandene Dynamik. Leverkusen wählte fast immer den risikoarmen Weg, ließ Ball und Gegner laufen. Werder verharrte im eigenen 5-3-2-System und rückte erst dann auf den Gegner, wenn dieser Raumgewinn auf dem Flügel erlangte. Der Zugriff auf den Flügeln war indes eine absolute Bremer Stärke an diesem Nachmittag. Eggestein und Möhwald rückten weit heraus, um zusammen mit den Außenverteidigern die gegnerischen Außenstürmer zu isolieren. Besonders Ludwig Augustinsson überzeugte im direkten Duell gegen Leon Bailey.

Werder Bremen verteidigte dabei clever: Die Bremer versuchten stets einen Schritt tiefer zu stehen, um keine Flanken zu Ecken abzufälschen. Neun Treffer hatten die Leverkusener in dieser Saison bereits nach Eckbällen geschossen. Zwischen der 15. und 77. Minute ließ Werder keine einzige Ecke zu.

Werder Bremen gegen Bayer 04v Leverkusen in der Taktik-Analyse: Zwei Chancen, zwei Tore

Trotz der defensiv starken Vorstellung kam die Bremer Führung kurz nach der Pause überraschend. Werder Bremen hatte zu diesem Zeitpunkt keinen einzigen Torschuss abgegeben. Chong und Sargent konnten sich bei Umschaltsituationen selten durchsetzen. Durch die tiefe Ballzirkulation und die dadurch recht tiefe Rolle der Leverkusener Außenverteidiger gab es keine Räume, die Werder in Kontersituationen hätte bespielen können. Der Führungstreffer fiel folgerichtig nicht aus dem Spiel, sondern nach einem Standard (52.).

Peter Bosz löste nach dem Bremer 1:0 seine Viererkette in der Abwehr auf. Fortan agierten die Leverkusener aus einem 3-4-3-System. Florian Kohfeldt zog Sargent auf die linke Seite, um das neue Leverkusener System zu kontern. Das neu formierte 5-4-1 sollte die Flügel besser sichern. Selbst Niklas Füllkrug musste nach seiner Einwechslung (81., für Sargent) defensiv auf dem linken Flügel aushelfen. Leverkusen fiel offensiv gegen die Bremer nicht viel ein. Diese zogen sich an den eigenen Strafraum zurück. Bayer schlug Flanke um Flanke, um irgendwie in den Bremer Strafraum zu gelangen. Von Erfolg gekrönt war nur eine Hereingabe – und diese führte prompt zum Ausgleich (70.). Es war die einzige Großchance, die Werder an diesem Nachmittag zuließ.

Taktik-Analyse: Gerade einmal zwei Schüsse gab Werder Bremen ab

Das Fazit der Partie ist entsprechend ein altbekanntes: Bremens Defensive gebührt (mal wieder) ein Lob. Gegen eine der stärksten Offensivreihen der Liga ließen die Bremer kaum Schüsse zu. Offensiv war Werder Bremen hingegen abermals komplett harmlos. Zwei mickrige Schüsse gaben die Bremer in Richtung Leverkusener Kasten ab; Negativrekord in dieser Saison. Für den Punktgewinn darf sich Bremen bei der eigenen Defensive bedanken. Und bei einer Leverkusener Mannschaft, die nichts gemein hatte mit jenem Team, das Florian Kohfeldt unter der Woche noch gelobt hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Dutzende Tote bei Erdbeben auf Sulawesi in Indonesien

Dutzende Tote bei Erdbeben auf Sulawesi in Indonesien

Die RTL-«Dschungelshow» startet

Die RTL-«Dschungelshow» startet

Magier Siegfried Fischbacher gestorben

Magier Siegfried Fischbacher gestorben

Samsung Galaxy S21: Drei Modelle und viele Kameras

Samsung Galaxy S21: Drei Modelle und viele Kameras

Meistgelesene Artikel

Werder-Aufstellung gegen den FC Augsburg: Premiere für Agu und Startelf-Comeback von Selke?

Werder-Aufstellung gegen den FC Augsburg: Premiere für Agu und Startelf-Comeback von Selke?

Werder-Aufstellung gegen den FC Augsburg: Premiere für Agu und Startelf-Comeback von Selke?
Schock für Werder Bremen: Niclas Füllkrug schon wieder verletzt!

Schock für Werder Bremen: Niclas Füllkrug schon wieder verletzt!

Schock für Werder Bremen: Niclas Füllkrug schon wieder verletzt!
Offiziell: Nick Woltemade verlängert bei Werder und soll „sein Talent vollends ausschöpfen“

Offiziell: Nick Woltemade verlängert bei Werder und soll „sein Talent vollends ausschöpfen“

Offiziell: Nick Woltemade verlängert bei Werder und soll „sein Talent vollends ausschöpfen“
Vor Werder Bremen gegen Augsburg: Zwei Corona-Fälle beim FCA

Vor Werder Bremen gegen Augsburg: Zwei Corona-Fälle beim FCA

Vor Werder Bremen gegen Augsburg: Zwei Corona-Fälle beim FCA

Kommentare