Der Abstieg des SV Werder Bremen rückt näher

Sargents Versprechen: „Niemand will diese Stadt enttäuschen“

Auch im Spiel gegen den VfL Wolfsburg gab es für Werder Bremen keine Tore. Was auch an Stürmer Josh Sargent liegt.
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Auch im Spiel gegen den VfL Wolfsburg gab es für Werder Bremen keine Tore. Was auch an Stürmer Josh Sargent liegt.

Bremen – Nur ein einziger Torschuss, und der kam nicht mal an – auch Josh Sargent (20) konnte die Torflaute des SV Werder Bremen im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (0:1) nicht beenden, auch er ist Teil des Bremer Harmlos-Sturms.

„Das ist sehr frustrierend für uns. Wir wollen als Team Chancen kreieren, aber das funktioniert leider nicht“, wird der US-Amerikaner auf der Internetseite des Vereins zitiert: „Aber wir lassen uns davon nicht entmutigen.“

Dass es am Samstag während des Auswärtsspiels beim SC Paderborn (15.30 Uhr, DeichStuben-Liveticker) zwingend mit einem Bremer Tor klappen muss, ist Josh Sargent bewusst, denn „wir müssen gewinnen und wissen, was auf dem Spiel steht“. 

Nur bei einem Erfolg würde sich Werder Bremen realistische Chancen auf den Klassenerhalt bewahren, den die Mannschaft dann in den letzten drei Saisonspielen gegen Bayern München, Mainz 05 und den 1. FC Köln unter Dach und Fach bringen könnte. „Niemand will dafür stehen, mit Werder in die zweite Liga abgestiegen zu sein. Dieser Club hat eine großartige Historie, und niemand von uns will ihn und diese Stadt enttäuschen“, sagte Sargent – und versprach: „Wir werden bis zum Ende kämpfen, damit das nicht passiert.“ (dco)

Zur letzten Meldung vom 8. Juni 2020

Der SV Werder Bremen und die Torflaute: Hoffnungslos harmlos

Bremen – Zwei Tore hätten es sein müssen. Dann wäre dieser unrühmliche Vereinsrekord zumindest ein geteilter gewesen. Im jüngsten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg gelang dem SV Werder Bremen aber wieder einmal: keins.

Und so stehen sie nun da, als tabellarisches Menetekel, diese mageren 30 Treffer nach 30 Spieltagen und verkörpern eine Harmlosigkeit, wie es sie in der Bundesligageschichte des SV Werder Bremen noch nie zuvor gegeben hat. Wie gesagt: Zwei Tore hätten es sein müssen. Dann wäre die aktuelle Mannschaft wenigstens mit denen aus den Spielzeiten 1969/70 und 1995/96 gleichgezogen, die nach 30 Spieltagen jeweils 32 Treffer erzielt hatten – und in dieser inoffiziellen Wertung die bisherigen Schlusslichter waren. 

So aber blieb Trainer Florian Kohfeldt nach dem 0:1 gegen den VfL Wolfsburg nichts anderes übrig, als zu konstatieren: „Unser Verhalten im letzten Drittel ist schlecht. Dafür gibt es gar kein anderes Wort.“ Es ist sogar so schlecht, dass es im längst wahrscheinlichen Falle eines Bremer Abstiegs ganz weit oben auf der Liste der Gründe für den sportlichen Niedergang steht.

Werder Bremen gegen Wolfsburg mit viel Ballbesitz, aber ohne Torgefahr

Gegen Wolfsburg war das wieder einmal deutlich geworden. Werder Bremen hatte zwar viel Ballbesitz, kombinierte auch manierlich und näherte sich immer wieder der gefährlichen Zone an, um dort allerdings steckenzubleiben und die Sache wortwörtlich nicht oder zu harmlos zum Abschluss zu bringen. Kurz vor dem Anstoß hatte Kohfeldt am Sonntag noch einen bemerkenswerten Satz in ein TV-Mikrofon gesprochen: „Wir sind nach wie vor in der gesamten Liga eine der Mannschaften, die den Ball systematisch am besten ins letzte Drittel kriegt.“ 

Mag sein. Nur was bringt das, wenn dem Gegner dort keine Gefahr mehr droht? Die große Harmlosigkeit vor dem Tor – längst scheint sie alle Bremer Profis befallen zu haben. Egal ob Yuya Osako und Josh Sargent aus der Startelf oder die später eingewechselten Fin Bartels, Leonardo Bittencourt, Davie Selke und Nick Woltemade – sie alle blieben erfolglos. Und taugen vor den letzten vier Saisonspielen nicht als Heilsbringer.

Werder Bremen-Fans hoffen auf „Retter“ Niclas Füllkrug

Wie hoffnungslos harmlos dieser Angriff des SV Werder Bremen mittlerweile ist, zeigt sich allein schon an der Tatsache, dass plötzlich Niclas Füllkrug bei einigen Werder-Fans in die Rolle des erhofften Retters rutscht. Kohfeldt hatte bereits kurz nach dem Wolfsburg-Spiel betont, nicht allzu große Erwartungen an den Rückkehrer stellen zu wollen, der für das Saisonfinale ohnehin nur als Joker eingeplant ist.

Für Füllkrug wird es in seiner Karriere bereits die vierte Rückkehr nach einer schweren Knieverletzung, und seine bisherigen Comebacks haben gezeigt, dass mit Anlaufzeit zu rechnen ist. So benötigte der Stürmer schon nach seinen drei Knorpelschäden aus den Jahren 2013, 2015 und 2018 jeweils einige Spiele, ehe er wieder im Rhythmus war und ihm wieder Treffer gelangen. Immerhin: Bei seinem Wiedereinstieg nach Knorpelschaden Nummer zwei bereitete er während des Nürnberger 3:2-Erfolgs gegen Heidenheim einen Treffer vor. „Niclas Füllkrug hat ein unglaubliches Tempo vorgelegt in der Reha, weil er alles dafür tun will, dass dieser Verein in der Liga bleibt. Dafür gebührt ihm jetzt schon großer Respekt“, betonte Kohfeldt. 

Werder Bremen: „Niclas Füllkrug soll noch länger für diesen Verein Tore schießen“

Und weiter: „Trotzdem müssen wir eine Abwägung treffen zwischen seiner Gesundheit und dem, was am Wochenende passiert. Denn Niclas soll noch länger für diesen Verein Tore schießen.“ Am besten in der ersten Liga. Die Hauptlast in Sachen Klassenerhalt liegt bei Werder Bremen also auf anderen Namen. Nochmal Kohfeldt: „Wichtig ist, dass wir alle da vorne torgefährlicher werden. Dann kann Niclas eine sehr gute Ergänzung sein und ein Element, das wir so nicht haben – ein spielstarker Boxspieler.“

Bis zum Paderborn-Spiel bleiben dem Trainer noch vier Tage Zeit, um neue Gefahr im Sturm heraufzubeschwören. „Es gibt zwei klare Ansatzpunkte. Wir müssen Überzahlsituationen besser ausspielen, und es geht um die Besetzung im Strafraum. Das werden die Themen sein, die wir in dieser Woche definitiv ganz oben auf dem Trainingsplan haben“, erklärte Florian Kohfeldt. Wie immer garniert mit entsprechendem Videomaterial aus den vergangenen Spielen. „Wir werden mit Sicherheit auch positive Bilder raussuchen“, kündigte Kohfeldt an – und fügte mit einer guten Prise Galgenhumor hinzu: „Ich hoffe, dass ich da nicht zu tief kramen muss.“ Genau danach sieht es allerdings aus. (dco)

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