Streit vor Landgericht Bremen

Vor Gericht: Der SV Werder Bremen streitet mit Berater von Davy Klaassen um Provision

Davy Klaassens Berater Sören Lerby (l.) und dessen Agentur fordern vom SV Werder Bremen die Auszahlung eine angeblich noch offenen Provision.
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Davy Klaassens Berater Sören Lerby (l.) und dessen Agentur fordern vom SV Werder Bremen die Auszahlung eine angeblich noch offenen Provision.

Bremen – Vor knapp einem Jahr hat Davy Klaassen den SV Werder Bremen verlassen und bei Ajax Amsterdam sein neues Fußball-Glück gefunden. Doch bei Werder spielt der Niederländer immer noch eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Zum einen streitet sich der Zweitligist mit Klaassens Berateragentur vor dem Landgericht Bremen um Provisionszahlungen, zum anderen gab es im Sommer einen ordentlichen Nachschlag zu der Ablöse von elf Millionen Euro.

Davy Klaassen lässt sich schon länger von der Agentur Essels Sport Management vertreten – mit Ex-Profi Sören Lerby als prominentem Kopf an der Spitze. Auch Klaassens Bruder Aron arbeitet in der Firma, bei der sich Steinar Dietz um die vertraglichen Angelegenheiten kümmert und in dem Gerichtsverfahren als Werders Gegenpartei auftritt. Es geht laut Wertpapierprospekt, das Werder Bremen für die Anleihe aufgelegt hat, um 250 000 Euro – die Beraterprovision für die komplette Spielzeit 2020/2021. Dabei ist Klaassen seit dem 5. Oktober 2020 Spieler von Ajax Amsterdam - den absoluten Großteil der Saison verbrachte er also dort.

Die Agentur beruft sich auf den individuell mit Werder ausgehandelten Beratervertrag. Dort steht, dass bei Wechseln bis zum 31. August, also dem eigentlichen Ende der Transferperiode, keine Provision mehr vom Verein bezahlt werden muss. Eine im Profi-Fußball gängige Regel, ansonsten könnten Berater doppelt kassieren und Vereine müssten für Spieler noch Leistungen erbringen, die gar nicht mehr da sind.

Werder Bremen-Streit: Berater-Agentur um Sören Lerby fordert Provision für Davy Klaassen

Die Corona-Pandemie hat das Fußball-Jahr 2020 allerdings ziemlich durcheinandergebracht. Die Saison musste erst unterbrochen, dann verlängert werden. Die neue Spielzeit begann entsprechend später. Auch deshalb wurde die Sommer-Transferperiode bis zum 5. Oktober ausgedehnt. Das nutzten dann auch Davy Klaassen, Ajax Amsterdam und Werder Bremen. Der heute 28-Jährige wurde zum Last-Minute-Transfer. Die Bremer brauchten das Geld ganz dringend, denn die finanzielle Lage war durch die fehlenden Zuschauer-Einnahmen wegen der Geisterspiele extrem angespannt.

Da schmerzt eine Provisionsforderung von einem Berater natürlich noch mehr, vor allem, wenn sie aus Sicht von Werder nicht rechtmäßig ist. „Durch die Corona-Pandemie hat sich eine Ausnahmesituation und damit eine nicht vorhersehbare Veränderung der Transferperiode ergeben. Deshalb muss die Vereinbarung, dass die Provision bei einem Wechsel in der Sommer-Transferperiode wegfällt, aus unserer Sicht weiterhin wirksam sein“, sagt Tarek Brauer, Direktor Personal und Recht beim SV Werder, auf Nachfrage der DeichStube. Essels Sport Management sieht das anders, deshalb landete der Fall vor Gericht. Eine Besonderheit in der Werder-Geschichte. „Ich habe so etwas in meinen zehn Jahren hier noch nicht erlebt“, berichtet Brauer.

Werder Bremen-Statement zum Gerichtsstreit: „Wir vermuten, dass die Berater doppelt abkassieren wollen“

Dabei ist Geduld gefragt. Ein erster Gerichtstermin musste abgesagt werden, weil der Richter ausfiel. Der Nachfolger musste sich erst in den Fall einarbeiten, nun soll Anfang Dezember vor dem Landgericht Bremen verhandelt werden. „Wir vermuten, dass die Berater die Umstände der Pandemie und die Verschiebung der Transferphase nutzen und doppelt abkassieren wollen. Denn es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so, dass auch mit Ajax Amsterdam für die in Rede stehende Saison 20/21 ein Beratervertrag mit Provisionsregelung abgeschlossen worden ist“, sagt Brauer. Ein Vergleich sei bislang kein Thema gewesen.

Klarheit herrscht dagegen bei den Nachzahlungen von Ajax Amsterdam an den SV Werder. Dank des Double-Gewinns, zu dem Klaassen mit zahlreichen Einsätzen und Toren beigetragen hatte, erhielt Werder Bremen im Sommer nach Informationen der DeichStube einen Bonus von über 700 000 Euro. Ähnliche Summen könnten in den nächsten Jahren folgen - im Optimalfall würde Werder am Ende 14 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler kassieren. Klaassens Vertrag beim Champions-League-Teilnehmer läuft bis 2024. (kni)

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