Ein Bericht aus der Bremer Ostkurve

„Seit 1980 nicht mehr so eine Stimmung erlebt“

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Niedergeschlagene Werder-Profis nach der Pleite gegen Köln

Bremen - Von Klaas Tucholke. „Absteiger, Absteiger, Absteiger“ skandieren die Werder-Fans nach dem Abpfiff gegen den 1.FC Köln. Die Protagonisten auf dem Feld haben der Häme der sonst so treuen und geduldigen Werder-Anhänger in der Ostkurve nicht wirklich etwas entgegenzusetzen.

„Dutt raus“ rufen einige den Spielern und Verantwortlichen noch nach, die schnellen Schrittes in die Katakomben des Weserstadions flüchten, nachdem sie zuvor versucht hatten, sich der Ostkurve zu nähern, um sich für die Unterstützung im Spiel zu bedanken.

Trainer raus? Absteiger? Das gab es lange nicht mehr beim SV Werder Bremen. Bevor alle realisieren, was sie da gerade gegen die eigene Mannschaft brüllen, war es schon passiert. Viele gucken sich gegenseitig an und wundern sich über den doch so verständnisvollen Werder-Fan, der eigentlich doch alles mitmacht „egal ob wir Meister werden, oder ob wir hier verlieren“, wie es so gerne in der Ostkurve im Kollektiv gesungen wird. Ganz im Gegenteil: meine sonst so netten Weggefährten, mit denen ich gerade über meine privaten Angelegenheiten gesprochen habe, stellten sich mit ausgestrecktem Mittelfinger Richtung Spieler und stellten mit nicht jugendfreien Worten fest, was sie von der Leistung der Werder Profis halten.

Was war passiert mit den Werder Bremen Fans? Die doch so geduldig sind. Dabei fing alles so gut an! Vor dem Spiel gegen Köln wurde den Fans im Bremer Weserstadion extra ein paar schöne Szenen aus den vergangenen Jahren gezeigt. Marco Bode, Ailton, Micoud und Co. zauberten auf der Leinwand. Die Augen funkelten bei den extra produzierten Spielszenen von den Grün-Weißen und erinnerten noch einmal an die glorreichen Zeiten. Leider nur auf der Leinwand.

Der Anpfiff: Und es geht gut los. 15 Minuten spielt nur Werder. „Optische Überlegenheit“ beurteilt ein Fan neben mir. Jede Flanke, jede Ecke setzt uns alle in Exkstase – es könnte ja schließlich was passieren. Wirklich was bei rumgekommen ist nicht. Noch nicht einmal ein Torschuss. Schnell macht sich Ernüchterung breit. Das Spiel plätschert so vor sich hin: „Not gegen Elend“ höre ich einige Meter neben mir – keiner sagt etwas dagegen. Aber es bleibt ruhig, das Spiel ist bis zur Pause nicht schön. Werder spielt schlecht, Köln aber auch. Trotzdem sind die Grün-Weißen Fans einfach etwas anderes gewohnt.

Pause: „Wenn wir absteigen kann ich kein Kind mehr kriegen. Stell dir mal vor ich müsste dem Kind erklären, warum ich Fan vom einem Verein in der zweiten Liga bin?“ Was erst so witzig von einem Fan neben mir gemeint war, klingt dann doch ernster als gedacht: „Oder es wird HSV Fan“ – jetzt war allen klar, es war kein Scherz!

Werder-Noten gegen Köln

Zweite Halbzeit: Jeder hofft auf einen Anfang wie in der ersten Halbzeit. Einige Berufsoptimisten schreien „jetzt gehts los“. Der Großteil der Fans grinst lieber über den Versuch Stimmung zu erzeugen, als selbst in den Schlachtruf einzustimmen.

50. Minute - 55: Minute Die Fans werden unruhiger. Bei jedem Fehlpass geht ein Raunen durchs Stadion. 59. Minute Tor! Wie aus dem Nichts trifft der gerade eingewechselte Ujah für die Kölner. Stille Der Bremer Fan bleibt ruhig – noch! „Auf gehts Werder kämpfen und siegen“ stimmen die Werder Fans aus der Ostkurve direkt nach dem Gegentor an. Allein es bringt nichts. Werder bringt nicht mehr viel zu Stande. „Was sollste`machen? Steine werfen? Es ist einfach keine Qualität aufm Platz! Der Trainer kann da auch nicht viel machen.“ Qualität, ein Wort, das viele in der Ostkurve heute in den Mund genommen haben. Aber nicht um es den Bremer zu attestieren.

Die Schlussphase – von Werder kommt so ziemlich nichts mehr. Schluss! Viele Werder Fans ziehen tief enttäuscht aus dem Weserstadion, wie so oft in dieser Saison.  Nach dem die Mannschaft versucht zu uns in die Ostkurve zu kommen, um sich für die Unterstützung zu bedanken, erzählt mir noch ein Fan: „Ich bin 27 Jahren Dauerkarteninhaber beim SV Werder Bremen. Ich bin immer in der Ostkurve, aber so eine schlimme Stimmung habe ich seit 1980 nicht mehr erlebt und da ist Werder abgestiegen. Aber was willste´machen?“ Nebenbei gucken wir uns die Kölner an, die währenddessen vor der Westkurve mit ihren mitgereisten Fans den Sieg feiern, geben uns die Hand und hoffen beide auf ein glücklicheres Ende beim nächsten Heimspiel. Der Werderfan ist ja einiges gewohnt in diesen Zeiten.

Einige Anhänger der Grün-Weißen wollen sich mit der Niederlage gegen den FC dann aber doch nicht einfach so abfinden. Rund 200 von ihnen ziehen vor das Marathontor des Weserstadions und blockieren die Busausfahrt der beiden Teams. Sie wollen die Werder-Kicker zur Rede stellen, was auch gelingt. Einige der Werder-Profis stellen sich dem Gespräch und erklären die Situation aus ihrer Sicht.

Werder Bremen verliert gegen  1. FC Köln

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