Klemm-Brett vor Werder-Spiel gegen Augsburg

FCA-Manager Stefan Reuter im Interview: „Gregoritsch wird gegen Werder alles geben“

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Manager Stefan Reuter will mit dem FC Augsburg bei Werder Bremen punkten.

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Expertise rund um Werder Bremen, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 3. Spieltag geht es um den FC Augsburg.

Seit dem 1. Januar 2013 leitet Ex-Nationalspieler Stefan Reuter als Geschäftsführer Sport die Geschicke beim FC Augsburg. Vor dem wichtigen Auswärtsspiel bei Werder Bremen sprach der 52-Jährige über den schwierigen Augsburger Saisonstart, den Weg des SV Werder, das Wechsel-Hickhack um Michael Gregoritsch und die Chancen auf einen Augsburg-Sieg im Bremer Weserstadion.

Wie bewerten Sie den Saisonstart in Augsburg, Stefan Reuter?

Es war damit zu rechnen, dass wir am Anfang noch etwas Zeit brauchen werden, die Neuzugänge komplett zu integrieren und als Mannschaft zusammenzufinden. In Dortmund haben wir eine Halbzeit gut mitgehalten, aber dann hat der BVB mit seiner Qualität das Spiel an sich gerissen. Der Punkt gegen einen starken Aufsteiger aus Berlin war leistungsgerecht, auch wenn wir gerne zu Hause einen Sieg gefeiert hätten.

Mit den Verpflichtungen von Stephan Lichtsteiner und Tin Jedvaj haben Sie die Elf noch mal verstärkt. Glauben Sie, dass der FCA so konkurrenzfähig ist und den Klassenerhalt schafft?

Stephan, Tin und auch Neuzugang Felix Uduokhai werden uns sofort weiterhelfen und passen sowohl sportlich als auch menschlich super zum FCA. Unser Ziel ist wie jedes Jahr der Klassenerhalt und wir sind absolut überzeugt, dass wir den auch diese Saison schaffen werden.

Augsburg gilt als Angstgegner von Werder. Rechnen Sie sich im Weserstadion diesmal auch etwas aus?

Wir fahren natürlich nach Bremen und versuchen, etwas mit nach Hause zu nehmen. Werder hat sich den Start in die Saison sicher anders vorgestellt. Sie stehen nun bereits etwas unter Druck und werden alles daransetzen, vor ihren eigenen Fans die ersten Punkte einzufahren. Hier werden wir dagegenhalten müssen.

Wie sehen Sie den Werder-Weg in der Liga?

Nach sehr erfolgreichen Jahren waren sie in den vergangenen Spielzeiten nicht mehr ganz oben mit dabei, haben aber jetzt die Ambition, wieder einmal international zu spielen.

Ihr Spieler Michael Gregoritsch wollte nach Bremen. Ist der Transfer nur an den Finanzen gescheitert?

Es gibt immer wieder einmal Interesse an verschiedenen Spielern. Michael ist ein Spieler des FC Augsburg und besitzt einen langfristigen Vertrag, darüber sind wir froh. Ich bin überzeugt davon, dass er mit dem Kopf voll beim FCA ist und auf dem Platz alles geben wird.

Wissenswertes vor dem Werder-Spiel gegen den FC Augsburg: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Spruch von Martin Hinteregger

„Wenn ich streiken wollte, bliebe ich doch eher wie Caiuby oder Neymar zwei Wochen im Urlaub.“ FCA-Abgang Martin Hinteregger vor seiner Rückkehr zu Eintracht Frankfurt

Werder Bremen leidet unter FCA-Pokerspieler Stefan Reuter

Als hartnäckiger Pokerspieler trat Stefan Reuter in diesem Sommer auf. Der FCA-Manager rief beachtliche Summen für seine drei am heißesten begehrten Spieler auf, was sein gutes Recht ist. Betroffen waren auch Werder Bremen, die sich vergeblich um die Dienste des Mittelfeldmannes Michael Gregoritsch bemühten. Reuters Preis für den Nationalspieler aus Österreich: 15 Millionen Euro, eine für Werder Bremen nicht zu stemmende Summe beim Werben um den 2017 vom HSV in Augsburg gelandeten 25-Jährigen. Mit Gladbach tauchte zwischenzeitlich zudem ein Konkurrent auf. Weitere Pokerrunden: die Posse um Martin Hinteregger und die Geschichte mit Philipp Max, für den sich Atalanta Bergamo interessieren soll. Für den Linksverteidiger setzte Reuter glatte 20 Millionen Euro als „Wechselgeld“ fest. Aktueller Stand: Gregoritsch und Max, so sagte Reuter in dieser Woche, werden wohl bleiben.

Provokation von Martin Hinteregger erzwingt SGE-Wechsel

Schließlich ging alles ganz schnell. Im Internet kursierte ein Video, das zum Auslöser des Wechsels wurde. Es zeigt Martin Hinteregger, anscheinend angeheitert, auf einem Dorffest in Bad Häring, wo der FCA sein Trainingslager abgehalten hatte. Der Profi wankt und torkelt. Wohl eine bewusste Provokation des 26-Jährigen, der so seinen Weggang zur geliebten Frankfurter Eintracht zu erzwingen wusste. 

„Ich möchte bei der Eintracht bleiben“, hatte der Österreicher, für die zweite Saisonhälfte an die Hessen ausgeliehen und in 14 Ligaspielen sowie sieben Europa-League-Partien im Einsatz, frühzeitig seinen Wunsch formuliert. Es dauerte, bis er seinen Willen bekam. Die Augsburger, die anfangs 15 Millionen Euro gefordert hatten, beendeten schließlich das leidige Kapitel. Hinteregger durfte gehen. 12 Millionen Euro, so heißt es, hat der Transfer eingebracht.

Statistik von Werder Bremen gegen Angstgegner FCA

Augsburg darf schon fast als Angstgegner bezeichnet werden, vor allem im Weserstadion. Vier Siege landeten die Fuggerstädter dort bei zwei Remis und vier Niederlagen in allen Wettbewerben. Auf die Bundesliga bezogen spricht alles für den FCA: Vier Erfolge in den Meisterschaftsspielen bei einem Unentschieden und nur drei Niederlagen. Auch in der Gesamtbilanz hat Augsburg die Nase vorn: Acht Erfolge in der Liga bei sechs Misserfolgen und zwei Remis. Aber...

Letzte Vergleiche zwischen Werder Bremen und dem FCA

In den letzten drei Aufeinandertreffen hatte jeweils Werder die Nase vorne: 4:0 im Februar im Heimspiel, 3:2 im September beim Auswärtsspiel sowie ein 3:1 im März 2018 in Augsburg.

Augsburg-Spezialist bei Werder Bremen

Mit Theodor Gebre Selassie steht ein Augsburg-Spezialist in Reihen des SVW. Der Tscheche hat bereits zwölf Spiele gegen den FCA absolviert, damit die meisten von den aktuellen Bremern. Nur von einem früheren Kollegen wird er übertroffen: Zlatko Junuzovic spielte gar 13 Mal gegen den FCA.

FCA-Dauerbrenner

Der Kapitän als Vorbild in jeder Hinsicht: Daniel Baier stand in 2815 Minuten auf dem Platz, absolvierte somit 33 Spiele. Er ist der Augsburger Rekordspieler: 251 Partien in der Bundesliga.

FC Augsburg: Fremdkörper Jens Lehmann

Nur zwei Monate dauerte das Experiment. Ende Januar präsentierte der FCA einen prominenten Co-Trainer: Der frühere Nationaltorwart Jens Lehmann kam und sollte Chef Manuel Baum mit seiner langjährigen Erfahrung unterstützen. Das Experiment scheiterte, Baum scheiterte, Lehmann auch. Er wirkte wie ein Fremdkörper im beschaulichen Augsburg, gab sich zwar loyal, kam aber im Club und vor allem auch im Team nicht gut an.

Negativ-Serie von FCA-Stürmer Marco Richter

„200 Schüsse ohne Tore“ seien es gefühlt gewesen, behauptet Marco Richter. In den Statistik-Büchern sind exakt 39 aufgelistet. Aber auch die Zahl steht für den Liga-Rekord, eine schwarze Serie für den 21-Jährigen. Wie befreit musste er wirken am 29. Spieltag, als er das Ende der Negativ-Serie feiern durfte: Doppelpack beim 3:1 gegen Frankfurt, gefolgt von einem doppelten Torerfolg beim 6:0 gegen Stuttgart eine Woche später. Richter, der Dribbelstar, hatte sich warm geschossen für die Junioren-Europameisterschaft. Seine ersten Länderspieltore im Dress der deutschen U21 markierte er in Udine beim ersten EM-Spiel, 3:1 gegen Dänemark.

„Doktor“ Martin Schmidt

Der „kicker“ verpasste ihm im Sonderheft einen Doktortitel. Der Grund: Martin Schmidt, der Baum-Nachfolger, startete eine Offensive im athletischen, sportmedizinischen Bereich. „Gezielte Belastungssteuerung – primär in Prävention und Regeneration“, betont „Doktor“ Schmidt, „da liegt Entwicklungspotenzial.“ 

Also handelten sie Augsburg: Ausbau des Reha-Teams, Anstellung eines Mannschaftsarztes, der ständig bei der Elf ist, neue Methoden in der Leistungsdiagnostik und das Holen eines Experten, eines Sportwissenschaftlers. Daniel Müller, der das Eishockey-Team von Red Bull München betreut hat, ist ein ausgewiesener Fachmann .für Osteopathie, heilpraktische Ansätze und Akkupunktur. „Unser wichtigster Neuzugang“, nennt Schmidt den neuen Mann.

FC Augsburg tätigt teure Investitionen: Königstransfer Florian Niederlechner?

Einige Millionen Euro kostete die Runderneuerung des Kaders. Der teuerste Einkauf kommt aus Brasilien: Iago von International Porto Alegre, ein 22-Jähriger für die linke Seite, 6,5 Millionen Euro teuer. Im Mittelfeld sollen drei Neue für Akzente sorgen: der von Hannover 96 verpflichtete Noah Joel Sarenren Bazee (1,3 Millionen Euro), der Ecuadorianer Carlos Gruezo, aus Dallas für 4 Millionen Euro geholt, sowie der Schweizer Ruben Vargas (für 2,5 Millionen Euro vom FC Luzern). 

Frischen Wind im Angriff soll ein Ex-Freiburger entfachen: Florian Niederlechner, für den 2,5 Millionen Euro berappt werden mussten. Mads Pedersen (800.000 Euro, vom FC Nordsjaelland, Verteidiger) und Marek Suchy (ablösefrei vom FC Basel, Abwehrmann) gelten als Ergänzungsspieler.

Sorgenfalten bei FCA-Trainer Martin Schmidt: In der laufenden Saison gab es für die Fuggerstädter noch nichts zu holen.

FCA-Verstärkungen: Viel Erfahrung und Qualität

Der prominenteste Neue kostet nichts: Stephan Lichtsteiner, Schweizer Nationalspieler, lange Zeit eine feste Größe bei Juventus Turin, siebenmal Meister in Italien, zuletzt beim FC Arsenal und danach vereinslos, konnte gewonnen werden. Der international renommierte Profi, der ablösefrei kam, soll auf seiner Stammposition als rechter Verteidiger der verjüngten Augsburger Elf die notwendige Routine und somit auch Stabilität verleihen. 

Weitere Bemühungen, die Abwehr zu verstärken: FCA-Manager Reuter überraschte mit der Leihe des kroatischen Vize-Weltmeisters Tin Jedvaj. Der 23-Jährige, dessen Kontrakt in Leverkusen noch bis 2023 läuft, konnte sich bei Bayer nicht durchsetzen, war nur Nummer fünf unter den Innenverteidigern. Und außerdem kommt noch Felix Uduokhai, der Junioren-Nationalspieler wird vom VfL Wolfsburg ausgeliehen, wo er seinen Platz an John Anthony Brooks verloren hat. Der Linksfuß, der einzige bei den zentralen Verteidigern beim FCA, gilt als Lieblingsschüler von Trainer Schmidt, der ihm in Wolfsburg 2017 vertraute. Der 21-Jährige absolvierte 14 von 22 Spielen damals. Zuletzt hatten ihn Knieprobleme zurückgeworfen.

Anekdote

Es war in Belek, jahrelang Winterquartier vieler Bundesligisten. Jahreswende 2012/1013. Augsburg und Werder residierten dort zur gleichen Zeit. Zu jener Zeit fing Stefan Reuter als Macher beim FCA an. Auch Trainer Markus Weinzierl war ein Neuling bei den Augsburgern, denen es sportlich nicht gut ging. Die Elf steckte im Tabellenkeller fest. 

Abstiegsangst und doch eine gewisse Gelassenheit bei den handelnden Personen. Vor allem beim Manager. Ich kannte Reuter als Spieler, schätzte ihn für seine wohltuende Art. Reuter blieb sich treu, wie ich im Trainingslager feststellen konnte. Er handelte nach Werder-Muster, blieb die Ruhe in Person, keine Spur von Hektik und Nervosität trotz der miserablen Tabellenlage. Mit der hanseatischen Gangart, dieser Bremer Unaufgeregtheit, fuhr er gut. Augsburg drehte in der Rückserie auf und sicherte sich den Klassenerhalt.

Tipp: Werder Bremen gegen FC Augsburg

Werder schon früh in Not. Ein Sieg gegen den Angstgegner ist Pflicht, sonst wird der Fehlstart kapital. Voraussetzung dafür ist, dass die Unkonzentriertheiten und anfängerhaften Fehler in der Abwehr abgestellt werden. Die Kohfeldt-Elf, die durch personelle Ausfälle geschwächt ist, braucht dringend dieses Erfolgserlebnis. Auch Augsburg befindet sich noch in der Findungsphase. Ein Bremer Heimsieg ist notwendig und natürlich möglich.

Form des FC Augsburg

Erster Punktgewinn beim 1:1 gegen Union Berlin, Neuzugang Vargas erzielte den Führungstreffer für das Team von Martin Schmidt. Mit den beiden Neuen Lichtsteiner und Jedvaj sowie mit dem abwanderungswilligen Max vertraute der Coach einer neu formierten Formation, die nach einem Jedvaj-Fehler den Ausgleich hinnehmen musste und Pech hatte, dass Niederlechner und Finnbogason beste Chancen liegen ließen.

Quelle: DeichStube

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