Bremer Standards

Werders stumpfe Waffe

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Werder strahlt nach Standards in dieser Sasion kaum Torgefahr aus (hier im Spiel gegen Darmstadt).

Bremen - Von Michael Baltes. Sie waren ein Garant des Bremer Aufschwungs in der vergangenen Saison: Die Standards von Werder Bremen. In dieser Spielzeit sieht das anders aus. Ruhende Bälle der Grün-Weißen verbreiten kaum noch Angst und Schrecken bei den Gegnern. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Zlatko Junuzovic steht an der Eckfahne. Ein kurzer Anlauf, dann bringt Werders Mittelfeldspieler den Eckball flach und fast punktgenau auf den Elfmeterpunkt. Fin Bartels sprintet vom gegnerischen Fünfmeterraum zurück und trifft per Direktabnahme zum 2:0 gegen Stuttgart. Die einstudierte Standardvariante hat die Spieler des VfB kalt erwischt. Für das Team von Viktor Skripnik, der an diesem Novemberabend sein Heimdebüt als Trainer der Grün-Weißen gibt, ist sie Gold wert. Sie sichert den Bremern den Sieg und damit drei wichtige Punkte im Abstiegskampf.

Der Treffer an besagtem Novemberabend liegt mittlerweile fast genau ein Jahr zurück. Er ist letztlich aber nur einer von vielen, der nach dem Amtsantritt von Skripnik aus Standards resultiert. Ruhende Bälle, egal ob Freistöße, Ecken oder selbst Einwürfe, werden in der Saison 2014/2015 unter dem Ukrainer zu einer Waffe. Einer Waffe, die entscheidenden Anteil daran hat, dass die Bremer sich vom Abstiegskandidaten zum Europapokalaspiranten mausern. Insgesamt trifft Werder unter der Ägide Skripniks in der Bundesliga-Spielzeit 40 Mal – davon fallen 22 Tore nach Standards, was einer Quote von 55 Prozent entspricht. Zum Vergleich: In der Saison 2013/2014 waren es zwölf von 42 Treffern (Quote: 29 Prozent).

In der aktuellen Spielzeit hat Werders „Waffe“ Ladehemmungen. Ein verwandelter Foulelfmeter und ein Kopfballtor nach einer Ecke, so lautet die magere Standard-Bilanz nach 11 Spieltagen. Diese Flaute ist sicherlich nicht der ausschlaggebende Grund dafür, dass sich die Bremer derzeit in der Tabelle auf dem Relegationsrang wiederfinden – sie ist aber ein Grund. Denn gerade für spielerisch schwächere Mannschaften sind Standards ein probates Mittel, um an Punkte zu gelangen. Als Positivbeispiel lässt sich hier Aufsteiger Darmstadt nennen. Im Vergleich zu Werder haben die Lilien eine deutlich höhere Quote, was den Anteil an Treffern nach Standards an den Toren insgesamt angeht (50 Prozent).

Der Grund, warum Bremer Freistöße oder Ecken die Gegner momentan nicht in Angst und Schrecken versetzen, erscheint auf den ersten Blick simpel: Zlatko Junuzovic. Der Österreicher war in der vergangenen Spielzeit der Erfolgsgarant bei ruhenden Bällen. Fünf Treffer erzielte der 28-Jährige durch direkt verwandelte Freistöße selbst, 15 weitere bereitete er durch Ecken und Freistoßflanken vor. Von der Form der Vorsaison ist Junuzovic aktuell ein großes Stück entfernt. Einzig beim 3:1-Sieg bei 1899 Hoffenheim glänzte der Mittelfeldspieler. Anschließend warf ihn eine Virusinfektion zurück.

Bremer Standards einfacher zu verteidigen

„Eckbälle und Freistoßflanken, das muss besser werden. Da muss mehr kommen. Die sind schlecht, die gehen nicht, die muss ich besser schießen“, räumt Junuzovic selbstkritisch ein. Ihn als Alleinschuldigen auszumachen, wäre aber falsch. Die Gegner wissen um die Standard-Stärke der Bremer aus der vergangenen Saison und haben sich entsprechend darauf eingestellt. Fouls in den gefährlichen Zonen rund um den 16er werden vermieden – erst recht in zentraler Position vor dem Strafraum. Chancen, um Freistöße direkt zu verwandeln, hat Junuzovic derzeit deshalb nur selten. „Ein, zwei hatten wir vielleicht erst“, so der Österreicher.

Zudem ist es nun auch deutlich einfacher, Bremer Standards, die als hohe Flanken in den 16er geschlagen werden, zu verteidigen: Tummelten sich in der Spielzeit 2014/2015 mit Franco Di Santo (1,93 Meter), Davie Selke (1,92 Meter) und Sebastian Prödl (1,94 Meter) in der Regel drei kopfballstarke Türme der Grün-Weißen im Strafraum des Gegners – ab der Rückrunde kam zudem noch Jannik Vestergaard (1,98 Meter) hinzu, fokussiert sich nun meist alles auf Vestergaard. Dahinter folgen mit Abstrichen Anthony Ujah, der seine geringere Körpergröße (1,83 Meter) durch eine enorme Sprungkraft wettmacht und Assani Lukimya (1,90 Meter), wenn er denn spielt.

Da es mit hohen Bällen nunmehr schwerer geworden ist, könnten einstudierte, flache Varianten eine Lösung sein. So wie die vor rund einem Jahr gegen Stuttgart. Denn klar ist, die Bremer brauchen dringend wieder mehr Durchschlagskraft bei Standards. Aufgrund der extrem defensiven taktischen Ausrichtung, mit der Skripnik sein Team derzeit spielen lässt, kommt Werder aus dem laufenden Spiel heraus nur zu wenigen Torchancen. „Wir haben nicht 20 Torchancen pro Spiel, sondern zuletzt zwei, drei“, so Junuzovic.

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