Sportchef erklärt Trainer-Entscheidung

Baumann gibt zu: Es gab Bessere als Kohfeldt

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Werder-Sportchef Frank Baumann erklärte am Samstagvormittag die Entscheidung in der Trainersuche.

Bremen - Am Freitagabend war es raus: Florian Kohfeldt bleibt (vorerst) Cheftrainer des SV Werder. Am Samstagvormittag gab Sportchef Frank Baumann dann zu, dass es bessere Kandidaten gegeben habe. Die seien für Werder aber schlicht nicht zu haben gewesen. Die wichtigsten Fragen und Antworten der Medienrunde:

Wieso Kohfeldt?

Die Entscheidung, den 35-Jährigen mindestens bis zur Winterpause zum Cheftrainer zu machen, fußt auf zwei Gründen. Erstens: „Florians grundsätzliche Qualität als Trainer“, sagt Sportchef Frank Baumann, „er hat in den vergangenen Jahren in verschiedenen Positionen gute Arbeit geleistet.“ Kohfeldt war Jugendtrainer, dann „Co“ der U23 unter Viktor Skripnik, anschließend auch dessen Assistent im Trainerteam der Bundesliga-Mannschaft und zuletzt Trainer der U23. Dass er mit der zehn Spiel in Folge nicht gewann, erschütterte Baumanns Überzeugung nicht. Kohfeldts erste Tage als Interimstrainer bestärkten den Sportchef sogar noch: „Er hat schon viel bewegt.“

Der zweite Grund: Baumann hat nix Besseres gefunden. Klingt hart, ist aber so. Baumann gibt zu, dass er „bessere Trainer, die auch für unsere Situation interessant gewesen wären“, im Blick hatte. „Aber das waren nur zwei, drei.“ Die Formulierung „bessere Trainer“ müsse aber richtig verstanden werden, ergänzte Baumann und verglich seine Trainersuche mit der Torwartsuche im Sommer: „Da haben wir in Jiri Pavlenka auch nur den viertbesten bekommen, weil Neuer, ter Stegen und Leno nicht zu kriegen waren.“ Letztlich sei in der Geschäftsführung das Votum pro Kohfeldt „eindeutig“ gewesen. Konkrete Verhandlungen mit anderen Kandidaten „hat es nicht gegeben“, soweit ist es gar nicht gekommen.

Warum auf Probe?

Cheftrainer bis zur Winterpause – wieso Werder Bremen diese zeitliche Einschränkung gewählt hat, ist rätselhaft. Wirklich schlüssig erklären kann auch Baumann nicht, weshalb sich der Club zunächst nur bis Weihnachten auf Kohfeldt festgelegt hat. Vielleicht stecken die zuletzt gemachten Erfahrungen dahinter. Denn sowohl mit Viktor Skripnik als auch mit Alexander Nouri lief es am besten, solange die Vertragslage ungeklärt, die Zukunft offen war. Baumanns Erkenntnis: „Erfolg hat nichts mit der Vertragsdauer zu tun.“

Und für Kohfeldt mache es in der aktuellen Situation keinen Unterschied, ob er für sechs Wochen oder für zwei Jahre das Vertrauen bekommt: „Er kann sehr gut damit leben. Florian ist ganz auf die Aufgabe fokussiert.“ Dass die zeitliche Eingrenzung bedeutet, dass Werder die Suche nach einer anderen Lösung vorantreibt, um in der Winterpause erneut zu wechseln, verneint Baumann deutlich: „Es wird keine weiteren Gespräche mit anderen Kandidaten geben. Wir sind auch überzeugt davon, dass Florian die ganze restliche Saison unser Trainer sein wird und wir mit ihm den Klassenerhalt schaffen.“ Sollte die Zusammenarbeit nicht den gewünschten Ertrag bringen, kann Kohfeldt jederzeit zur U23 zurückkehren. Das ist die Vereinbarung.

Skepsis bei Fans

Florian Kohfeldt ist nicht die Trainerlösung, für die Frank Baumann mit Lob und Beifall bedacht wird. Zum dritten Mal in Folge den U23-Coach zu befördern, halten viele Fans für falsch. „Von einigen kommt auch der Vorwurf, dass wir nur im eigenen Saft schmoren. Das ist nichts Neues, wir kennen diese Kritik. Dass wir uns trotzdem für Florian Kohfeldt entschieden haben, sollte klar machen, wie überzeugt wir von ihm sind.

Was sagt die Mannschaft?

Nein, eine Einzelbefragung der Spieler hat Frank Baumann nicht vorgenommen. „Aber man merkt ja, wie eine Mannschaft reagiert. Die Meinung im Team über Florian Kohfeldt ist positiv, das konnte man schnell heraushören.“ Vom ersten Tag an habe der Sportchef gespürt, dass Kohfeldt „gut ankommt. Er bringt sich im Training ein, fordert die Spieler, gibt Lösungen mit an die Hand.“

Die Trainersuche

„Wir hatten eine sehr lange Liste mit Namen“, sagt Frank Baumann, „da standen junge Trainer drauf, aber auch erfahrene. Da standen Top-Trainer drauf und auch einer aus Südamerika.“ Herausgefiltert wurden schließlich aber nur „zwei, drei Top-Lösungen, die wir auch angefragt haben. Wir haben Absagen bekommen – was auch zu erwarten war. Man muss dann auch damit umgehen, dass ein Trainer nicht wechseln möchte oder für den kommenden Sommer schon einen anderen Plan hat.“ Den Vorwurf, dass es sich deshalb nur um eine Alibisuche gehandelt hat, an deren Ende sowieso Kohfeldt das Ergebnis sein sollte, kontert Baumann energisch: „Das ist Quatsch. Dann hätte ich das Fass der Trainersuche gar nicht erst aufgemacht, sondern hätte gesagt: Er ist es! Fertig, aus.“

Der Trainermarkt sei „sehr sorgfältig sondiert“ worden. Teilweise habe die Fahndung nach einem geeigneten Kandidaten sogar skurrile Züge angenommen. Ihn hätten auch „penetrante Anfragen renommierter Trainer“ erreicht, so Baumann: „Da erlebt man so einiges.“ Auch dass Absagen von Trainern verbreitet werden, die nie angefragt gewesen seien. Wen er meinte, verriet Baumann freilich auch jetzt nicht: „Keine Namen.“

Wieso kein Retter?

Nein, den Schleifer, der das Team drillt und selbst nur über die Motivationsschiene kommt, wollte Werder nicht. „Wir brauchen jemanden, der der Mannschaft Lösungen mit und gegen Ball vermittelt. Unsere Spieler wollen laufen und kämpfen – das ist nicht das Problem“, erklärt Baumann: Deshalb seien Forderungen nach einem „Feuerwehrmann und einem mit Peitsche Quatsch“ gewesen.

Quelle: DeichStube

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