Zwei Elfmeter retten einen Punkt

Es wird immer ungemütlicher

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Unzufrieden mit dem Spiel: Marko Arnautovic

Bremen - Von Björn Knips. Schon vor dem Spiel hatten gestern einige Zuschauer im Weserstadion ihr Urteil über den SV Werder gefällt. „1999 - 2013 ist genug: TS + WL + KDF“, stand auf einem Bettlaken, das mehrere ältere Herren auf der Südgeraden hochhielten. Die Initialen stehen für Trainer Thomas Schaaf, Aufsichtsratschef Willi Lemke und Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer.

Diese in Bremen äußerst seltene Aufforderung zum Rücktritt war allerdings nur kurz zu sehen. Der Sicherheitsdienst schritt ein, weil so etwas im Sitzplatzbereich wegen einer möglichen Sichtbehinderung der anderen Besucher nicht erlaubt sei. Die Bettlaken-Besitzer waren sauer. Und ihre Stimmung wurde durch das Spiel nicht besser: Werder schaffte gegen den Tabellenletzten aus Fürth nur ein peinliches 2:2 (0:0), steckt mitten im Abstiegskampf und zog sich damit den Zorn vieler weiterer Fans zu: Zum Abschied gab es ein Pfeifkonzert in schon lange nicht mehr da gewesener Lautstärke. Es wird immer ungemütlicher an der Weser. Kein Wunder bei nur noch sechs Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz.

„Ich muss immer alles abrufen. Das ist die einzige Sache, die man hier verlangt. Aber das hat man heute nicht gemacht. Deshalb bin ich ziemlich sauer“, schimpfte Schaaf nach dem fünften Spiel in Folge ohne Sieg auf seine Mannschaft. Diskussionen über Aufstellung, System und Taktik lehnte der Coach ab. Dabei hatte er eine ziemlich defensive Variante gewählt, lediglich drei gelernte Offensivkräfte ins Rennen geschickt – und das gegen den Tabellenletzten. Doch nach dem 1:1-Achtungserfolg in Mönchengladbach wollte Schaaf sein Team nicht freiwillig verändern und brachte deshalb lediglich Sokratis für den verletzten Clemens Fritz. Der Grieche, eigentlich Werders bester Innenverteidiger, spielte tatsächlich – wie im Training ausprobiert – als Sechser. Die Defensive wackelte trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen von Beginn an. Bernd Nehrig (8.) verfehlte das leere Bremer Tor, nachdem Keeper Sebastian Mielitz, Theodor Gebre Selassie und Assani Lukimya gepatzt hatten. Sekunden später vergab Stephan Fürstner eine ähnliche Hundertprozentige. Im mit 40 000 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Rund gab es die ersten Pfiffe.

Werder holt wieder nur einen Punkt

Werder wirkte völlig gehemmt, kam überhaupt nicht in Fahrt. „Wir haben viel zu wenig Druck gemacht“, monierte Rechtsaußen Zlatko Junuzovic. Lediglich Kevin De Bruyne beschäftigte die Gäste und einmal auch Keeper Max Grün (22.). „Es war nicht schön anzusehen, wir haben auf der Bank mitgelitten“, berichtete Aaron Hunt.

Der Vizekapitän war zum zweiten Mal in Folge von Schaaf aussortiert worden, durfte aber – wie schon in Gladbach – nach der Pause ran. Genauso wie Marko Arnautovic. Der Coach wollte es offensiver und wurde sofort belohnt. Hunt stürmte nur 50 Sekunden nach Wiederanpfiff in den Strafraum und dabei auch in das ungeschickt postierte Bein von Lasse Sobiech – Elfmeter. Eine vertretbare Entscheidung des guten Unparteiischen Markus Schmidt. Der Gefoulte verwandelte extrem abgebrüht per Flachschuss. 1:0 – die grausame erste Halbzeit schien abgehakt. Leider nur für zehn Minuten: Heinrich Schmidtgal durfte den Ball unbedrängt hereinbringen und Fürstner am langen Pfosten ebenso ungehindert vollstrecken. Mateo Pavlovic und vor allem Lukas Schmitz hatten in der Mitte nicht aufgepasst. „Da stellen wir uns wieder einmal viel zu naiv an“, schimpfte Junuzovic.

Es kam sogar noch schlimmer: Thanos Petsos jagte einen – wenn auch umstrittenen – 25-Meter-Freistoß in die Maschen (62.). Werder-Keeper Sebastian Mielitz hatte fast regungslos zugeschaut und damit seinen Kritikern durchaus neue Nahrung geliefert. Und das ausgerechnet an dem Tag, an dem die „Bild“ über eine Rückholaktion von Tim Wiese spekulierte. „Das ist kein Thema“, fand Werder-Sportchef Thomas Eichin dazu allerdings klare Worte.

Fürth führte – die Werder-Fans waren fassungslos. Die Mannschaft auch. Und wer weiß, was passiert wäre, hätte Milorad Pekovic seinen Bremer Gegenspieler Pavlovic nach einer Ecke nicht so dumm heruntergedrückt. Schiri Schmidt entschied wieder richtig auf Strafstoß, Hunt verwandelte erneut, diesmal allerdings mit ein bisschen Glück, Grüns Hand war noch dran (70.).

Egal, Werder war wieder da und wollte den Sieg. Bekam ihn aber nicht, weil Arnautovic gleich zweimal (75. und 78.) aus bester Schussposition am starken Grün scheiterte. Auf der anderen Seite stoppte der ansonsten schwache Lukimya einen Sararer-Schuss auf dem Weg ins leere Tor (85.).

Der Punktgewinn für Fürth, das erstmals mit dem neuen Trainer Frank Kramer angetreten war, ging vollkommen in Ordnung, wird aber nicht mehr zum Klassenerhalt reichen. Bei Werder ist die Versetzung zumindest gefährdet. „Wer jetzt nicht nach unten schaut, der guckt nicht richtig hin“, warnte Hunt und hatte Verständnis für das große Pfeifkonzert nach der Partie: „Wie soll man das den Fans nach so einem Spiel gegen einen Tabellenletzten übel nehmen?“

Immerhin gab es für die älteren Herren von der Südgeraden einen kleinen Trost, sie bekamen das Bettlaken mit ihrer Rücktrittsforderung nach dem Spiel zurück, protestierten aber trotzdem: „Das ist doch alles nur noch ein Witz hier.“

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