Nach 2:1-Sieg am letzten Spieltag

Taktik-Analyse: Leipzig-Spiel zeigt noch einmal Stärken und Schwächen der Saison

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Der taktische Plan von Werder-Trainer Florian Kohfeldt funktionierte gegen RB Leipzig defensiv besser als offensiv.

Werder Bremens Chance, die Europa League noch zu erreichen, war gering, Gegner RB Leipzig trat mit einer B-Elf an. Trotzdem lohnt die Analyse des finalen Saisonspiels. Bremens System legte noch einmal die Stärken und Schwächen der Saison offen – und wies auf das, was kommen mag. Die Taktik-Analyse von Tobias Escher.

Jedem Ende wohnt auch ein Anfang inne. Das letzte Saisonspiel von Werder Bremen war gleichzeitig die erste Partie nach der Verkündung von Max Kruses Abschied. Da der Kapitän verletzt fehlte, war das Spiel gegen RB Leipzig ein Fingerzeig, wohin sich die Mannschaft ohne ihren Star entwickeln kann. Zugleich war Florian Kohfeldts Aufstellung ein weiterer Beweis dafür, wie flexibel der Trainer taktiert.

Kohfeldt überraschte mit einer extrem kompakten 4-3-3-Formation. Vorne begann Milot Rashica als einziger Stürmer. Dahinter rückten Kevin Möhwald und Yuya Osako derart weit ins Zentrum ein, dass sie eher als Zehner denn als Außenstürmer fungierten. Im Mittelfeld wiederum ließ sich Nuri Sahin weit fallen, defensiv stockte er die Viererkette oft zu einer Fünferkette auf. Bremens System lässt sich daher am Ehesten als 5-2-2-1 beziffern – eine Formation, die man so in der Bundesliga praktisch nie zu Gesicht bekommt.

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Unorthodoxe Formation vereitelt Leipziger Spielidee

Dass diese unorthodoxe Formation durchaus Sinn ergab, bewies die erste Halbzeit. Kohfeldt hatte sein Team auf die Stärken des Gegners eingestellt. Leipzig trat zwar mit einer B-Elf an, vertraute aber auf die gewohnte Taktik. Trainer Ralf Rangnick stellte seine Elf in einem 4-2-2-2 auf. Die Außenstürmer rückten gewohnt weit nach innen und boten sich im offensiven Mittelfeld an. Den Ball gewinnen, schnell über die zentral agierenden Außenstürmer umschalten: So lautet die Spielidee der Leipziger.

Werder vereitelte diesen Plan. Gerade im Zentrum konnte Bremen sich ein Übergewicht erarbeiten: Osako und Möhwald nahmen die gegnerische Doppelsechs aus dem Spiel, während sich Maximilian Eggestein und Davy Klaassen um die einrückenden Außenstürmer kümmerten. Leipzig kam selten zu Raumgewinn. Ihr Spiel erstarrte in Querpässen in der eigenen Hälfte.

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Die Grafik zeigt die Defensivformation der Bremer und wie sie Leipzigs Mittelfeld damit zustellten. (Klicken zum Aufklappen)

Kaum Möglichkeiten im Spielaufbau - Sicherheit zuerst

So gut Bremens System defensiv funktionierte: Offensiv setzten sie ebenso wenig Akzente wie die Gäste. Werders Formation war ganz darauf ausgerichtet, die gegnerischen Stärken zu neutralisieren. Im eigenen Spielaufbau bot die Formation kaum Vorteile. Durch die tiefe Rolle von Sahin verwaiste das zentrale Mittelfeld. Die langen Bälle direkt aus der ersten in die letzte Linie waren indes zum Scheitern verurteilt; vorne gab es keinen Akteur, der einen Ball festmachen konnte.

Zudem agierte Bremen in der ersten Halbzeit nach dem Motto: Sicherheit zuerst. Sie wussten um Leipzigs große Stärke: deren Balleroberungen im zentralen Mittelfeld. Bremen mied diese Zone, so gut es ging – und wenn sie doch einmal den Pass an den Mittelkreis spielten, verloren sie ihn prompt. In diesen Situationen hatte Bremen Glück, dass Leipzigs Team nicht eingespielt wirkte und Konter verschenkte.

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Leipzig mit mehr Offensivgefahr in zweiter Hälfte

Werder traute sich nicht so recht, Leipzig hatte keine Idee, wie sie den gut eingestellten Gegner knacken sollen. Die Folge war ein zähes Duell. Werder ging mit der ersten Chance in Führung, Rashica verwandelte einen Elfmeter (35.).

In der zweiten Halbzeit entfachte Leipzig mehr Offensivgefahr. Zunächst profitierten sie von Sahins Auswechslung. (Für ihn kam Johannes Eggestein.) Sahins tiefe Rolle hatte in der ersten Halbzeit Bremens letzte Linie stabilisiert. Leipzig kam nur selten hinter Bremens Fünferkette. Sahins Ersatz Maximilian Eggestein interpretierte die Rolle als Sechser etwas offensiver, agierte meist vor der Abwehr. Gegen Bremens 4-3-2-1-Formation konnte Leipzig mehr Bälle in die Tiefe spielen.

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Rangnicks Umstellungen verändern die Dynamik

Ein richtiges Übergewicht gewann Leipzig erst, nachdem Rangnick das eigene System umgestellt hatte. Mit der Einwechslung von Emile Smith Rowe (64.) löste er die Viererkette auf. Leipzig agierte fortan im 3-1-4-2-System. Mit Emil Forsberg und Yussuf Poulsen (70.) wechselte er zudem zwei eigentliche Stammspieler ein.

Im neuen System griff Bremens Überzahl im Zentrum nicht mehr. Vielmehr schufen die Leipziger nun selbst Überzahlen in den Halbräumen. Viele Szenen konnten sie nun über die hoch aufrückenden Außenverteidiger lösen. Deren Flanken führten nicht nur zu Torgefahr, sondern bescherten Leipzig auch fünf Ecken nach der Pause. Die Partie spielte sich nun in der Bremer Hälfte ab. Werder hatte Glück, dass Bruma einen Elfmeter verschoss (54.) und Leipzig weitere Chancen vergab. In der 86. Minute war es jedoch soweit: Forsberg erzielte den verdienten Ausgleich.

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Fotostrecke: Rashica und Pizarro jubeln - Kruse und Johannsson verabschiedet

Werder Bremen gegen RB Leipzig
Werder Bremen gegen RB Leipzig © gumzmedia
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Alles oder nichts: Kohfeldts Mut wird belohnt

Nach dem Ausgleich reagierte Kohfeldt, wie er häufig auf Rückschläge in dieser Saison reagiert hatte: Er warf alles nach vorne. Mit Aron Johannsson (87., für Möhwald) wechselte Kohfeldt einen weiteren Stürmer ein, Claudio Pizarro (74., für Osako) war schon zuvor ins Spiel gekommen. Bremens offensives 4-4-2-System hatte nur noch ein Ziel: den Ball möglichst direkt nach vorne spielen. Kohfeldts Mut wurde belohnt – mal wieder, muss man nach den Auftritten im Pokal und dem 2:2 gegen Borussia Dortmund sagen. Pizarro erzielte den Siegtreffer (88.).

Nicht nur Kohfeldts Risikofreude in den Schlussminuten war ein Spiegelbild dieser Saison. Wieder einmal funktionierte Bremens taktischer Plan defensiv besser als offensiv. Und wieder einmal konnte Bremen eine Partie gegen einen nominell stärkeren Gegner zwar nicht dominieren, aber zumindest für ein umkämpftes, enges Spiel sorgen. Dass noch viel zu tun ist in Bremen, beweist die Offensivleistung. Ohne Max Kruse fehlte ein Fixpunkt im Spiel, Bremen gab nur sechs Schüsse ab. Das Ergebnis und der Spielverlauf stimmen jedoch optimistisch. Vielleicht funktioniert es ja im kommenden Jahr auch ohne Kruse.

Quelle: DeichStube

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