Spätstarter Justin Eilers

„Ich werde mich nicht verstecken“

Stürmer Justin Eilers (Bild) spielte einst beim VfL Wolfsburg II unter Trainer Valerien Ismael. Vielleicht hat der ehemalige Werder-Profi dem neuen Werder-Profi damals die Karriere gerettet. J Foto: nordphoto

Neuruppin - Von Carsten Sander. Es ist schon kurios und auch ein bisschen tragisch: Zwei Jahre lang hat Justin Eilers bei Dynamo Dresden verletzungsfrei durchgespielt. Nur wegen einer Erkältung und wegen einer kleinen Disziplinarmaßnahme verpasste er zwei Spiele. Aber sonst? Nix! Doch ausgerechnet jetzt, da er bei Werder Bremen zum großen Karrieresprung ansetzen will, ist er verletzt. Zerrung am Hüftbeuger – „so habe ich mir meinen Start bei Werder Bremen natürlich nicht gewünscht“, sagt der 28-Jährige.

Noch nicht eine Übungseinheit hat der Neuzugang im Trainingslager in Neuruppin mit den neuen Kollegen absolviert, und es wird auch nichts mehr draus. Eilers: „Primäres Ziel ist jetzt das Trainingslager im Zillertal, dann will ich wieder einsteigen.“

Auch wenn es als großes Pech erscheint, dass er sich vor drei Wochen im Urlaub bei einem intensiven Vorbereitungslauf die Verletzung zugezogen hat, passt es doch irgendwie zur bisherigen Vita des Stürmers. Denn auch seine Karriere hat sich Zeit gelassen, bis sie Schwung aufgenommen hat. Anders gesagt: Eilers ist im Fußball-Business ein Spätstarter. Erst im nicht mehr ganz taufrischen Fußballer-Alter von 28 Jahren steht er erstmals im Kader eines Erstligisten. Seine Empfehlung für Werder und das Fußball-Oberhaus besteht aus 42 Toren, die er in den vergangenen beiden Spielzeiten für Dynamo Dresden in Liga drei erzielt hat. „Das schafft auch nicht jeder“, meint Kollege Fin Bartels, der sich möglicherweise mit Eilers im 4-1-4-1-System um die Position auf der rechten Mittelfeldseite duellieren muss. Dort ist Eilers zu Hause, er kann aber auch zentral in der Spitze spielen.

Jedenfalls hat er das in seinen bisherigen Clubs gezeigt. Das Problem ist nur: Es handelte sich dabei zuletzt um Drittligist Dresden (dank der Eilers-Treffer in Liga zwei aufgestiegen), um den Fünftligisten Goslarer SC (dank 15 Eilers-Toren in die Regionalliga aufgestiegen) und um den VfL Wolfsburg II (dank 17 Eilers-Toren Regionalliga-Meister, dann aber in der Aufstiegsrunde gescheitert). Unterklassige Clubs also, aber hochklassige Trefferquoten. Nun muss sich zeigen, ob der Stürmer seine Spuren auch in die Spielfelder der Erstliga-Stadien brennen kann.

Justin Eilers ist natürlich klar, dass er gerade einen großen Satz macht, die zweite Liga, in der er nie gespielt hat, einfach überspringt. Aber wieso großartig drüber nachdenken? „Wenn ich die Chance bekomme, will ich sie auch nutzen“, sagt der gebürtige Braunschweiger und macht klar, dass die Ersatzbank nicht sein Ziel ist: „Trotz meiner Unerfahrenrenheit im Oberhaus werde ich mich nicht verstecken. Nur im Kader zu stehen, reicht mir nicht. Mein Traum ist erst erfüllt, wenn ich auch spiele.“ Nichts anderes als dieses Anspruchsdenken erwartet man von einem Profi.

Werder-Training am Donnerstag

Justin Eilers wirkt sehr ernst, beinahe schon verkniffen, wenn er über sich, seine Laufbahn und die späte Bundesliga-Chance spricht. Vielleicht liegt es daran, dass er sich so sehr über seine aktuelle Verletzung ärgert. Vielleicht aber auch daran, dass nicht alles nur Spaß war, was er als Fußballer erlebt hat. Er war 21 Jahre alt, als er von Eintracht Braunschweig II zum VfL Bochum wechselte – mit der Hoffnung, in der Zweitliga-Mannschaft Fuß zu fassen. Was jedoch nicht klappte, Eilers blieb im Reserveteam hängen. Und verlor die Lust. Heute nennt er das einen „Karriereeinbruch: Ich stand am Scheideweg, habe nachgedacht, ob es noch Sinn macht, alles auf die Karte Fußball zu setzen.“ Die Alternative wäre eine kaufmännische Ausbildung gewesen. Doch der Goslarer SC in der Oberliga wurde dann – nahe der Heimat Braunschweig – zum Rettungsanker. Er habe dort „einfach drauf los gespielt“, beschreibt Eilers. Unbekümmert schoss er genug Tore, um vom VfL Wolfsburg II mit Trainer und Werder-Double-Sieger Valerien Ismael (siehe Extra-Artikel) gescoutet und verpflichtet zu werden. „Von ihm“, sagt Justin Eilers im Rückblick, „habe ich viel gelernt.“

Genug auf jeden Fall, um nur ein Jahr später nach Dresden zu wechseln. In „zwei überragenden Jahren“ bei Dynamo gelangen dem Wirtschafts-Abiturienten jene 42 Tore, die ihn schließlich zum SV Werder spülten. Es ist der Höhepunkt einer Karriere, von der niemand sagen kann, was sie noch an Entwicklungen und Wendungen für Justin Eilers bereit hält.

Ismael: „Ein guter Fang“

Dass der Ex-Schützling nun bei Werder und in Liga eins angekommen ist, wundert Valerien Ismael nicht: „Justin hat Tempo und einen unheimlichen Torriecher. Ich glaube, dass er sich in der Bundesliga durchsetzen kann. Da hat Werder einen guten Fang gemacht.“ Aber: Werder muss den Stürmer auch richtig anpacken. „Er braucht aus seinem Umfeld viel Zuneigung und Aufmerksamkeit“, meint der Franzose.

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