Aussortierter Werder-Profi

Sorgenkind Elia im Abseits

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Werder-Profi Elia

Bremen – Von Michael Baltes. Werder Bremens Offensivspieler Eljero Elia manövriert sich mehr und mehr ins Abseits. Sportlich läuft es für den Niederländer nicht rund, seine Zukunft bei den Grün-Weißen scheint mehr denn je ungewiss. Einzig fernab des Rasens sorgt der 27-Jährige noch für Schlagzeilen.

„Wenn ich in Form bin, bin ich der beste Linksaußen Europas“, hat Elia jüngst über sich selbst gesagt. Eine Einschätzung, die schon bei der ersten Betrachtung äußerst hoch gegriffen wirkt. Und die, wenn überhaupt, nur auf den jungen Eljero Elia zutrifft, der 2008 sein Debüt in der niederländischen Nationalmannschaft feierte, 2010 eine starke WM spielte und in seiner Anfangszeit beim Hamburger SV groß auftrumpfte. Elia galt damals als eines der vielversprechendsten Talente im holländischen Fußball. Mit dem Elia von damals hat der Elia von heute aber wenig bis gar nichts mehr gemein. Umso mehr verwundert seine Selbsteinschätzung. Denn statt sportlich für Furore zu sorgen, bestimmt der 27-Jährige bei Werder bis auf wenige Ausnahmen nur noch abseits des Platzes die Schlagzeilen.

Jüngster Fehltritt des Offensivspielers: Bei Facebook beleidigte er einen Fan mit den Worten „Go f*** your self!“. Hintergrund des Ganzen: Elia hatte seinem Freund Edson Braafheid (Lazio Rom) über das soziale Netzwerk gute Wünsche geschickt, nachdem dieser sich eine Bänderverletzung zugezogen hatte. Ein Fan kommentierte den Beitrag mit den Worten: „Kümmer dich lieber mal um dich!!!“. Natürlich ist die Reaktion des Werder-Profis in gewisser Weise verständlich – und menschlich. Wer lässt sich schon gerne ständig – wie bei Elia der Fall – in den sozialen Netzwerken anpöbeln? Und freut sich in der heutigen Fußballwelt nicht auch jeder insgeheim ein wenig über Spieler, die nicht nur aalglatte Botschaften à la Mario Götze über die Netze verteilen?

Nichtsdestotrotz hat Elia mit seiner verbalen Entgleisung eine Linie überschritten. Als Fußballprofi, der Millionen Euro verdient, steht er im Mittelpunkt und hat eine Vorbildfunktion inne. Das weiß auch Skripnik: “Wir spielen für die Fans. Man muss mit Kritik umgehen können“, sagte der Werder-Coach auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hannover. Erschwerend kommt bei Elia hinzu, dass sich die Entgleisungen wie ein roter Faden durch seine Karriere ziehen. So twitterte er vor dem Nordderby beim Hamburger SV in dieser Saison: „Ready for war“ - übersetzt: Bereit für den Krieg. Unvergessen auch seine vorübergehende Suspendierung in Bremen, nachdem er gemeinsam mit Marko Arnautovic um 3 Uhr morgens wegen überhöhter Geschwindigkeit auf der Autobahn von der Polizei gestoppt worden war. Und das sind nur einige seiner gesammelten Eskapaden.

„Ich bin nicht sein Papa"

Solche Scharmützel lassen sich leichter verzeihen, wenn die Leistung auf dem Platz stimmt. Passt das Sportliche allerdings nicht, rücken die Fehltritte unweigerlich in den Vordergrund. Und irgendwann reißt in solchen Fällen wohl jedem Trainer der Geduldsfaden. „Ich bin nicht sein Papa. Wenn ich mich nur mit ihm beschäftige, vergesse ich die anderen 25“, hat es Werder-Coach Skripnik jüngst auf den Punkt gebracht. Die Konsequenz: Elia stand gegen Paderborn und Frankfurt nicht im Aufgebot – und das, obwohl die personelle Situation bei Werder angespannt ist. Im Heimspiel am Samstag gegen Hannover wird Skripnik möglicherweise wieder auf den Niederländer verzichten. Der ukrainische Coach kann mit dem exzentrischen Profi derzeit wenig anfangen: “Ich freue mich, dass Eljero mit seiner sportlichen Situation unzufrieden ist. Aber ich erwarte im Spiel von ihm, dass er mehr für die Mannschaft arbeitet. Es geht nicht darum, immer nur den Gegenspieler zu verarschen.“

Deutliche Worte, die zeigen, dass sich Elia mit seinem Verhalten auf und neben dem Platz in Bremen mittlerweile weit aufs Abstellgleis befördert hat. Der 27-Jährige gilt als Verkaufskandidat für die Winterpause. Ob die Grün-Weißen den Niederländer allerdings schon in den nächsten Monaten von der Gehaltsliste streichen können, scheint mehr als fraglich. Zwar wird kolportiert, dass es Interessenten aus Dubai, Katar und Russland gibt (kicker), doch dorthin will Elia offenbar nicht. Und Topclubs aus Europa dürften sich zweimal überlegen, ob sie den 27-Jährigen in ihren Reihen haben wollen. Wenn es für Werder ganz schlecht läuft, sitzt Elia seinen gut dotierten Vertrag bis 2016 in Bremen einfach aus.

Bilder vom Training am Donnerstag

Werder-Training am Donnerstag

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