Ein PRO & CONTRA

Soll Nouri Werder-Trainer bleiben?

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Alexander Nouri

Bremen - Es ist die Frage, die derzeit rund um Werder Bremen für den meisten Gesprächsstoff sorgt: Soll Alexander Nouri Trainer bei den Grün-Weißen bleiben? Oder soll ein neuer Coach kommen? In der Sportredaktion der Kreiszeitung sind die Meinungen geteilt. Ein PRO & CONTRA von Malte Rehnert und Carsten Sander.

PRO: Bei Schubert hat’s doch auch geklappt (Malte Rehnert)
Wer diesen Wahnsinn am Wochenende im Weserstadion live gespürt hat, der weiß: Werder lebt wieder! Die Stimmung war fantastisch, die Fans durften endlich mal jubeln, lachen, feiern. Und einen großen Anteil daran hat Alexander Nouri. Der 37-Jährige hat nicht nur den so ersehnten ersten Saisonsieg eingefahren und Werder vom letzten Tabellenplatz gehievt, sondern auch eine Aufbruchstimmung erzeugt. Dass er weitermachen darf, ist folgerichtig. Die Chance hat er sich absolut verdient. Jetzt kann er zeigen, dass er auch auf Dauer DIE Lösung auf der Bremer Bank ist. Und es gibt einiges, dass dafür spricht. Vor allem, dass er laut Manager Frank Baumann „ein guter Trainer“ ist. Doch das ist nicht alles. Im „Sportclub“ des NDR hat Baumann am Sonntagabend das Anforderungsprofil des Werder-Trainers skizziert. Nouri, der ganz nebenbei auch noch die günstigste Lösung wäre, erfüllt fast alles. Der perfekte Kandidat muss der Mannschaft eine Spielphilosophie und eine taktische Handschrift geben: War vor allem gegen Wolfsburg zu erkennen.

Werder hatte eine gute Ordnung und zeigte endlich die lange vermisste Disziplin. Er muss zu Werder passen, sich auf die Region und Norddeutschland einlassen: Schon erledigt. Der gebürtige Buxtehuder Nouri hat fast seine komplette Spieler- und Trainerlaufbahn im Norden verbracht, war Spieler und ist Trainer bei Werder. Er kennt den Verein, war aber zwischendurch 13 Jahre weg und hat nicht diesen oft kritisierten, intensiven „Stallgeruch“. Er muss Deutsch sprechen können: Kann er. Er sollte imstande sein, rhetorisch eine ordentliche Medienarbeit abzuliefern: Macht er. Den einzigen Wunschpunkt, den Nouri nicht erfüllt: Ihm fehlt die Bundesliga-Erfahrung. Die zu haben, heißt aber nicht automatisch, auch erfolgreich zu sein. Dafür hat er andere Vorzüge, die Werder in einer wieder mal schwierigen Situation mit viel Unsicherheit dringend braucht. Mit seiner extrem emotionalen Art ist er ein Mitreißer, ein Wachrüttler, ein Selbstvertrauen-Einimpfer. Er hat es geschafft, dass die Mannschaft wieder als echte Einheit auftritt und funktioniert. Und er schreckt vor unbequemen Entscheidungen nicht zurück, greift hart durch, nimmt etwa (wie bereits bewiesen) bei seiner Kaderzusammenstellung keine Rücksicht auf Namen oder Befindlichkeiten.

Warum also nicht Vertrauen in einen Mann aus den eigenen Reihen haben und aus dem Interims- einen Langzeittrainer machen? In Gladbach hat es in der Vorsaison mit Andre Schubert auch geklappt. Dort hatte man erst Bedenken, suchte (wie jetzt in Bremen) parallel nach Alternativen. Acht Wochen lang. Doch Schubert überzeugte, erhielt einen Vertrag bei den Profis und ist noch immer im Amt. Ein gutes Beispiel für Werder!

CONTRA: Für Werder ist ein „Vielleicht“ viel zu riskant (Carsten Sander)
Klar, am Samstag konnte man schon denken: Wow, was für ein Typ! Als Alexander Nouri nach dem Last-Minute-Sieg über den VfL Wolfsburg wie ein liebestoller Kranich bei der Balz über den Rasen des Weserstadions sprang, da wirkte er wie einer, der nicht nur eine Mannschaft, sondern ein ganzes Stadion mitreißen kann. Doch es birgt Gefahren, aus diesem einen Moment und diesem einen Sieg abzuleiten, dass Alexander Nouri die richtige Antwort auf die Trainerfrage bei Werder Bremen ist. Alexander Nouri ist sicherlich ein begabter, junger Trainer. Sonst hätten die Bremer ihn vor etwas mehr als zwei Jahren nicht vom VfB Oldenburg geholt, hätten ihn nicht erst zum U 23-Coach und nun zur Interimslösung auf der Bundesliga-Bank gemacht. Aber sein Werdegang zeigt auch: Nouri kam von sehr weit unten ziemlich schnell nach oben. Es waren auch Zufälle dabei, die ihn innerhalb kürzester Zeit die Karriereleiter hinauf getrieben haben.

Nicht falsch verstehen: Deshalb kann Nouri trotzdem ein guter Trainer sein. Doch an Erfahrung mangelt es ihm gewaltig. Was er in einem Jahr als Cheftrainer beim Regionalligisten VfB Oldenburg und später in der Bremer U 23 erlebt hat, ist zu wenig, um im Wildwasser Bundesliga nicht unterzugehen. Wie groß der Sprung ist, hat jeder gerade erst am Beispiel Viktor Skripnik verfolgen können. Auch er kam mit seiner neuen, unbekannten und unbekümmerten Art zunächst hervorragend an. Auch er konnte das Bremer Team so richtig heiß machen. Zunächst. Doch wenn der Zauber des Neuanfangs irgendwann verfliegt, dann kommt es auf Qualität, Erfahrung und Souveränität an. Skripnik hatte von allem dann doch zu wenig. Bei Alexander Nouri ist es so: Qualität kann man vermuten, Erfahrung ist kaum vorhanden, Souveränität muss wachsen. Bisher ist es vor allem die Begeisterung, die wie Blitze aus seinen dunklen Augen schießt, mit der er Pluspunkte sammelt.

Aber was, wenn es schwierig wird? Wenn Werder drei, vier Spiele nicht gewinnt? Wenn die Last der Verantwortung immer schwerer wird? So schwer, dass sie kaum mehr zu tragen ist? Wenn aus Begeisterung erst Sorge und dann Angst wird? Ist Nouri, der Neue, dafür stark genug? Bisher gibt es darauf nur eine Antwort: Vielleicht. Aber Werder ist im Augenblick aufgrund der sportlich schwierigen Lage definitiv nicht in der Position, es auf ein Vielleicht ankommen lassen zu können. Es ist schlicht zu riskant. Werder braucht einen starken Trainer, einen, der wie ein Fels im Wildwasser steht. Einen, der überhaupt keine Zweifel an sich, seiner Kompetenz und Autorität aufkommen lässt. Alexander Nouri kann mal so ein Trainer werden, wenn er den langen Weg geht. Doch noch ist es für ihn zu früh für Liga eins.

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