Alt, aber oho! Die Werder-Profis wollen um Fritz und Pizarro kämpfen

Das Sofa soll warten

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Zusammen sind Claudio Pizarro und Clemens Fritz 72 Jahre alt, doch immer noch jung genug, um Werder zu einem Sieg zu führen.

Bremen - Von Carsten Sander. Gehen wir mal davon aus, dass Clemens Fritz am Sonntagabend eine Premiere gelungen ist. Oder kann sich irgendjemand an einen weiteren Profi erinnern, der in seinem 300. Bundesliga-Spiel an drei Toren beteiligt war? Fritz ist es gelungen – und damit hat der 35-Jährige bei Werder Bremen eine Diskussion in Gang gesetzt, die sicherlich noch ein paar Wochen geführt werden wird. Es geht um sein angekündigtes Karriereende.

Dass es am Saisonende tatsächlich so weit sein soll, will so mancher Werder-Profi nicht akzeptieren. „Ich hoffe, er hört im Sommer nicht auf. Er kann doch bei seiner Energie nicht einfach zu Hause auf dem Sofa rumsitzen und nichts tun“, meint beispielsweise Torjäger Anthony Ujah. Er hatte beim Bremer 3:1-Sieg bei Schalke 04 das letzte und damit entscheidende Tor geschossen. Auf Vorlage von Clemens Fritz, der mit der Flanke in der 89. Minute einem perfekten Arbeitstag die Schleife umband. Vorher hatte er mit einem Distanzschuss die frühe Schalker Führung (4.) ausgeglichen (43.) sowie mit einer Traumflanke das 2:1 serviert (54.). Torschütze: Claudio Pizarro, mit 37 noch zwei Jahre älter als Fritz. Aber ähnlich frisch.

Dass der eine (Fritz) in vier Monaten die Fußballschuhe für immer in den Schrank stellt und der andere (Pizarro) vielleicht das Gleiche macht, erscheint unter dem Eindruck des Schalke-Spiels wie ein Frevel. „Sie haben beide gerade ihren sechsten Frühling, sind extrem fit. Das ist eigentlich unglaublich in dem Alter“, sagte Zlatko Junuzovic voller Bewunderung und machte sich ebenfalls für eine Fortsetzung der Karrieren stark: „Wenn man sie so spielen sieht, merkt man schon, dass sie noch zwei, drei Jahre spielen können.“

Speziell Fritz will aber nicht. „Ich gerate nicht mehr ins Wanken“, hatte er bereits auf Schalke gesagt und wiederholte diese Aussage auch gestern, als er von einer Kamera zur anderen gezerrt wurde. Fritz, Fritz, Fritz – der Ex-Nationalspieler hat es geschafft, sich im ersten Spiel nach seiner Rücktrittsankündigung noch weniger entbehrlich zu machen, als er es ohnehin schon war.

Besser spät als nie: Ujah erst am Ende gefährlich

Felix Wiedwald: Erstes Rückrunden-Gegentor nach nur drei Minuten und 54 Sekunden – und auch danach wird ihm das Herz bei den hochkarätigen Schalker Möglichkeiten mehrfach in die knallrote Hose gerutscht sein. Wirklich auszeichnen konnte sich der Bremer Schlussmann dabei nicht. Note 3 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie (r.): Solide Leistung auf der rechten Abwehrseite. Hatte mit Choupo-Moting weniger Mühe als erwartet. Note 3 © nordphoto
Jannik Vestergaard: Es ging nicht gut los. Das verlorene Kopfballduell gegen Matip brockte Werder den frühen Rückstand ein. In der Folge aber mit einer stabilen Vorstellung. Note 3 © nordphoto
Papy Djilobodji: Was die erst am Mittwoch verpflichtete Leihgabe des FC Chelsea in der Innenverteidigung zeigte, war absolut in Ordnung. Energisch gegen den Ball, mit gutem Auge bei der Spieleröffnung, aber auch mit Fehlern. Wie der, als er Huntelaar bei einem Einwurf einfach ziehen ließ (30.). Note 3 © nordphoto
Santiago Garcia: Zunächst mit großen Problemen gegen das Schalker Juwel Sane. Doch das Problem hatte der Linksverteidiger nicht exklusiv. Note 3,5 © nordphoto
Clemens Fritz: Man hatte es schon nicht mehr geglaubt, aber es ist Fakt: Clemens Fritz kann noch Tore schießen! In seinem 300. Bundesliga-Spiel traf er zum ersten Mal nach zuvor 115 torlosen Liga-Spielen. Anschließend bereitete er noch die Treffer zwei und drei vor – besser geht es nicht. Note 1 © nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 40.): Nach der Achillessehne streikt nun das rechte Knie. Bargfrede musste noch vor der Pause vom Platz. Bis zur Verletzung war es ein dürftiger Auftakt für ihn. Note 4 © nordphoto
Levin Öztunali (bis 90.+3): Er brauchte etwas, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Zunächst gingen die meisten Aktionen bei ihm schief, später mit guten Momenten – speziell im Zusammenspiel mit Pizarro. Note 3,5 © nordphoto
Florian Grillitsch: Bekam etwas überraschend den Vorzug vor Junuzovic. Bewirkte insgesamt aber wenig, einzig sein Schuss aus 16 Metern knapp neben das Schalker Tor bleibt in Erinnerung (38.). Note 4,5 © nordphoto
Claudio Pizarro (bis 84.): Man muss nicht darüber diskutieren, dass Pizarro die meisten Sprintduelle verliert. So auch gestern. Aber man muss auch nicht darüber diskutieren, dass er mit seiner Cleverness und seinem Torriecher wertvoll ist für das Bremer Team. Siehe das 2:1. Allerdings: Mit Fehlpässen im Spielaufbau beschwor er zwei Mal auch Gefahr vor dem eigenen Tor herauf – Huntelaars Lattentreffer inklusive (27.). Note 2 © nordphoto
Anthony Ujah: Fand lange nicht ins Spiel, aber dann: Chance in der 86. Minute, kurz darauf mit aller Entschlossenheit das Tor in der 89. – für ihn galt: Besser spät als nie. Note 2,5 © nordphoto
Zlatko Junuzovic (ab 40.): Übernahm den Bargfrede-Part im defensiven Mittelfeld und machte mit viel Lauffreude einen ordentlichen Job. Note 3 © nordphoto
Lukas Fröde (ab 84.): Nur ein Kurzeinsatz. Note - © nordphoto
Fin Bartels (Archivbild) (ab 90.+3): Ein noch kürzerer Kurzeinsatz. © nordphoto

„Clemens“, meinte auch Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin anerkennend, „war bärenstark. Ich hoffe, dass er die mindestens letzten 17 Spiele seiner Karriere genauso angeht.“ 17 – mehr nicht? Eichin gibt sich keinen Illusionen hin, dass es einen Rücktritt vom Rücktritt geben wird und ersetzt das Frage- durch ein Ausrufezeichen: „Clemens hat seine Entscheidung getroffen, das müssen wir so akzeptieren – und das ist auch in Ordnung so.“ Trainer Viktor Skripnik sagt, er werde nicht mal versuchen, seinen Kapitän umzustimmen: „Seine Entscheidung steht. Ich werde darüber nicht mehr mit ihm reden.“

Es ist auch einigermaßen paradox, dass sich Werder einerseits mit jungen Spielern sportlich wie wirtschaftlich sanieren will, andererseits aber ohne die alten Haudegen offenbar nicht auskommen kann. Dem großen Rest des spielenden Personals ist das freilich egal. Noch auf Schalke hätten die Kollegen angefangen, den Mittdreißiger Fritz zu bearbeiten, noch ein Jahr dranzuhängen. „Im Hochgefühl des Sieges“, berichtete Ujah, habe Fritz auch „ja, ja“ und „vielleicht“ gesagt. Aber mehr eben auch nicht. Doch Ujah wird nicht müde werden, bis zum Saisonschluss weiter zu drängeln: „Clemens ist einfach wichtig für uns. Ich hoffe, er ändert seine Meinung noch.“

Der alte Fritz ist für die Kollegen jedoch nur die eine Baustelle, Pizarro die andere. Aber bei dem Team-Opa ist der Fall offenbar anders gelagert als bei Clemens Fritz – glaubt jedenfalls Sturmpartner Ujah: „Ich sitze in der Kabine und im Mannschaftsbus neben Claudio, und mein Gefühl sagt mir, er ist noch nicht bereit aufzuhören. Er kann locker noch zwei Jahre spielen.“

Fritz, Pizarro und Ujah lassen Werder jubeln

Werders Matchwinner: Clemens Fritz erzielte ein Tor selbst und bereitete zwei weitere vor. © dpa
Perfekter Rückrundenstart für Werder Bremen - 3:1-Sieg auf Schalke.
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Perfekter Rückrundenstart für Werder Bremen - 3:1-Sieg auf Schalke.
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