Nach Werders 0:6 in Wolfsburg

Skripnik lässt die Keule stecken

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Die „geprügelten Hunde“: Werders Fin Bartels, Philipp Bargfrede, Alejandro Galvez, Janek Sternberg, Santiago Garcia und Anthony Ujah (von links) nach dem desaströsen 0:6 beim VfL Wolfsburg.

Bremen - Von Malte Rehnert. Es gab kein Donnerwetter – und es gibt auch kein Straftraining. Nach dem Debakel beim VfL Wolfsburg lässt Werder-Coach Viktor Skripnik Milde walten und stellt sich schützend vor seine Mannschaft – genau wie Sportchef Thomas Eichin. Was genau sagen die Verantwortlichen? Warum geriet der Tabellen-14. derart unter die Räder? Und blicken die Bremer nun mit Sorge auf das Nordderby am Samstag (15.30 Uhr) gegen den Hamburger SV? Die wichtigsten Fragen und Antworten nach Werders 0:6.

Was war der Hauptgrund für die hohe Niederlage?
Eindeutig die mangelnde Einstellung. „Die Art und Weise der Niederlage war extrem enttäuschend. Ich hatte schon nach fünf Minuten das Gefühl, dass hier nichts geht“, gestand Sportchef Thomas Eichin gestern. Das sagt schon einiges. „Es hat überhaupt nichts funktioniert“, klagte Trainer Viktor Skripnik. Werder leistete – vor allem in der zweiten Halbzeit – nicht den Hauch von Gegenwehr und ließ die Wolfsburger nach Herzenslust aufspielen. „Wir waren ab der ersten Sekunde viel zu lasch – und die Wolfsburger waren dann richtig im Flow“, meinte Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic.

Wie alarmierend ist die Wolfsburg-Klatsche?
Ziemlich. Die Zeiten, in denen die Bremer geradezu auseinanderfielen, schienen eigentlich vorbei zu sein. Früher, unter den Trainern Thomas Schaaf und dann Robin Dutt, gab es einige Spiele, wo man das Unheil nach einem Rückstand schon kommen sah – und es dann deftige Pleiten setzte. Nun hat es auch Viktor Skripnik in dieser krassen Form erlebt. Das Besorgniserregende: Die Spieler können (oder wollen?) keine plausiblen Erklärungen für den Rückfall in alte Zeiten liefern. Sie flüchten sich in Phrasen und hoffen nur, dass es „ein einmaliges Erlebnis war“, wie Junuzovic sagte.

Wie reagiert der Trainer?
Mit Verweisen auf seiner Meinung nach noch schwächere Auftritte („Gegen Leverkusen war es schlimmer“) – und mit merkwürdigen Worten. „Wir haben eine richtige Klatsche gekriegt. Sonst haben wir zu diesem Zeitpunkt schon fünf gekriegt. Deshalb bin ich stolz auf meine Jungs“, sagte Viktor Skripnik. Damit wollte er wohl vor allem sein Team in Schutz nehmen. Nach einem 0:6, Skripniks höchster Niederlage seit seinem Amtsantritt im Oktober 2014 war, klingen solche Sätze jedoch seltsam – genau wie nach dem 0:1 gegen die Bayern am 17. Oktober. Da hatte der Coach von sich aus sein mögliches Aus ins Spiel gebracht.

Die Noten: Galvez völlig von der Rolle

Sportchef Eichin, der Skripnik nach dem Bayern-Spiel zum Gespräch einbestellt hatte, mischt sich diesmal nicht ein und lässt dem Trainer bei der Aufarbeitung des Wolfsburg-Desasters freie Hand. „Viktor wird Mittel und Wege finden“, meint der Sportchef und ergänzt mit Blick auf Skripniks Stolz-Aussage: „Wenn das sein Weg ist, ist das sein Weg. Er entscheidet über die Art und Weise, wie er die Mannschaft aufrichtet. Es ist sein gutes Recht, es genau so zu machen, wie er es für richtig hält.“

Vor dem Vormittagstraining gab es gestern in der Kabine eine längere Besprechung, aber laut Junuzovic keine verbale Abreibung von Skripnik: „Uns wurde der Ernst der Lage noch mal deutlich gemacht Und wir haben das Spiel analysiert, kritisch und sachlich. Da hat keiner rumgeschrien.“ Das wäre auch der falsche Ansatz, findet Eichin: „Draufzuhauen macht keinen Sinn. Die Spieler wissen, was sie getan haben, saßen alle wie geprügelte Hunde in der Kabine – und sie sind alle extrem gefrustet.“

Welchen Kurs fährt der Sportchef?
Direkt nach dem Spiel war Thomas Eichin nach eigener Aussage „sprachlos“. Auch gestern biss er sich – obwohl noch sichtlich geladen – „auf die Zunge“. Er sei natürlich „verärgert und wütend“, wolle sich aber „ein bisschen beherrschen. Ich habe hier auch eine Schutzfunktion.“ Eichins öffentliche Marschroute: Hochziehen statt runterputzen. „Es hilft nichts, jetzt in Selbstzweifel zu verfallen. Die Mannschaft hat oft genug bewiesen, dass sie eine Reaktion zeigen kann. Und wir haben auch kein Qualitätsproblem.“

Wie geht es jetzt weiter?
Im normalen Rhythmus. Die Mannschaft hat heute frei, es gibt kein Straftraining. „Auch wenn sie versagt haben, brauchen sie einen freien Tag. Es bringt jetzt nichts, die Jungs über den Platz zu scheuchen“, meint Eichin: „Sie sollen sich aber mal Gedanken machen. Wir brauchen diese Spieler mit einem klaren Kopf. Ab Dienstag müssen sie einen anderen Charakter an den Tag legen.“

Hat Werder nun Angst vor dem Hamburger SV?
„Nein“, betont Junuzovic: „Respekt ist natürlich da, aber keine Angst. Der HSV war gegen Dortmund richtig stark.“ Das überraschende 3:1 der Hamburger gegen den Tabellenzweiten hat auch Werders Innenverteidiger Alejandro Galvez beeindruckt. Dennoch sagt der Spanier: „Ich mache mir überhaupt keine Sorgen – denn ich weiß, was in unserem Team steckt. Ich habe sehr großes Vertrauen in jeden einzelnen.“ Galvez ist sicher, „dass wir am Samstag ein richtig gutes Spiel machen werden“.

Werder verliert in Wolfsburg deutlich

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