HSV-Abstieg wäre dem Werder-Coach ziemlich egal

Skripnik knallhart: „Der Schwächste muss runter“

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Bremen - Die Bundesliga ohne das stets brisante und geschichtsträchtige Nordderby zwischen Werder und dem Hamburger SV? Unvorstellbar, finden viele. Viktor Skripnik gehört nicht zu diesen Fußball-Romantikern. Der Bremer Trainer kennt kein Mitleid mit dem Tabellenletzten HSV und sagt vor dem 102. Duell der beiden Erzrivalen am Sonntag (15.30 Uhr) im Weserstadion: „Wenn sie absteigen, ist es nicht unsere Sache. Das sportliche Prinzip ist wichtig, der Schwächste muss runter!“ Es gebe ja auch noch andere Nordderbys „gegen Hannover und Wolfsburg“. Außerdem interessiere der Gegner sowieso nicht, betonte Skripnik: „Wir kümmern uns um uns.“

Und damit hat der 45-Jährige genug zu tun. Skripnik ist schon ziemlich gespannt auf das Wochenende. Ob Werder nach vier Spielen ohne Sieg ausgerechnet gegen den HSV die Kurve kriegt? Ob seine Mannschaft die Lehren aus der bitteren Last-Minute-Pleite beim VfB Stuttgart (2:3) gezogen hat? Ob die vielen Einzelgespräche gefruchtet haben? Und ob das Medien-Redeverbot der Spieler dazu beitragen konnte, den Fokus voll auf den HSV zu richten? „Das“, sagt der Werder-Coach, „werden wir am Sonntag um halb sechs sehen. Auf jeden Fall war hier alles ganz ruhig.“

In den vergangenen Tagen hat Skripnik mit seinen Spielern nicht nur auf dem Platz gearbeitet, sondern auch viel auf mentaler Ebene. „Wir führen seit Tagen gute Gespräche“, erklärte er gestern. Das klare Ziel: Rechtzeitig zum Bundesliga-Endspurt und zum Nordderby sollen Form, Konzentration und Feuer bei den Werder-Profis zurückkehren. „Ich erwarte, dass wir gewinnen. Wir wollen unbedingt den 500. Heimsieg der Bundesliga-Geschichte – und dann noch gegen den HSV. In dieser Statistik steht man dann als Spieler immer drin. So etwas erlebt man wohl nur ein Mal“, betonte Skripnik und ergänzte: „Das ist Motivation. Vor so einem Spiel muss ich eigentlich nur die Aufstellung machen und sagen: Viel Glück.“

Nun, etwas mehr muss es offenbar schon sein – zumal sich bei Werder zuletzt eine gewisse Zufriedenheit breitgemacht hat. Der Klassenerhalt ist als Tabellen-Neunter mit 35 Punkten so gut wie gesichert, das primäre Saisonziel damit fast geschafft. Seither schwächelt Werder. Der – von einigen Bremern angekündigte – Angriff auf die internationalen Plätze verpuffte bisher völlig. „Solche Phasen gibt es. Man kann nicht konstant auf seinem besten Level durch die Saison marschieren. Das kann nicht mal Bayern München, die im Moment viele Verletzte haben“, meinte Skripnik.

Durch den Durchhänger ging auch die Riesen-Euphorie in Bremen immer mehr flöten. Auch bei den Fans. Gestern entrollten einige beim Nachmittagstraining ein Plakat mit der Aufschrift: „Wenn ihr schon keinen Bock auf Europa habt, dann schießt wenigstens den HSV in Liga 2“. Noch im Februar hatte das, auch bei den Profis, alles völlig anders ausgesehen. Skripnik erinnert sich: „Ich musste die Ersatzleute auch zwei Minuten nach einem Tor noch beruhigen, weil sie so begeistert waren.“ Von dieser Leidenschaft ist momentan nur noch wenig zu spüren. Die Körpersprache war „zuletzt anders“, gestand Skripnik, der nach dem Stuttgart-Spiel gar öffentlich die Reservisten gerüffelt hatte, dass diese beleidigt sind und sich nicht mehr über Treffer der Kollegen freuten. Offenbar musste der Coach in seinen „guten Gesprächen“ auch deutlich darauf hinweisen, dass die Spieler wieder enger zusammenrücken.

Und dass sie wieder mehr Gas geben. „In Stuttgart hatten wir erst zum zweiten Mal in dieser Saison mehr Ballbesitz. Und wir waren auch bei den Zweikämpfen besser. Aber wir hatten 80 Sprints weniger als der Gegner“, sagte Skripnik und rechnete vor: „Wenn man das durch zehn teilt, hat jeder seinen Gegenspieler acht Mal laufen lassen. Vielleicht liegt es daran, darauf müssen wir in Zukunft achten. Das Spiel gegen den HSV wird kein Selbstläufer – das muss jeder kapieren.“

mr

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