Keine Rücktrittsgedanken, kein Problem mit Kritik

Skripnik: „Es geht hier nicht um mich“

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Werder-Coach Viktor Skripnik steht vor einem für ihn möglicherweise entscheidenden Spiel. Doch von einer schicksalhaften Bedeutung der Darmstadt-Partie will er nichts hören.

Bremen - Von Carsten Sander. Aufrecht postiert sich Viktor Skripnik vor die Kameras. Der Mann, der drei Tage zuvor in Ingolstadt noch zusammengesunken auf der Trainerbank gehockt hatte, nimmt wieder Haltung an.

„Ich stelle mich“, sagt der Chefcoach des SV Werder Bremen in einem Mediengespräch und beantwortet Fragen, die ihm „unangenehm“ waren. Er wirkt ruhig, nicht etwa nervös oder flatterhaft. Aber er gibt auch zu, dass sein Job im Moment „nicht der coolste“ sei. Der 46-Jährige muss seit dem 0:2 beim FC Ingolstadt viel Kritik einstecken. Er sagt, er hält das aus. Skripnik und die Themen der Woche – das hat er zu sagen:

Wird die Heimpartie gegen Darmstadt 98 am Samstag zum Schicksalsspiel?
Nein, meint Skripnik, der die Frage allerdings absichtlich nicht auf sich bezieht. „Niemand muss sich Sorgen um mich machen. An erster Stelle steht Werder Bremen, Viktor Skripnik erst an letzter. Ich mache mir überhaupt keine Gedanken um meinen Job“, erklärt der Ukrainer und führt aus, warum Darmstadt aus seiner Sicht kein Schlüssel- oder Schicksalsspiel für den Tabellen-16. ist: „Wir haben noch zwölf Spiele, das ist Zeit ohne Ende. Es ist noch alles möglich, wir haben alle noch Hoffnung.“ Denn – Achtung, Phrase: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Sind Sie noch der Richtige für Werder, Herr Skripnik?
Ein Seufzer entfährt seinen Lippen, er ist leicht genervt. „Nochmal: Es geht hier nicht um mich“, sagt Viktor Skripnik. Und er könne ja auch schlecht über sich selbst urteilen, das müssten schon andere machen. Was er sagen kann: „Ich stehe für die Aufgabe zur Verfügung. Wir sind fleißig, akribisch und professionell wie immer. Ich mache meinen Job so gut wie möglich.“ Rücktrittsgedanken? Keine.

Ist die aktuelle Situation die schwierigste im Trainerleben von Viktor Skripnik?
Klare Antwort des Mannes, der erst seit 16 Monaten in der Bundesliga arbeitet? Nein. „Ohne Ende“ habe er schon schlechte Meinungen über sich gelesen, doch das wirft ihn nicht um, behauptet Skripnik: „Ich will aber nicht sagen, dass es hier rein und da wieder raus geht…“ Natürlich sei es „unangenehm. Aber so ist das Fußballerleben. Ich akzeptiere alles. Ich bin der Cheftrainer, ich muss liefern, ich muss Verantwortung tragen.“ Auch mal kritisch gesehen zu werden, sei „nicht das Schlimmste auf der Welt“.

Stichwort Heimkomplex – wie schwer wiegt dieses Problem im Abstiegskampf?
Im Laufe des Gesprächs stellt Skripnik viel in ein schönes Licht. Die Mannschaft arbeite gut, sie habe Qualität und Charakter, alle geben ihr Bestes, sind nicht umsonst Profis etc. – man kennt das ja. Doch beim Thema Heimspiele ist Schluss damit. „Dass wir zu Hause erst einmal gewonnen haben, ist das Einzige, was mich richtig stört“, meint der Ex-Profi und fordert für Samstag: „Wir müssen jetzt liefern. Wir müssen auf dem Platz sofort zeigen, dass wir noch leben und dass wir etwas gutmachen wollen.“ Und nach Darmstadt kommt auch der Tabellenletzte Hannover ins Weserstadion, dann gilt das Gleiche. „Ich habe die Hoffnung, dass wir die Spiele gewinnen, die wir gewinnen müssen. Dann sieht es für uns auch wieder besser aus“, so Skripnik.

Falsche Taktik in Ingolstadt – wie wird das 0:2 nun reflektiert?
Für die destruktive Taktik mit entsprechender Aufstellung hagelt es Kritik. Doch Viktor Skripnik wehrt sich. „Nach dem Spiel ist jeder schlau. Aber wir müssen vor dem Spiel die Lösung finden, die passt und funktioniert.“ Über die Variante mit zwei Zerstörern im zentralen Mittelfeld (Vestergaard, Fröde) statt mindestens einem Kreativen (Junuzovic) kann genau das aber nicht behauptet werden. Skripnik gibt zu: „Es hat nicht geklappt, das sehen wir auch.“ Aber die Taktik sei nicht schuld an der Niederlage gewesen: „Einstellung und Zweikämpfe – das war entscheidend.“

Wo wird jetzt der Hebel angesetzt, was muss/wird sich ändern?
Skripnik hat offenbar nicht vor, an den Abläufen oder seiner Trainingsmethodik zu schrauben. Mit Blick auf das Spiel gegen Darmstadt 98 ist es sein Ziel, die „richtige Mischung aus Kampf und Fußball“ zu finden. Wie immer eigentlich. Doch diesmal ist es dann doch wohl wichtiger als Skripnik zunächst zugeben wollte: „Es geht schon ums Leben.“

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