Skripnik fühlt sich falsch verstanden – und fordert kein neues Personal mehr

„Ich hasse die alten Spieler nicht“

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Viktor Skripnik kann die ganze Aufregung darüber, dass er einige erfahrene Profis auf die Tribüne gesetzt hat, nicht verstehen: „Wir haben überhaupt kein Problem mit unseren Spielern.“

Bremen - Er hat auf die Jugend gesetzt, dafür einige erfahrene Spieler rasiert und das anschließend noch mit deutlichen Worten garniert. Doch nun rudert Viktor Skripnik gewaltig zurück. Der neue Werder-Coach fühlt sich falsch verstanden, sieht keinen seiner älteren Spieler auf dem Abstellgleis und fordert plötzlich auch kein neues Personal mehr.

„Wenn Nils wieder so ein Topspieler wird wie früher, dann lässt ihn doch kein Trainer auf der Bank“, sagt Skripnik über Nils Petersen. Der 26-jährige Stürmer hatte es gegen Hannover überraschend nicht in den Kader geschafft. Skripniks Erklärung am Samstag nach dem 3:3 gegen die Niedersachsen: „Er hat seine Zeit gehabt. Man muss gut trainieren. Das ist seine Pflicht, dafür verdient er sein Geld.“ Deutliche Worte. Nicht nur für Petersen. Im Prinzip galten die auch für die anderen Aussortierten wie Eljero Elia (27), Ludovic Obraniak (30), aber auch für Bankdrücker wie Cedrick Makiadi (30) oder Assani Lukimya (28).

Doch gegen die Einschätzung, er würde seine ehemaligen U23-Spieler bevorteilen und dafür das alte Personal opfern, wehrt sich Skripnik energisch: „Ich hasse die alten, erfahrenen Spieler nicht. Wir haben überhaupt kein Problem mit unseren Spielern. Jeder trainiert vernünftig. Dann entscheiden wir, das tut manchmal weh.“ Vor allem den Betroffenen. Doch für die gibt es weitere Streicheleinheiten vom Chef. „Wir loben unsere Mannschaft, jeden Spieler – auch die, die nicht dabei waren. Denn sie sorgen im Training für Konkurrenzkampf, den brauchen wir“, erklärt Skripnik.

Es geht aber vor allem auch um eines: den Teamgeist. Ein hohes Gut im Mannschaftssport – und das ist durchaus in Gefahr. Zlatko Junuzovic, ein erfahrener Spieler, hat die Ausbootung seiner Altersgenossen als „harten Brocken“ bezeichnet und dazu festgestellt: „Das ist ein Zeichen, dass es in eine andere Richtung geht. Hier wird auf die Jugend gesetzt.“ So etwas wirbelt die Hierarchie in einer Mannschaft mitten in der Saison zwangsläufig durcheinander. Jung und Alt sind sich vielleicht nicht mehr so grün, wie es vorher war. Und natürlich wird von den Medien auch die Zukunft der nicht mehr berücksichtigten Spieler in Frage gestellt. Doch das mag Skripnik alles überhaupt nicht. „Wenn wir nur nach dem Blatt Papier dazwischen suchen, das bringt uns nicht weiter. Das ärgert mich“, echauffiert sich der Ex-Profi: „Wer nicht dabei ist, der ist nicht sofort schlecht, dessen Zeit ist auch nicht vorbei.“

So sieht es auch Thomas Eichin. „Der ältere, erfahrene Spieler muss nicht sofort verkauft werden, wenn er mal nicht dabei ist“, betont der Sportchef, bestätigt allerdings sogleich: Für einen Elia gilt das nicht, der soll im Winter weg, spätestens im Sommer. Über die anderen Wechselkandidaten will Eichin nicht sprechen.

Über Neuzugänge auch nicht. Denn in Zeiten, wo sich fast jeder über den Bremer Jugendstil freut, passt es eigentlich nicht, Erfahrung einzukaufen. Die könnte aber im Abstiegskampf durchaus hilfreich sein. Skripnik hatte bereits nach der Pleite in Frankfurt genau diese Erfahrung in Person von qualitativ hochwertigen Spielern eingefordert. Doch nun behauptet er: „Ich habe meine neuen Spieler schon gefunden: Melvyn Lorenzen, Levent Aycicek und Janek Sternberg.“ Seine U23-Jungs. Dazu zählt er dann noch die hoffentlich bald genesenen Franco Di Santo und Sebastian Prödl sowie den lange ausgefallenen Philipp Barg-frede. „Wir haben Luft nach oben, das beruhigt mich. Ich sehe das positiv.“

Ein Sinneswandel? Eher ein anderer Umgang mit der Öffentlichkeit. Skripniks Art, die Probleme beim Namen zu nennen, ist intern nicht überall so gut angekommen wie außerhalb des Weserstadions. Dort wird der neue Coach für seine klaren Worte und die Kritik an seinen Spielern geschätzt. Nun sucht Skripnik einen neuen Weg, einen mit mehr Diplomatie.

kni

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