Hunt reif für den Fair-Play-Preis

Ein Riesenschritt zur Rettung

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Über den Kampf zum Erfolg – und wieder hat es funktioniert. 

Aus Nürnberg berichtet Malte Rehnert. War das wichtig! Werder Bremen feierte gestern Abend einen 2:0 (1:0)-Sieg beim direkten Konkurrenten 1. FC Nürnberg und verschaffte sich gehörig Luft im Abstiegskampf. Die Konkurrenz hatte am Nachmittag perfekt vorgelegt, sich gegenseitig die Punkte abgenommen.

Der Hamburger SV spielte gegen Frankfurt (1:1) ebenso unentschieden wie Stuttgart gegen Braunschweig. Und auch Hannover holte gegen Leverkusen „nur“ einen Zähler (1:1). Werder hatte also die Riesenchance, einen Riesenschritt in Richtung Rettung zu machen – und nutzte sie mit dem nächsten Zu-Null-Erfolg. Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt nun als Tabellenelfter satte acht Punkte, auf einen Abstiegsrang sogar neun. Und: Werder schaffte es zum ersten Mal seit Saisonbeginn, zwei Siege in Folge einzufahren.

Der Bremer Coach Robin Dutt hatte seine Erfolgself aus dem Nordderby gegen den HSV (1:0) nur auf einer Position verändert. Für den verletzten Santiago Garcia (Innenbandteilriss im Knie) übernahm Luca Caldirola (zurück nach Gelbsperre) den Posten als Linksverteidiger. Sonst blieb alles beim Alten – auch die Doppelspitze mit Nils Petersen und Franco Di Santo. Auswärts eine durchaus offensive Ausrichtung. Bei Nürnberg kam Top-Torjäger Josip Drmic diesmal nicht über rechts, sondern durch die Mitte. Offenbar hatte „Club“-Coach Gertjan Verbeek der Auftritt des Schweizer Nationalspielers am Mittwoch ziemlich gut gefallen, als Drmic gegen Kroatien als Mittelstürmer doppelt traf.

Die erste dicke Chance der Partie hatte vor 40 608 Zuschauern im Grundig-Stadion aber ein anderer. Der Japaner Hiroshi Kiyotake zog aus zentraler Position ab, doch Werder-Keeper Raphael Wolf war zur Stelle und parierte stark (12.). Wie die Gäste zum Erfolg kommen wollten, war schnell zu erkennen. Bei Nürnberger Ballbesitz zog sich Werder weit zurück, um dann nach Eroberungen zu kontern. Das gelang anfangs jedoch überhaupt nicht. Trotz der zwei Stürmer strahlten die Bremer keinerlei Torgefahr aus. Stattdessen sahen sie sich mehrfach in die Defensive gedrängt. Aber dann: Di Santo fasste sich aus 22 Metern einfach mal ein Herz, sein Geschoss krachte jedoch an die Latte (22.). Pech für den Argentinier, der gestern deutlich einsatzfreudiger, dynamischer und gefährlicher war als in den Vorwochen.

Der Lattenschuss war aber erst mal der einzige Hochkaräter, danach übernahmen die Hausherren wieder das Kommando – und Werder verteidigte. Das allerdings erneut leidenschaftlich und gut, so dass die Nürnberger nicht entscheidend durchkamen. Kurz vor der Pause starteten die Bremer mal wieder einen Konter, der überraschende Führung brachte Aaron Hunt marschierte ungestört durchs Mittelfeld, schoss aus rund 20 Metern und traf den Innenpfosten. Di Santo schaltete schnell und versenkte den – nicht einfach zu nehmenden – Abpraller (40.). Es war Werders erstes Stürmertor im Jahr 2014! Und so gingen die Bremer, obwohl sie in der ersten Halbzeit nur magere 31 Prozent Ballbesitz und eine schwache Passquote von 56 Prozent hatten, mit einem 1:0 in die Pause.

Zur zweiten Hälfte musste Verbeek den Torwart wechseln, brachte Patrick Rakovsky für den angeschlagenen Kapitän Raphael Schäfer. Mächtig schuften musste aber der Keeper auf der Gegenseite: Erst hielt Wolf gegen Jose Campana (58.), eine Minute später fälschte Drmic einen Schuss des Spaniers gefährlich ab – doch mit Glück und Geschick vereitelte Wolf den Ausgleich. Dutt reagierte auf den steigenden Druck der Gastgeber, wechselte Mittelfeldmann Cedric Makiadi für Stürmer Petersen ein. Das klare Signal: Dichtmachen! Keine einfache Aufgabe, zumal Verbeek in Tomas Pekhart einen weiteren Angreifer ins Rennen schickte.

Das Tor machte aber nicht Nürnberg, sondern wieder Werder. Philipp Bargfrede durfte (wie schon Hunt vor der Pause) seelenruhig aufziehen, Javier Pinola fälschte seinen Schuss noch entscheidend ab – 0:2, Bargfredes zweites Saison- und Bundesliga-Tor. Nürnberg war geschockt und brachte bis auf einen Drmic-Kopfball, der auf die Latte tropfte (86.), nichts mehr zustande.

Bilder vom Spiel

Bremen gewinnt in Nürnberg mit 2:0 (1:0)

Die letzte bemerkenswerte Szene der Partie gehörte Hunt. Er kam nach einem Laufduell im gegnerischen Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) entschied ohne zu zögern auf Elfmeter für Werder (75.). Doch Hunt schüttelte den Kopf, signalisierte Gräfe: kein Elfmeter. „Ich habe ihm gesagt, dass es eher eingefädelt war von mir“, erklärte Hunt und gab zu: „Ich hatte ein bisschen mit mir zu kämpfen. Aber für mich war es in dem Moment die richtige Entscheidung.“ Den Fair-Play-Preis hat er damit wohl sich. Das Lob der Vorgesetzten sowieso. Denn Coach Robin Dutt und Sportchef Thomas Eichin hatten zuletzt mehrfach Schauspielerei und Theatralik bei den Gegner moniert, zudem behauptet: Wir machen das nicht. Hunt lieferte den Beweis.

Gertjan Verbeek (1. FC Nürnberg): „Wir haben heute gut gespielt, aber verloren. Wir waren vor dem Tor nicht gefährlich genug. Bis zum Sechzehner haben wir alles richtig gemacht. Es macht mir Spaß, die Mannschaft so Fußball spielen zu sehen, aber es macht mir keinen Spaß zu verlieren. Aber man kann nicht alles haben.“

Robin Dutt (Werder Bremen): „Es war wichtig, dass wir nachgelegt haben nach dem Hamburg-Spiel. Es war heute ein ganz wichtiger Sieg. Es läuft einer für den anderen. In so einem Spiel hat man dann auch mal das Glück. Ich muss den Hut ziehen vor Aaron Hunt, dass er dem Schiedsrichter gesagt hat, dass es kein Elfmeter war.“

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