Pizarro macht die „100“ voll

4:1 über Schaaf, aber Gelb-Ärger

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Werder Bremens Torschützen Zlatko Junucovic und Theodor Gebre Selassie jubeln über das 4:1 gegen Hannover.

Bremen - Von Carsten Sander. Aus den Lautsprechern dröhnten noch die letzten Klänge des AC/DC-Klassikers „Highway to hell“, als Viktor Skripnik und Thomas Schaaf Seite an Seite das Weserstadion betraten. Etwas mehr als eineinhalb Stunden später war klar, welcher der beiden Fußball-Trainer sich tatsächlich auf der Autobahn zur Hölle – in diesem Fall die Zweite Liga – befindet.

Es ist ganz eindeutig Thomas Schaaf mit dem Bundesliga-Letzten Hannover 96. Skripnik setzte indes mit Werder Bremen den Weg in die Gegenrichtung fort. 4:1 (2:1) gewannen die Bremer gestern, feierten damit endlich den zweiten Heimsieg der Saison und bejubelten zudem das 100. Werder-Tor von Claudio Pizarro in der Bundesliga. Mit dem Sprung auf Rang 13 scheint zudem die größte Abstiegsgefahr vorerst gebannt. Doch schon am kommenden Wochenende könnte die Situation nach dem Gastspiel bei Spitzenreiter FC Bayern wieder eine andere sein.

Die Partie in München müssen die Bremer ohne ihre Mittelfeldstützen Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic bestreiten. Kapitän Fritz holte sich per Trikotzupfer die zehnte Gelbe Karte ab, Vize-Kapitän Junuzovic verzögerte wenig später einen Freistoß so lange, bis auch er verwarnt wurde. Es war seine fünfte Gelbe Karte, beide sind folglich gesperrt. Dass wie im Fall Darmstadt 98 (fünf Akteure saßen gegen die Bayern eine Gelbsperre ab) Absicht dahinter steckte, liegt auf der Hand. Und Junuzovic legte sogar ein umfassendes Geständnis ab. „Wir haben im Vorfeld besprochen, dass ich das eventuell machen soll“, sagte der Österreicher. Und wenn, dann lieber per Spielverzögerung, statt per Foul. Junuzovic: „Das habe ich dem Schiedsrichter auch so gesagt. Ich muss doch niemanden absichtlich weh tun.“

Werder-Noten zum Hannover-Spiel

Schön gedacht. Blöd nur, dass der DFB solche absichtlich eingehandelten Gelben Karten gar nicht gerne sieht und als Sanktionen eine Geldstrafe und eine zusätzliche Sperre im Strafenkatalog verankert hat. Man darf gespannt sein, wie sich die Geschichte entwickelt. Viktor Skripnik war gestern schon fleißig dabei, über Junuzovic zu richten. Denn mit ihm war offenbar nichts abgesprochen gewesen. „Seine Gelbe Karte war eine Dummheit. Ich bin enttäuscht, dass zwei Leistungsträger in München fehlen“, erklärte der 46-Jährige.

Ansonsten hatte der Ukrainer gestern aber nichts zu meckern. Dem 4:1 in Leverkusen ließ Werder das gleiche Ergebnis folgen und zeigte dabei eine Art von Fußball, wie sie Skripnik gefiel. Frühes Attackieren, flüssige Kombinationen, konsequente Chancenverwertung – die Bremer hatten die enorm schwache Schaaf-Truppe voll im Griff. Fritz zur Bremer Vorgehensweise: „Wir wollten den Gegner jagen, um die Zuschauer auf unsere Seite zu ziehen.“

Werder gewinnt gegen Hannover 4:1

Das gelang. Einen Klasse-Spielzug über Santiago Garcia, Junuzovic und Pizarro vollendete Fin Bartels zur verdienten Führung (17.). Nur acht Minuten setzte Claudio Pizarro seinen Höhenflug fort und traf zum 2:0. Nun ist er nur noch einen Treffer von Werder-Rekordhalter Marco Bode (101 Bundesliga-Tor für die Bremer) entfernt. Über das Tor schwärmten die einen („Extrasuper“, meinte Verteidiger Jannik Vestergaard) und jammerten die anderen – speziell Thomas Schaaf. Denn seine Verteidiger Hiroki Sakai und Alexander Milosevic hatten sich wie Kreisklassen-Kicker düpieren lassen. „Das war fahrlässig. Einer lupft das Ding drüber, und sieben Mann gucken zu. Es hätte nur noch gefehlt, dass wir Beifall klatschen“, sagte der ehemalige Werder-Coach, unter dem Pizarro einst seine Europa-Karriere gestartet hatte. Nun schickte der 37-Jährige seinen Mentor wohl schon in Liga zwei.

Zwar kam Werder auch diesmal nicht ohne Gegentor aus („Unsere Krankheit“, so Skripnik), doch Kenan Karamans Treffer (45.) sorgte für keine nachhaltigen Irritationen. Theodor Gebre Selassie (56.) und Zlatko Junuzovic (67.) machten nach der Pause alles klar. Junuzovic bejubelte seinen Treffer übrigens mit Babybauch und Nuckeldaumen. Im August, verriet er, wird er zum ersten Mal Vater.

Ab dann warten schlaflose Nächte auf ihn. Thomas Schaaf hat sie jetzt schon – ganz ohne Babygeschrei. „Ich weiß gar nicht, ob ich die Nacht heute überlebe, so enttäuscht bin ich“, sagte er. Wer in dieser Aussage eine Rücktrittsabsicht versteckt sehen will, irrt allerdings. Schaaf sieht noch eine Chance auf den Klassenerhalt, macht weiter bei 96. Und Skripnik bei Werder. Die Fans in der Ostkurve feierten ihn gestern sogar mit Sprechchören. „Du bist der beste Mann“, sangen sie. Und Skripnik lachte geschmeichelt, aber auch mit einem Hauch Bitterkeit: „Das habe ich in den Zeitungen zuletzt ganz anders gelesen…“

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