Werders Offensiv-Hoffnung gibt sich bescheiden

Gnabry – bloß keinen Hype

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Werder-Profi Serge Gnabry

Bremen - Von Malte Rehnert und Björn Knips. Wenn bei Werder mal jemand mit dem Fahrrad zum Weserstadion kommt, ist in der Regel entweder das Wetter gut oder der Führerschein weg (wie im Frühjahr bei Ex-Sportchef Thomas Eichin). Bei Serge Gnabry traf am Donnerstag beides nicht zu – und dennoch kam der 21-Jährige bei ungemütlichen neun Grad mit einem weißen Damenrad vorgefahren.

Mit schwarzer Lederjacke, schwarzer Mütze über der Lockenpracht und grünem Rucksack hinten im Korb. „Mein Dienstwagen ist noch nicht da, er soll heute oder morgen geliefert werden“, klärte Gnabry wenig später auf: „Da habe ich mir das Rad vom Hotel geliehen.“

Gnabry auf zwei statt auf vier Rädern.

Demnächst fährt er also wieder mit mehr PS – und auch zu einer anderen Unterkunft. Er hat inzwischen eine Wohnung gefunden und zieht bald um. Der nächste Schritt auf dem Weg zum echten Bremer. Anderthalb Monate ist der Neuzugang vom FC Arsenal nun da – unterbrochen von zwei längeren Länderspielpausen, in denen er zur deutschen U 21 reiste. „Ich habe mich gut eingefunden, fühle mich sehr wohl im Verein und in der Mannschaft“, sagte Gnabry: „Und ich identifiziere mich sehr mit dem Ganzen. Das hat man auch auf dem Feld gesehen.“

Kann man so sagen. In fünf Bundesligaspielen für Werder (alle über 90 Minuten) war der Offensivmann an drei Toren beteiligt. Zwei schoss er selbst (vor allem das erste beim 1:4 in Gladbach war herrlich), eines bereitete er vor. Und er war mit seiner Schnelligkeit und seinen Dribblings stets der auffälligste Bremer Offensivmann. Entsprechend angetan ist Trainer Alexander Nouri, der urteilt: „Serge hat ein großes Repertoire, er ist nicht ausrechenbar und tut unserem Spiel gut.“ Neben der individuellen Klasse, die Werder in Abwesenheit der verletzten Stars Claudio Pizarro und Max Kruse gerade besonders dringend braucht, sei Gnabry „ein Teamplayer“, lobt Nouri: „Er arbeitet viel für die Mannschaft, läuft 30, 40 Meter zurück und holt den Ball. Das ist die Performance, die ihn auf ein hohes Level setzt. Ein toller Spieler.“

Gnabry hofft auf Nationalmannschaft

Das findet auch Horst Hrubesch, der Gnabry bei Olympia in Rio als Coach betreute – und ihm eine ähnliche Entwicklung wie Weltmeister Mesut Özil prophezeit. Gnabry fände es super: „Mesut ist ein Vorbild für mich. Ich habe es genossen, mit ihm bei Arsenal zu spielen und mir viel von ihm abgeguckt. Ein überragender Kicker.“ Ähnlich wie Özil mag es Gnabry aber nicht so sehr, im Rampenlicht zu stehen. Von einer Euphorie im Werder-Umfeld habe er „nichts mitbekommen“. Und einen Hype um ihn braucht es seiner Meinung nach auch gar nicht erst zu geben. „Ich bin doch nicht der einzige auf dem Platz und auch nicht der einzige, der Leistung bringt. Ohne die Mitspieler geht nichts.“ Und, das betonte er gleich mehrfach: „Der Verein steht über allem.“

Die Gefahr, bei konstanten Darbietungen auf diesem hohen Niveau mal ein bisschen die Bodenhaftung zu verlieren, sieht Gnabry bei sich nicht. „Ich achte selbst darauf, dass ich nicht abhebe. Und sollte es doch mal so sein, habe ich genug Leute, die mir das sagen.“ Gnabry wirkt insgesamt sehr fokussiert darauf, seine Ziele zu erreichen. Und die sind durchaus ehrgeizig.

Zum einen ist es guter und erfolgreicher Fußball mit Werder. Der wird auch bald zu sehen sein, glaubt er: „Mit jeder Erfahrung entwickelt sich das Team weiter. Eine Saison verbindet – und dann gibt es auch bessere Leistungen.“ Zum anderen hofft er auf eine Einladung zur A-Nationalmannschaft: „Das ist natürlich der Wunsch aller Fußballer, die in Deutschland aufwachsen.“ Kontakt zu Bundestrainer Joachim Löw gab es bisher zwar nicht – doch das kann sich ganz schnell ändern, wenn der 21-Jährige bei Werder so weitermacht.

Werder-Training am Donnerstag

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