Vor dem Bayern-Spiel

„Serge bleibt“ – Papa Gnabry und die positive Tendenz

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Wie der Vater, so der Sohn - zumindest dem Look nach zu urteilen.

Bremen - Von Björn Knips und Daniel Cottäus. "Serge bleibt", sagt Jean-Hermann Gnabry und macht Werder damit Hoffnung auf den Verbleib seines Sohnes. Aber was ist Papa Gnabrys Aussage wert?

Ein bisschen verrückt ist die Geschichte ja schon. Seitdem Serge Gnabry bei Werder ist, geht es ständig darum, wie lange der 21-Jährige überhaupt das grün-weiße Trikot trägt. Nur bis zum Sommer? Für Jean-Hermann Gnabry stellt sich die Frage gar nicht. „Serge bleibt“, legt sich der Vater des Werder-Profis nun gegenüber dieser Zeitung unmissverständlich fest. Eine gute Aussage für Werder am Rande des Trainings am Donnerstag – und das ganz passend auch noch vor dem Spiel gegen den FC Bayern. Doch zu sicher sollten sich die Bremer nicht fühlen, es gibt da eben auch noch ein paar Unwägbarkeiten.

Wie sicher ist zum Beispiel Papa Gnabry als Quelle? Er ist nicht der Berater, das Mandat hat die Spielerrat GmbH, die sich sehr im Hintergrund hält. Und vor dem Wechsel seines Sohnes im Sommer vom FC Arsenal zum SV Werder hatte er gegenüber Stuttgarter Medien von einem Transfer zu den Bayern gesprochen. Es kam anders – und seitdem gibt es die Gerüchte, die Bayern seien irgendwie an der Geschichte beteiligt. Werder-Sportchef Frank Baumann dementiert das und betont, den Spieler alleine verpflichtet zu haben. Für eine Ablöse von geschätzten fünf Millionen Euro.

Das ist viel Geld, aber gar nicht so viel für einen 21-Jährigen, der nur wenige Monate nach seiner Verpflichtung zum deutschen Nationalspieler wird. Seine drei Tore beim Länderspiel-Debüt gegen San Marino sorgen allerdings auch dafür, dass wieder viel über mögliche Wechsel berichtet wird. Zumal es in dem bis 2020 datierten Vertrag angeblich eine Ausstiegsklausel gibt, die gar nicht so viel höher liegen soll als die letzte Ablösesumme. Ungewöhnlich wäre das nicht. Es könnte die Kröte sein, die Werder schlucken musste, um einen Spieler von Gnabrys Kaliber zu bekommen.

Für die Topclubs wäre es aus finanzieller Sicht also im Sommer ein Leichtes, den schnellen Offensivspieler aus Bremen loszueisen. Aber wollen sie das überhaupt? Ist Gnabry dafür gut genug? Sieben Tore in der Hinrunde sind eine echte Hausmarke. Eine Vorlage klingt dagegen nicht so vielversprechend. Gnabry hatte bemerkenswerte Momente, wie seinen Treffer in Mönchengladbach, der gerade zum Tor des Jahres gewählt werden kann. Aber der Deutsch-Ivorer ging auch oft mit unter – und leitete zuletzt gegen Dortmund sogar die 1:2-Pleite mit seiner unfreiwilligen Vorarbeit des ersten Gegentores ein.

Okay, er war krank ins Spiel gegangen. Magenprobleme. Der Arzt hatte ihm vor der Partie noch eine Tablette gegeben. Trainer Alexander Nouri wusste angeblich von nichts, ließ Gnabry in der Startelf und wunderte sich, dass er den vermeintlichen Leistungsträger nach nicht einmal einer halben Stunde völlig entkräftet vom Platz holen musste. Immerhin verzieh er Gnabry, dass er ihn nicht über das Unwohlsein informiert hatte. Eine seltsame Geschichte. Ein Trainer muss eigentlich von solchen Vorgängen im Vorfeld eines Spiels Bescheid wissen.

Das Vater-Sohn-Verhältnis gilt als sehr gut

Das könnte noch mal interessant werden. Denn wie sehr glaubt Gnabry, dass er unter dem Bundesliga-Newcomer Nouri weiterkommt? Es geht nämlich extrem um die Entwicklung. In Bremen soll Gnabry für höhere Aufgaben reifen. „Er ist noch nicht so weit, er muss hier erstmal Fuß fassen und ein, zwei, drei Jahre hier spielen“, sagte Papa Gnabry: „Die anderen haben es doch vorgemacht. Diego war hier drei Jahre, Mesut Özil auch. Warum sollte Serge nicht auch drei Jahre hier bleiben?“

Die Antwort muss letztlich Serge Gnabry selbst geben. Gegenüber der „Bild“ behauptete Papa Gnabry: „Mein Sohn sieht das ganz genauso. Das weiß ich ganz sicher.“ Das Vater-Sohn-Verhältnis gilt als sehr gut. In London haben sie sogar zusammen gewohnt. Jean-Hermann Gnabry zählt offenbar auch nicht zur Sorte Väter, die mehr das finanzielle als das sportliche im Blick haben. Sonst hätte er seinem Sohn lieber alle Türen offen gehalten.

Jean-Hermann Gnabry war am Donnerstag beim Werder-Training.

Geschlossen und vor allem beschlossen ist aber noch nichts. Das liegt vor allem an der sportlichen Situation. Steigt Werder ab, ist Gnabry weg. Und wenn nicht, geht es um die Perspektive. Bleibt Werder ein Abstiegskandidat, oder wird der Club wieder ein Anwärter aufs internationale Geschäft? Im Sommer dürfte es so oder so den nächsten großen Umbruch geben. Viele Verträge laufen aus – nicht nur der von Kapitän Clemens Fritz, der wahrscheinlich nicht weitermacht.

Welche Spieler bilden dann das Gerüst? Und will Gnabry dann wirklich dabei sein? Viele Fragen. Papa Gnabry hat zwar am Donnerstag eine Antwort gegeben, aber die zeigt nur eine Tendenz auf – immerhin eine positive für Werder. Und die Tatsache, dass er einen Wechsel zu den Bayern mit einem doppelten „Nein“ für die kommende Saison ausschloss, dürfte den Werder-Fans so kurz vor dem Duell mit dem Rekordmeister durchaus gut tun.

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