Vertrag bis 2018 bei Werder / „Das ist eine Herzensangelegenheit“

Selke widersteht „utopischen Summen“ aus dem Ausland

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Die Zukunft heißt Werder: Davie Selke vor der Geschäftsstelle, in der er gestern Mittag seinen neuen Vertrag unterschrieb.

Bremen - Der Welpenschutz endete mit der Unterschrift. Bisher hatte Werder-Trainer Robin Dutt sein Sturmtalent Davie Selke von der Presse ferngehalten. Der 19-Jährige sollte offenbar nicht über den Stand der Verhandlungen sprechen. Gestern Nachmittag aber, nachdem er seinen 2015 auslaufenden Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert hatte, durfte Selke vor die Kameras, Mikrofone und Schreibblöcke – und was er sagte, wird den Bremer Verantwortlichen und den Fans runtergehen wie Öl. Für Werder hat er deutlich besser dotierte Angebote aus dem Ausland ausgeschlagen.

„Andere Vereine haben mit utopischen Summen umhergeworfen. Aber für mich war es nie ein Thema, Werder zu verlassen. Ich weiß, was ich hier habe. Die Leute, auch die Fans, haben es in kurzer Zeit hinbekommen, dass ich mich sehr heimisch fühle“, erklärte der im Januar 2013 aus der Hoffenheimer Jugend nach Bremen gekommene Selke. Vor allem Benfica Lissabon und der englische Premier-League-Club FC Southampton sollen heiß auf den 1,92-Meter langen Stürmer mit äthiopischen (Vater) und tschechischen (Mutter) Wurzeln gewesen sein. „Es sind konkrete Angebote eingegangen“, sagte Selke. Er habe aber „von Anfang an alles abgeblockt. Weil ich wusste, dass ich unbedingt bleiben will. Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Werder ist noch immer eine Top-Adresse in Deutschland. Und hier habe ich die Möglichkeit, mich bestmöglich zu entwickeln.“

In dieser Saison hat Dutt den U19-Europameister und EM-Torschützenkönig (sechs Treffer) in allen vier Pflichtspielen eingesetzt, zuletzt gegen dessen Ex-Club Hoffenheim und in Leverkusen sogar von Anfang an. Sein Bundesliga-Debüt hatte Selke schon in der vergangenen Saison gegeben, ehe er wieder in der U23 verschwand und nach der grandiosen EM nun auch bei den Profis durchstartet. Dutt vertraut Selke inzwischen – und der dankt es seinem Coach: „Ich habe noch viel zurückzugeben.“

Deshalb war es für ihn „nicht die Frage, wann ich gehe – sondern, wann ich verlängere“. Und da musste er sich eine gewisse Zeit gedulden. Sein Berater-Duo, bestehend aus Vater Teddy Rupp und Akeem Adewunmi, saß einige Male mit Werder-Sportchef Thomas Eichin am Verhandlungstisch, ehe es eine Einigung gab. Das Ergebnis: Selke verdient fortan deutlich mehr, im Optimalfall kann er im Verlauf seines Vierjahresvertrags zum Gehaltsmillionär aufsteigen.

Selke vermittelte gestern jedoch nicht den Eindruck, als ob er schon jetzt an das ganz große Geld denkt. Er wirkte keinesfalls überheblich und betonte stattdessen mehrfach, dass er noch ganz viel lernen muss und will: „Mit den ersten Minuten bei den Profis bin ich relativ zufrieden, aber nicht komplett. Ich kann noch mehr, muss noch gefährlicher werden und mir mehr Chancen erarbeiten. Da ist noch einiges zu tun.“

Trainer Dutt sieht es genauso. Er schätzt Selkes körperbetonte, dynamische Spielweise („Nicht schlecht, so einen zu haben“) und wähnt ihn „auf einem sehr guten Weg“ – doch es gibt eben auch noch „viel Luft nach oben. Davie hat ein gutes Näschen, muss sich aber an die Bundesliga-Luft gewöhnen. Da hat man als Stürmer eine Sekunde weniger Zeit als in der U19.“

Vielleicht hat es deshalb bisher nicht geklappt mit einem Tor in der deutschen Eliteklasse. Im Pokal gegen Illertissen hatte Selke getroffen – aber das war nur ein Viertligist. Vergangene Woche in Leverkusen vergab er eine Riesenchance. Abgehakt. „Ich kann’s nicht mehr ändern und verlasse mich weiter auf meinen Instinkt“, sagte er. Und dann, hofft Selke, rappelt es bald auch in der Liga: „Das erste Bundesliga-Tor ist mir sehr wichtig und wäre einer der größten Momente meines Lebens.“

mr

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