Nur im Internet wird der Werder-Profi angefeindet / Eichin bereitet ihn trotzdem speziell aufs Spiel vor

Selke und die besonderen Fans

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Der Trainer spricht, der Spieler hört zu: Viktor Skripnik hatte Davie Selke gestern Nachmittag beim Abschlusstraining einiges zu sagen.

Bremen - Davie Selke kam gestern als einer der ersten Werder-Profis aus der Kabine, aber erst als letzter auf dem Trainingsplatz an. Dazwischen lagen jede Menge Zwischenstopps – hier ein Autogramm, da ein Foto. Der 20-Jährige erfüllte jeden Wunsch. Zwei Tage nach Bekanntwerden seines Wechsels im Sommer zu RB Leipzig war von einem gestörten Verhältnis zu den Werder-Fans nichts zu sehen. Und auch nichts mehr vom Bodyguard, der Selke am Mittwoch noch zum Training begleitet hatte.

Für Marco Bode ist das keine wirkliche Überraschung, der Aufsichtsratschef sorgt sich auch nicht um die Stimmung heute beim Heimspiel gegen Mainz (15.30 Uhr): „Wir haben besondere Fans, und ich bin mir sicher, dass sie Davie und die Mannschaft wie immer unterstützen werden.“

Zlatko Junuzovic ist da etwas skeptischer, denn der Österreicher hat sich durchs Internet geklickt und so manchen bösen Kommentar in Fan-Foren gelesen. „Es geht gar nicht, dass Davie beleidigt wird“, schimpft der Mittelfeldspieler: „Davie hat sich alles selbst erarbeitet, keiner hat ihm etwas geschenkt. Im Fußball ist es nun einmal ein Kommen und Gehen.“

Manchmal auch ein Bleiben – so wie bei Junuzovic, der seinen Vertrag kürzlich verlängert hat. Übrigens auch dank Selke, wie Sportchef Thomas Eichin nun verriet: Erst durch das Wissen, im Sommer die Selke- Millionen zu bekommen, sei es möglich gewesen, Spieler wie Junuzovic, aber auch Theodor Gebre Selassie zu halten. Werder brauche einfach diese Transfererlöse, um in der Bundesliga überleben zu können – und deshalb müssen eben auch mal Hoffnungsträger verkauft werden.

Vom Talent zum Millionen-Mann

Bode sieht es genauso: „Wir sind alle traurig, dass wir Davie verlieren werden. Auf der anderen Seite haben wir Verständnis für seine Entscheidung und profitieren wirtschaftlich. Unseren Weg gehen wir aber trotzdem weiter.“ Ähnlich kämpferisch gibt sich Viktor Skripnik. „Das gehört zu unserer Philosophie. Wenn wir mit dem Geld vernünftig umgehen, werden wir vielleicht noch stärker“, glaubt der Coach. Und Auswirkungen auf die aktuelle Spielzeit befürchtet Skripnik schon gar nicht: „Davie wird die letzten acht Spieltage mit vollem Herzen dabei sein.“

Aber einfach wird es möglicherweise nicht. Was ist, wenn es heute doch Pfiffe gibt? Vorsorglich hat Eichin noch mal mit Selke gesprochen: „Davie weiß, was zu tun ist. Er darf sich durch nichts beeindrucken lassen, sondern soll sich auf sein Spiel und die Anweisungen der Trainer fokussieren.“ Davon gab es gestern genug. Skripnik sprach zu Beginn des Trainings lange mit seinem Stürmer und gab ihm am Ende einen Schubs Richtung Teamkollegen, als wolle er sagen: Jetzt geht’s wieder um Fußball.

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