Sechskampf um die Europa League und Werder Bremen mischt mit – allerdings wider Willen

Die Chance ist da

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Gute Laune bei Philipp Bargfrede (li.) und Davie Selke. Obwohl der Klassenerhalt für die Werder-Profis so gut wie sicher ist, traut sich noch niemand, ein neues Ziel zu definieren.

Bremen - Ausgeschieden sind sie schon – dennoch bleibt der DFB-Pokal für Werder Bremen ein ganz interessanter Wettbewerb. Denn wenn am Ende ein Team, das bereits über die Liga für den europäischen Wettbewerb qualifiziert ist, den „Pott“ in Empfang nimmt, reicht bereits Platz sieben, um in die Europa League einzuziehen. Der unterlegene Pokalfinalist geht leer aus. Das besagt eine seit dieser Saison gültige Regeländerung. Und es gehört gar nicht mehr so viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass es für die Bremer genauso kommt. Denn zum einen gehören die Top 4 der Liga zu den acht Pokal-Viertelfinalisten, zum anderen ist Werder von Platz sieben nur noch acht Tore entfernt. Geht da was?

Es ist eine echte Chance – auch wenn die Verantwortlichen an der Weser davon noch nichts wissen wollen. Laut Tabelle stecken sie in einem Sechskampf um ein Plätzchen unter den ersten sieben Teams. Die Konkurrenten heißen Schalke 04, FC Augsburg, 1899 Hoffenheim, Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund. Aber nach Bremer Selbstverständnis geht es für Werder nur um den Klassenerhalt. Eine Haltung, die die Bremer mit Borussia Dortmund teilen. Der FC Augsburg ist dagegen aus dem Kreis der Tiefstapler ausgeschert. Ein Überblick zeigt, wie es zehn Spieltage vor Saisonende um die Ambitionen und die Form der sechs Kandidaten bestellt ist.

Schalke 04
Platz 5 - 38 Punkte - 35:28 Tore

Klar, die Knappen wollen wieder in die Königsklasse. „Manager, Trainer und ich – wir alle halten an diesem Saisonziel fest. Die Spieler, die im Sommer zu uns kommen sollen, wollen Champions League spielen“, erklärte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Auch wenn der Abstand auf Rang vier nur einen Punkt beträgt, riecht die Realität augenblicklich eher nach Europa League. Die Leistungsschwankungen der Mannschaft von Trainer Roberto Di Matteo sind einfach zu groß. Immerhin: Mit dem 3:1 gegen Hoffenheim haben sich die Königsblauen zuletzt wieder etwas Luft nach unten verschafft.

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FC Augsburg
Platz 6 - 38 Punkte - 33:30 Tore

Gestartet als Abstiegskandidat, gelandet als … Europa-League-Teilnehmer? Die bayerischen Schwaben erobern den Kontinent – das wäre ein Ding. Die Augsburger haben am vergangenen Wochenende mit dem 1:0 über den VfL Wolfsburg nicht nur eine kleine Durststrecke von vier Spielen ohne Sieg beendet, sondern auch ihre Zurückhaltung in Sachen internationales Geschäft abgelegt. „Die Jungs wollen nach Europa – und wir auch“, verkündete Trainer Markus Weinzierl im Namen der Mannschaft und der Entscheidungsträger. Der Klassenerhalt sei geschafft, „jetzt kommt die Kür“, sagte Weinzierl und machte klar: „Wer zwei Drittel der Saison da oben dabei ist, der will auch nach drei Dritteln ganz oben mit dabei sein.“

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1899 Hoffenheim
Platz 7 - 33 Punkte - 37:38 Tore

Ist der Dorfclub aus dem Kraichgau tatsächlich eine Insel der Glückseligkeit in der von Stress und Erfolgszwängen geprägten Liga? Mit dem Thema internationaler Wettbewerb geht der dank der Millionen von Clubchef Dietmar Hopp (übernimmt im Sommer 96 Prozent der Anteile) finanziell unabhängige Verein jedenfalls völlig entspannt um. „Die Tabelle interessiert uns nicht. Es geht darum, wie wir Fußball spielen“, behauptet Trainer Markus Gisdol. Und Hopp erklärt: „Wir haben nie ein Saisonziel definiert, das sich an einer Platzierung festmacht.“ Null Erfolgsdruck also für die Hoffenheimer, die sich auf Platz sieben eingenistet haben. Seit dem 15. Spieltag stehen sie dort.

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Werder Bremen
Platz 8 - 33 Punkte - 40:49 Tore

Wie lange sie in Bremen noch vom Klassenerhalt reden werden? „Bis auch rechnerisch alles klar ist“, sagt Kapitän Clemens Fritz ganz stur. „Mit 33 Punkten kannst du noch nicht locker sein“, meint auch Coach Viktor Skripnik. Dabei gehört Werder nach einer Ausbeute von 29 Punkten aus 15 Spielen unter ihm definitiv zu den Anwärtern für die Europa League. Es läuft einfach – und selbst Rückschläge wie das Pokal-Aus bei Drittligist Arminia Bielefeld werden verkraftet. Siehe das weichenstellende 1:0 in Freiburg. Skripnik weiß seither, dass er keine Mimosen-Truppe betreut. „Ich bin glücklich, dass meine Mannschaft aus Männern besteht“, sagte er. Doch die Männer von der Weser sind sich nicht schlüssig, ob der europäische Wettbewerb mehr Segen oder Fluch wäre. Im Zuge des Neuaufbaus, sagte Mittelfeld-Star Zlatko Junuzovic zuletzt, käme die Europa League „für uns zu früh“.

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Eintracht Frankfurt
Platz 9 - 31 Punkte - 44:49 Tore

Mal gut, mal schlecht – die Eintracht findet einfach nicht zur Konstanz und ist mittlerweile von sich selbst genervt. „Alle zwei Wochen stehen wir hier und erzählen denselben Scheiß. Das ist wie täglich grüßt das Murmeltier“, motzte Rechtsaußen Stefan Aigner nach der jüngsten 2:4-Pleite gegen den 1. FC Köln. Wieder war eine Chance vertan, in der Tabelle nach vorne zu rücken, vorbei an Werder und Hoffenheim. Längst sprechen die Medien in der Hessen-Metropole von einem „Mysterium“. „Immer wieder freuen wir uns über eine tolle Leistung, um in der nächsten Partie in eine Phase hineinzukommen, in der man nichts mehr auf die Reihe bekommt“, ärgert sich auch Coach Thomas Schaaf. Der 53-Jährige hat dabei ein Problem von Bremen mit nach Frankfurt genommen: die Gegentorflut. Sein ehemaliger und sein aktueller Club haben jeweils 49 Treffer – Liga-Minuswert.

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Borussia Dortmund
Platz 10 - 29 Punkte - 31:31 Tore

„Achtung, Hintermann“, möchte man den Jungs aus Frankfurt, Bremen, Hoffenheim und Augsburg zurufen. Denn die Borussia kommt in einem irren Tempo herangerauscht. Mit vier Siegen und einem Unentschieden hat sich der in der Hinrunde brutal abgestürzte BVB wieder ins Gespräch gebracht. Der Trend und die überragende Qualität im Kader sprechen klar für die Schwarz-Gelben. Aber nach der katastrophalen ersten Saisonhälfte – Dortmund ging als Vorletzter in die Winterpause – nimmt niemand den Mund zu voll. Im Gegenteil. „Wir müssen erst unseren Abstiegskampf erledigen. Wenn wir irgendwann mal 40 Punkte haben, können wir über andere Dinge reden. Wir dürfen jetzt nicht irgendwelchen Träumen nach oben nachhängen“, mahnt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Auch Coach Jürgen Klopp ist längst kleinlaut geworden, will nicht grotesk schielend durch die Liga laufen – ein Auge nach oben, das andere nach unten gerichtet. „Ich kann nicht ständig hin und her gerissen werden. Wir haben uns in eine schwierige Situation gebracht, die wir lösen müssen. Es ist kein Platz da für Dinge, die wir nicht sehen können“, sagt er. Die Europa League ist also bis auf weiteres kein Thema beim Champions-League-Achtelfinalisten.

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