Sebastian Prödl über den Junuzovic-Hype, seine Verletzung und die Zukunft

„Als Abwehrspieler musst du damit leben“

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Sebastian Prödl hat keine leichte Zeit hinter sich, denn die ersten Wochen einer Reha seien „ein Geduldsspiel – und Geduld ist nicht so meins.“

Herxheim/Bremen - Es ist sein üblicher Reflex: Wenn Sebastian Prödl verletzungsbedingt ausfällt, dann taucht er ab, spricht öffentlich nicht mehr. Wie in den vergangenen Wochen nach seinem Innenbandanriss im Knie – zugezogen am 7. Dezember in Frankfurt. „Keine einfache Zeit“ seien die ersten Wochen einer Reha: „Ein Geduldsspiel – und Geduld ist nicht so meins.“ Der Werder-Profi lacht. Es geht ihm gut. „Ich bin wieder optimistisch“, sagt der 27-jährige Österreicher und wagt ganz vorsichtig eine Prognose für sein Comeback: „Vielleicht haut es Anfang Februar wieder hin.“

Während sich die Werder-Kollegen in Belek auf die Rückrunde vorbereitet haben, hat Prödl in Herxheim geschuftet. Einem Örtchen in der Pfalz. Aber warum nicht in Bremen? Weil Werders medizinische Abteilung natürlich mit in Belek war. Und in Herxheim hat Mike Steverding seine Praxis – der Physiotherapeut der österreichischen Nationalmannschaft. „Wir kennen uns gut“, sagt Prödl: „Es ist super hier.“ Und in Absprache mit Werder wird er noch ein bisschen bleiben: „Bis ich wieder auf dem Platz trainieren kann. Ich denke, Mitte, Ende nächster Woche komme ich zurück.“

Einige Kollegen wird er dann nicht mehr sehen: Nils Petersen, Eljero Elia und Ludovic Obraniak wurden alle weggeschickt. „Das sind schon namhafte Spieler“, sagt Prödl. Es seien aber auch nicht die preisgünstigsten gewesen, deshalb hofft er: „Vielleicht gibt das den Spielraum, um nachzurüsten und neue Spieler zu holen.“

Auch Abwehrspieler? Das wird immer wieder gemutmaßt. Schließlich ist die Defensive Werders großes Problem. 39 Gegentore sind Ligarekord – ein ganz unangenehmer. Und alles andere als ein Ruhmesblatt für den Abwehrchef – also für Prödl. Doch nur auf den ersten Blick. Denn die Statistik ist verblüffend – wieder einmal. Mit Prödl liegt der Gegentorschnitt pro Spiel bei 1,9, ohne ihn bei 2,9. Ohne Prödl gewann Werder nur gegen Dortmund (2:1). Ähnlich unterschiedlich waren die Zahlen vor einem Jahr auch. „Natürlich weiß ich das“, gesteht Prödl, betont aber zugleich: „Ich habe das selbst nicht nachgerechnet. Aber ein Gefühl dafür hat man schon.“ Er ist bei dem Thema vorsichtig, will nicht arrogant rüberkommen. Aber sein Selbstbewusstsein kann er auch nicht verbergen: „Ich spiele seit sieben Jahren in der Bundesliga, ich weiß, was ich kann.“

Der Liebling der Fans ist aktuell trotzdem mal wieder ein anderer: Zlatko Junuzovic. Prödls Landsmann – „und Freund“, wie er betont: „Ich freue mich für Zladdy. Er hat es absolut verdient.“ Die Fans wollen ihn mit der Kampagne „JunoBleibtBremer“ zur Vertragsverlängerung bewegen, haben ihm einen einmaligen Trainingsauftakt beschert. Im Sommer läuft der Kontrakt des Mittelfeldspielers aus. Mit seinen Freistoßtoren hat er die Fans regelrecht in Ekstase versetzt.

„Offensive Spieler stehen immer mehr im Fokus als wir“, sagt Prödl, der in seinen zehn Hinrundenspielen immerhin zwei Tore erzielt hat: „Es gibt nur fünf, sechs Abwehrspieler in der Bundesliga, die gehypt werden, der Rest wird nur an seinen Fehlern gemessen. Damit musst du als Abwehrspieler leben.“ Er habe das längst geschafft, er sei den Werder-Fans nicht böse, dass es für ihn keine Sonderaktion gibt. Es sei ihm sogar ganz lieb, dass seine Zukunft in der Öffentlichkeit nicht so thematisiert wird, behauptet Prödl.

Dabei endet auch sein Kontrakt im Sommer. Werder hat ihm vor Monaten ein Angebot gemacht – er nahm es nicht an. „Es gibt noch keine Entscheidung und auch noch keine Tendenz“, sagt der 27-Jährige: „Ich weiß nicht, was im Sommer passiert.“ Dafür weiß er, was jetzt nicht passiert: „Ein Wechsel in dieser Transferperiode ist ausgeschlossen.“ Als verletzter Spieler keine wirklich große Überraschung. Doch davon solle sich niemand blenden lassen, meint Prödl: „Werder ist nicht der einzige Interessent – auch wenn man verletzt ist.“

Nach 138 Bundesliga-Spielen darf das ruhig mal gesagt werden – zumal Prödl das Thema auch umgehend beendet: „Das wichtigste ist jetzt, dass ich so schnell wie möglich fit werde. Wir müssen uns ganz flott da unten rausziehen, sonst wird es eine richtig nervenaufreibende Rückrunde.“

kni

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