DeichBlick-Kolumne: Sebastian Prödl schreibt für die DeichStube

„Werder fehlt gerade ein Leader“

Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl, Thomas Schaaf, Nils Petersen und Klaus Allofs schreiben für die DeichStube über Werder Bremen.

Von Sebastian Prödl. Zugegeben – elf Punkte aus elf Spielen sind zu wenig, und der Abstand zum Relegationsplatz ist denkbar knapp. Ich sehe Werder Bremen trotzdem nicht mitten im Abstiegskampf, aber sehr wohl in einer Ergebniskrise.

Der SV Werder Bremen ist ein Verein, der es immer wieder schafft, seine Lage mit kühlem Kopf zu bewerten und Schnellschüsse zu vermeiden. Mit dieser über lange Jahre gepflegten Philosophie ist man in Bremen immer gut gefahren, und man sollte davon auch nicht Abstand nehmen, wenn es einmal nicht so gut läuft. Also: Ruhe bewahren!

Werder Bremen hat mit Kuse einen wichtigen Spieler verloren

Was nicht vergessen werden sollte: Werder hat in Max Kruse einen wichtigen Spieler verloren, der gut führen konnte und immer torgefährlich war. Solch ein Leader fehlt gerade, und auch Claudio Pizarro, der dafür prädestiniert wäre, kommt nicht mehr so oft zum Einsatz. Aber es ist noch früh in der Saison und das bisherige Abschneiden macht mir keine Angst.

Ich bin davon überzeugt, die Länderspielpause wird den Spielern guttun. Trainer Florian Kohfeldt wird diese Zeit nutzen, um die Mannschaft mental durchpusten zu lassen, um die Kräfte zu bündeln. Das ist wichtig, damit in den letzten Spielen vor Weihnachten noch eine vernünftige Punkteausbeute herausspringt und keine Unruhe aufkommt.

Werder Bremen und die Anfälligkeit bei Standartds

Auffällig ist die Anfälligkeit bei Standards – acht Gegentore sind einfach zu viel! Eckbälle und Freistöße gewinnen im modernen Fußball immer mehr an Bedeutung, weil viele Spiele sehr eng sind und oft durch Kleinigkeiten entschieden werden. Werder hat einen eigenen Standard-Coach, daher glaube ich nicht, dass in dieser Hinsicht zu wenig gearbeitet wird. Es waren auch nicht immer die ganz groben Fehler bei Standards, sondern eher Kleinigkeiten mit großer Wirkung. Aber natürlich kann Werder besser verteidigen und sich noch mehr fokussieren. Denn so eine negative Dauerschleife nervt alle im Club, und so wie ich das Trainerteam und die Jungs kenne, werden da die Köpfe rauchen.

Was fehlt? Siege, die helfen, das Selbstvertrauen zu stärken! Ich habe aber nicht den Eindruck, dass der Glaube an die eigenen Qualitäten verloren gegangen ist. Ich habe das letzte Match gegen Gladbach verfolgt und spielerisch zwischen den Teams keine großen Unterschiede bemerkt – und Gladbach ist Tabellenführer! Die Liga ist allgemein sehr eng zusammengerückt, und mit einer kleinen Serie kann es auch ganz schnell wieder steil nach oben gehen.

Nach den Länderspielen trifft Werder Bremen daheim im Weserstadion auf Schalke. Die Gelsenkirchener haben bisher nicht wirklich besser gespielt, aber die Punkte geholt, die Werder fehlen. Werder ist stabil genug und muss vor keinem Gegner in der Bundesliga Angst haben – ich glaube an drei Punkte!

Sebastian Prödl

Zur Person: Sebastian Prödl hat von 2008 bis 2015 insgesamt 149 Bundesligaspiele für Werder bestritten und dabei zehn Tore erzielt. 2009 gewann der Abwehrspieler mit Werder den DFB-Pokal. Seit 2015 verteidigt der 32-jährige Österreicher für den FC Watford in der englischen Premier League. Prödl ist Nationalspieler – und immer mal wieder zu Besuch in Bremen.

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