Bremen hält an Konsolidierungskurs fest

Die schwarze Null – Werders Sargnagel?

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Werder Sport-Chef Eichin

Bremen – Von Michael Baltes und Pascal Faltermann. Der Aufsichtsrat hat entschieden: Der Konsolidierungskurs bei Werder Bremen wird fortgeführt. Teure Transfers werden bei den Grün-Weißen in absehbarer Zeit nicht möglich sein. Trainer Robin Dutt muss mit dem Kader auskommen, den er zur Verfügung hat. Doch was bedeutet das für Werder, wohin führt der Weg?

Die Kommentare in den sozialen Netzwerken gehen fast ausschließlich in eine Richtung: Werder spart sich kaputt. So findet sich der Club von der Weser bald in der zweiten Liga wieder – um nur einige wenige zu nennen. Der Ärger bei einem Teil der Fans ist groß. Nachdem in den vergangen Tagen gleich mehrere Namen von möglichen Neuzugängen durch die Stadt gegeistert waren, keimte Hoffnung, dass sich eine Spielzeit wie die vergangene nicht wiederholt. Natürlich ist es abstrus zu erwarten, dass ein Bryan Ruiz alleine Werder Richtung Champions League geschossen hätte. Aber ob der Sparkurs und der damit verbundene Verzicht auf teure Transfers der richtige Weg ist, das ist eine andere Sache. Ob er mit dem Weg zufrieden sei, wurde Eichin auf der Pressekonferenz vor dem Hertha-Spiel gefragt. Seine Antwort spricht Bände. "Wir von der Geschäftsführung haben andere Wege aufgezeigt. Es ist unerheblich, was ich gerne gewollt hätte“, so Werders Sport-Chef.

In der Wirtschaft wird in Krisensituationen oft zu Investitionen aufgerufen, damit der Markt wieder angekurbelt wird. Wieso nicht auch bei Werder Bremen? Durch die Investition in neue Spieler besteht zumindest die Chance, sportlich wieder höhere Ziele anzugreifen. Das internationale Geschäft ist dank der vielen Startplätze gerade in der Bundesliga kein Ding der Unmöglichkeit. Und die europäische Bühne bringt Geld, viel Geld. Geld, das Bremen gut gebrauchen kann. Doch mit dem Kader, den Dutt momentan zur Verfügung hat, wird es sehr schwer in die Tabellenregionen vorzustoßen, die zur Teilnahme am Europapokal berechtigen. Dass weiß auch der Coach. Gefragt nach dem Saisonziel, gibt sich der 49-Jährige entsprechend zurückhaltend. Den ein oder anderen Platz gutmachen im Vergleich zur Vorsaison und Rang zwölf, so Dutt, das wäre schon ein Erfolg.

Selbst das kann allerdings schwer werden. Die Konkurrenz im Tabellenmittelfeld hat zum Teil stark aufgerüstet. Um es auf den Punkt zu bringen: Im schlimmsten Fall droht Werder der Kampf gegen den Abstieg – und man kann nicht immer drauf hoffen, dass die letzten drei Teams das Punkten schon Wochen vor Saisonende einstellen, wie in der vergangenen Spielzeit. Überspitzt gefragt, was bringt Werder die angepeilte schwarze Null in der Bilanz, wenn der Club deshalb absteigt? Das ist ein Totschlagargument. Völlig aus der Luft gegriffen ist es aber nicht.

Konsolidierung kann auf lange Sicht Erfolg bringen

Auf der Gegenseite sind (teure) Investitionen in neue Spieler natürlich kein Erfolgsgarant. Oftmals bleibt der erhoffte Ertrag aus. Davon kann Werder ein Lied singen. Es ist ja nicht so, dass der Club in den vergangenen Jahren kein Geld in die Hand genommen hat. Gerade deshalb ist die Entscheidung vom Aufsichtsrat, nicht auch noch das letzte verbliebene Eigenkapital zu opfern, zu verstehen. Werder Bremen hat in den vergangenen Jahren oft genug ein Minus in der Bilanz gehabt. Erfolg gab es trotzdem nicht. Und in der Tradition steht Werder Bremen nun einmal für gesundes Wirtschaften. Hohe Risiken oder Schulden sind nicht erwünscht. Eine vorbildliche Einstellung, von der sich der ein oder andere Bundesligist sicher eine Scheibe abschneiden kann.

Und auch ein Konsolidierungskurs kann auf lange Sicht den erhofften Erfolg bringen. Es hat schließlich schon ganz andere Vereine gegeben, die ohne viel Geld auskommen mussten, und es mittlerweile wieder bis ganz nach oben geschafft haben. Eine Möglichkeit hierbei ist gezielt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen und auf das ein oder andere Transferschnäppchen. Dass Eichin geschickt auf dem Transfermarkt zu agieren weiß, hat er im Fall von Hajrovic bewiesen. Und auch im Nachwuchs der Bremer lassen sich einige Spieler finden, die das Potenzial haben, der Mannschaft weiterzuhelfen. Ob Davie Selke, der sich jüngst bei der U19-EM in den Fokus geschossen hat, ein Marnon Busch oder ein Levent Aycicek dazu schon in dieser Saison in der Lage sind, wird sich zeigen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass sich der richtige Weg wohl nicht eindeutig benennen lässt. Auch bei uns in der Redaktion gehen die Meinungen zu Werders Konsolidierungskurs auseinander.

Pro (Pascal Faltermann)
Werder Bremen muss einen Konsolidierungskurs beibehalten. Alles andere wäre fatal und falsch. In den vergangenen vier Perioden gab es jeweils ein dickes Minus. Allein in der Saison 2011/12 waren es 13,9 Millionen Euro, 2012/13 7,9 Millionen Euro. Es ist nicht zu erwarten, dass Werder die Einnahmen im Sponsoring sowie Marketing erhöhen kann. Also muss gespart werden. Der Etat wird heruntergefahren, die Gehälter müssen gesenkt werden und außerplanmäßige Ausgaben darf es nicht geben. Um zu investieren müssten die Grün-Weißen Eigenkapital verwenden, doch das hat sich seit Champions-League-Jahren fast halbiert. Zum Überleben braucht der Verein aber nun einmal Geld. Mit Alejandro Galvez und Izet Hajrovic kamen zwei Neuzugänge, Ludovic Obraniak kann ebenso als ein Neuling gezählt werden. Damit dürften qualitativ die Abgänge von Joseph Akpala, Mehmet Ekici und Aaron Hunt aufgefangen werden. Spieler zu verpflichten ist immer ein Risiko. Das die Bremer dieses Risiko aus finanzieller Sicht nicht eingehen, scheint mehr als vernünftig. Damit ist aber auch klar, dass Trainer Robin Dutt mehr und mehr auf den Nachwuchs setzen muss.

Contra (Michael Baltes)
Werders Kader ist ohne weitere Zugänge zu schwach. Viel mehr als der Kampf um den Klassenerhalt wird so kaum möglich sein - besonders dann, wenn zwei oder drei Leistungsträger durch Verletzungen ausfallen. Die Konkurrenz im Tabellenmittelfeld hat aufgerüstet – und ist damit, was das spielerische Potenzial angeht, den Bremern voraus. Der Aufsichtsrat muss sich endlich von seiner alteingesessenen Einstellung lösen. Aus der schlechten finanziellen Situation kommt der Club nur heraus, wenn Bremen wieder international spielt und dadurch höhere Einnahmen hat. Um das zu erreichen, muss aber erst einmal investiert werden. Schulden sind ein Risiko, dass muss aber in Kauf genommen werden. Nur auf die eigene Jugend und günstige Transfers zu setzten bringt vielleicht auf lange Sicht Erfolg – kann aber auch ganz schnell in die Hose gehen. Im schlimmsten Fall findet sich Werder dann schon bald in der zweiten Liga wieder.

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