Zwei nach dem Geschmack von Christian Heidel

Kohfeldt und Tedesco: Jung, erfolgreich, aber unvergleichbar

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Florian Kohfeldt ist auf dem Weg, aus Werder wieder eine Spitzenmannschaft zu machen. Domenico Tedesco ist das mit Schalke 04 bereits in der vergangenen Saison gelungen.

Bremen - Sie sind jung, sie sind erfolgreich. Und sie haben einen gemeinsamen Fan. Florian Kohfeldt und Domenico Tedesco eint nicht nur, dass sie mit 36 und 33 Jahren der neuen Generation Bundesliga-Trainer angehören, sondern auch, dass Christian Heidel für sie beide schwärmt.

Vor dem Duell des SV Werder Bremen bei Schalke 04 (Samstag, 18.30 Uhr, bei uns im Liveticker) äußert sich der S04-Manager derart positiv über Werder-Coach Kohfeldt, dass Bremer Fans fast schon alarmiert sein müssten. Was, wenn Heidel mal einen Nachfolger für Tedesco benötigt. Wäre dann Kohfeldt der Auserwählte? „Das ist ein Trainer, der mir sehr gefällt und imponiert“, sagte Heidel, der als Macher bei Mainz 05 schon Jürgen Klopp und Thomas Tuchel für die Bundesliga entdeckte und dem deshalb attestiert werden darf, dass er einen guten Trainer erkennt, wenn er ihn sieht.

Tedesco sitzt bei den Königsblauen fest im Sattel

Auch Tedesco wurde von Heidel in die Liga geholt, Kohfeldt ging derweil seinen Weg bei Werder – und weil sie frisch, unverbraucht, noch weit unter 40, extrem talentiert sind und ihren Fußballlehrerschein jeweils mit der Lehrgangsbestnote erwarben, suchen Medien gerne nach weiteren Gemeinsamkeiten bei ihnen.

Aber: es gibt kaum welche. Sagt jedenfalls Florian Kohfeldt und wehrt sich gegen Vergleiche mit Tedesco. „Das ist nicht zulässig“, meint er. Schließlich arbeitet er in Bremen, einem eher ruhigen Fleckchen auf der Bundesliga-Karte, Tedesco aber im immer nervösen Gelsenkirchen. „Das ist ein ganz anderer Standort.“ Soll heißen: Wer dort (wie Tedesco) erfolgreich ist und auch eine Krise (wie zu Saisonbeginn) meistert, der hat richtig was geleistet.

Naldo im Interview: „Pizarro und ich sind Vorbilder“

Hat Tedesco auch. Vizemeister in der vergangenen Saison, Einzug in die Champions-League. Und selbst als die ersten fünf Spiele der neuen Spielzeit verloren gingen, blieb er bei einem Verein, der im Ruf steht, Trainer früher mehr oder weniger gut durchgekaut verschlungen zu haben, unangetastet. Tedesco hatte nicht nur die Unterstützung von Sportvorstand Heidel, sondern auch die von Führungsspielern wie Naldo. „Total zufrieden“ sei er mit dem Trainer, sagte er im Interview mit der DeichStube – das galt vor und während der Krise und gilt immer noch.

Domenico Tedesco sitzt bei den Königsblauen also fest im Sattel – so gesehen können sich Werder-Fans entspannen. Kohfeldt wird so schnell keinen Anruf aus Gelsenkirchen bekommen. Ohnehin hat er den Bremern die Garantie gegeben, mindestens noch zwei weitere Spielzeiten zu bleiben, wo er ist. Wo er groß geworden ist, darf man ergänzen.

Kohfeldt ist dank Werder gewachsen, nun will er Club und Mannschaft wachsen lassen. Christian Heidel betrachtet das aus der Ferne mit starkem Interesse. „Florian Kohfeldt ist ein gutes Beispiel, wie ein Trainer mit seiner Arbeit und seinem Auftreten einen ganzen Verein verändern kann. Es macht Spaß, Bremen zuzuschauen. Die Zuschauer stehen komplett hinter ihrer Mannschaft und haben bei Rückschlägen zusammengehalten“, lobt der Manager.

Werder erhält Applaus für schönen Fußball

Letzteres ist sicherlich eher ein Werder- denn ein Kohfeldt-Phänomen. Aber Heidel weiß, wie wichtig es ist, dass ein Trainer ankommt bei den Fans, den Kunden. Bei Tedesco galt das lange nur eingeschränkt. Seine defensive Spielweise gefiel längst nicht allen. Doch wie es immer ist: Letztlich heiligt der Zweck die Mittel – meint auch Schalke-Legende Olaf Thon: „Am Ende des Tages zählen nur Siege. Es gibt aus meiner Sicht heraus nichts Schöneres als die Punkte auf dem Konto. Alles andere zählt zur B-Note.“

In Bremen versucht Florian Kohfeldt seit Dienstantritt vor bald einem Jahr jedoch, A- und B-Note in die Höhe zu treiben. Was gut gelingt. Werder erhält Applaus für schönen Fußball, und Kohfeldts Punkteschnitt liegt nach 33 Bundesliga-Spielen unter seiner Regie bei 1,65 Punkten – fast gleichauf mit Tedesco. Dessen durchschnittliche Ausbeute beträgt 1,68 Zähler. Zum Vergleich: Niko Kovac reichte bei Eintracht Frankfurt ein Punkteschnitt von 1,34, um von Bayern München verpflichtet zu werden.

Fotostrecke: Abschlusstraining ohne Bargfrede

Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04.
Werder-Abschlusstraining vor dem Spiel beim FC Schalke 04. © Frisch

Kohfeldt und Tedesco liegen aktuell deutlich darüber und selbst nur minimal auseinander. Das obwohl der offensiv orientierte Kohfeldt und der defensiv denkende Tedesco auf unterschiedlichen Pfaden unterwegs sind. Oder muss es heißen: unterwegs waren? Kohfeldt sagt, er erkenne eine neue Tendenz bei den Schalkern: „Die Mannschaft ist in den letzten Wochen dazu übergegangen, mehr hohe Pressingphasen zu haben und deutlich mehr das Spiel zu dominieren.“ Sein Team müsse sich folglich „auf verschiedene Varianten“ des Gegners einstellen.

Ex-Profi Ernst sieht Werder vor Schalke

Vielfalt in den Möglichkeiten – für den Bremer Trainer ist das das Wichtigste. So arbeitet er auch mit seinen Spielern. So erwirbt er sich jenen Respekt, den sich Tedesco allein durch Erreichen des zweiten Platzes in der vergangenen Saison verdient hat. Bei Ex-Profi Fabian Ernst, der in seiner Karriere sowohl für Werder als auch für Schalke spielte, hat Kohfeldt mit seiner Art des Fußballs aber einen dickeren Stein im Brett als Tedesco. „Die Bremer spielen einen guten, schönen Fußball. Die Schalker agieren seit langer Zeit relativ kontrolliert, ohne Spektakel auf dem Platz. Ich sehe Bremen eigentlich von der Politik her vorne“, erklärt der 39-Jährige gegenüber der DeichStube.

Die Trainer versichern sich wechselseitig die Anerkennung. Der Schalker über den Bremer: „Florian wirkt sehr bodenständig und macht einen Super-Job. Er hat junge Spieler weiterentwickelt, auch deshalb gefällt er mir sehr gut.“ Und der Bremer über den Schalker: „Ich mag ihn. Er ist ein sehr netter Kollege.“

Quelle: DeichStube

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