Bei Werder kracht es nach der 2:3-Pleite in Stuttgart / Skripnik: „Amateurhaft, ich bin richtig sauer“

Ab in den Bus zum Schämen

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Janek Sternberg (li.) hat der Wucht von Daniel Ginczek nichts entgegenzusetzen, der Stürmer köpft das 2:1 für den VfB Stuttgart.

Aus Stuttgart berichtet Björn Knips - Ausgerechnet beim Wiedersehen mit Robin Dutt spielte Werder gestern Abend wie einst unter Dutt – und verlor beim Tabellenletzten VfB Stuttgart mit 2:3 (0:1). Und nach dem Spiel krachte es gewaltig. Werder-Sportchef Thomas Eichin war außer sich vor Wut, verpasste den Spielern einen Maulkorb: „Die sollen jetzt mal in den Bus, ich will nicht sagen zum Schämen…“ Aber genau das meinte der Ex-Profi. Ihm hatte vor allem die Schlussphase gehörig aufs Gemüt geschlagen, genauso wie Coach Viktor Skripnik: „Das war amateurhaft, ich bin richtig sauer. Wir werden morgen ernst mit der Mannschaft reden.“

Einerseits hat Werder mit der Niederlage eine sehr gute Gelegenheit verpasst, sich im Rennen um die Europa League in eine günstigere Position zu bringen. Andererseits ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz mit acht Punkten immer noch komfortabel. Fast alles wie gehabt, könnte man sagen. Doch die Einstellung einiger Profis bereitet den Verantwortlichen große Sorgen. „Scheinbar nimmt nicht jeder die Situation richtig an. Darüber sind wir sehr erbost“, schimpfte Eichin, der unter der Woche vollen Einsatz für Europa gefordert hatte. Und auch Skripnik wunderte sich nach der Pleite in Stuttgart: „Bei zwei Punkten Rückstand auf Europa muss jeder Spieler brennen – und ich muss nicht hinter jedem herlaufen und fragen, was ist mit dir, hast du Bauchschmerzen oder hast du Lust oder was.“

Nein, das war nicht das von Viktor Skripnik geprägte Werder Bremen. Schon nach wenigen Minuten agierten die Gäste so ängstlich und ideenlos wie am Ende der Ära Dutt. Der saß gestern beim Gegner auf der Bank, nicht als Trainer, sondern als Sportvorstand. Und nach nur 16 Minuten durfte er jubeln, nachdem Janek Sternberg unglücklich geklärt und Christian Gentner die Kugel humorlos in die Maschen gejagt hatte.

Werder bekam so gar nichts auf die Reihe. Doch das änderte sich nach der Pause schlagartig. Clemens Fritz schnappte sich in der eigenen Hälfte einen Fehlpass, marschierte nach vorne und zirkelte eine perfekte Flanke in den Strafraum, wo der eingewechselte Davie Selke seinen Kopf bestens einsetzte – 1:1 (50.). Ein tolles Tor! Stuttgart war geschockt. In der mit 51 000 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Mercedes-Benz-Arena waren nur noch die Bremer Fans zu hören. Und die wären wohl noch lauter geworden, hätte Schiedsrichter Günter Perl nach einem Foul von Gentner an Zlatko Junuzovic auf Elfmeter entschieden, doch die Pfeife blieb stumm (60.).

Werder Bremen verliert in Stuttgart: Die Noten

Es folgten die bitteren 53 Sekunden des Martin Harnik: Der Ex-Bremer zielte erst völlig freistehend aus elf Metern über das Tor, dann beförderte er die Kugel aus nur drei Metern neben das Gehäuse (62.). Dafür gab es Pfiffe von den eigenen Fans – und auf der Bank wurde sein Wechsel eingeleitet. Doch dann bereitete Harnik das 2:1 durch Daniel Ginczek vor (70.). Mit freundlicher Unterstützung von Werder-Keeper Raphael Wolf, der ihn beim Herauslaufen nicht stoppen konnte.

Beim VfB hatten sich wieder alle lieb. Bis zum nächsten Harnik-Aufreger – diesmal durch ein Foul an Junuzovic hervorgerufen. Der Stuttgarter sah dafür die Ampelkarte (84.). In Unterzahl musste Stuttgart nun den knappen Vorsprung verteidigen, und schaffte es nicht. Nach einer Ecke von Junuzovic köpfte Jannik Vestergaard das 2:2 (87.). Riesenjubel beim Dänen, denn es war sein erster Treffer im Werder-Dress. Und was für ein wichtiger, dachten alle. Doch in der Nachspielzeit war es ausgerechnet Vestergaard, der schlecht stand und Ginczek damit die Bahn zum Stuttgarter Siegtreffer frei machte. Geoffroy Serey Die hatte den Stürmer mit einem Pass in die Schnittstelle der Innenverteidigung ungehindert auf die Reise geschickt.

„Das darf einer Bundesliga-Mannschaft in Überzahl nicht passieren. Da muss man auch mal mit einem Punkt zufrieden sein und darf nicht planlos nach vorne rennen“, schimpfte Skripnik. Auch Eichin ärgerte sich gewaltig: „Wenn du das 2:2 machst, dann schießt du einen Gegner mit diesem Nervenkostüm mit einem Mann mehr normalerweise ab. Das haben wir so was von amateurhaft gelöst. Das war fahrlässig, das war verantwortungslos.“ Der Ex-Profi war kaum zu bremsen – und bezeichnete den Verdacht, er sei in seinen über zwei Jahren als Werder-Geschäftsführer nach einem Spiel noch nie so wütend gewesen, als „richtig, das stimmt“. Und er wollte den Spielern keine Chance geben, sich öffentlich herauszureden, „denn es gibt einfach keine vernünftige Antwort für das, was heute passiert ist“.

Werder Bremen verliert in Stuttgart

Eine Antwort erwartet die sportliche Führung am Sonntag auf dem Platz, wenn es gegen den nächsten Tabellenletzten geht. Und das ist nach dem Stuttgarter Dreier ausgerechnet der Hamburger SV. Damit wird das Nordderby noch brisanter. „Da wollen wir mit unserem 500. Heimsieg in der Bundesliga Geschichte schreiben“, blickte Skripnik schon voraus. Doch Eichin warnte: „Wenn wir so weitermachen, gewinnen wir kein Spiel mehr.“ Dann stieg er zu den Verlierern in den Bus. Die Fahrt dauerte allerdings nicht lange, denn es ging nur zum Flughafen und von da aus mit dem Flieger zurück nach Bremen.

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