Santiago Garcia wünscht sich mehr Wertschätzung

„Ich muss auch an meine Zukunft denken“

Santiago Garcia wartet darauf, dass ihm Werder ein besseres Angebot vorlegt, ansonsten könnte es noch zu einem Wechsel kommen. - Foto: Gumz

Zell am Ziller - Von Björn Knips. Santiago Garcia muss im Besprechungsraum des Teamhotels in Zell am Ziller erst mal ein paar Sachen abstellen, bevor er seine Hand freundlich zur Begrüßung reichen kann. Denn wie immer ist sein Mate-Tee dabei – in einer Spezialtasse und einer großen Kanne. Das Interview könnte ja etwas länger dauern . . . Und der Werder-Profi nimmt sich in der Tat viel Zeit, um seine Situation zu erklären. „Es geht um meine Zukunft“, sagt der 28-jährige Linksverteidiger, der seit 2013 bei Werder ist.

Herr Garcia, herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit mit Ihrer Carla in der Sommerpause. Fühlt es sich anders an, als verheirateter Profi im Trainingslager zu sein?

Santiago Garcia: Dankeschön. Hier ist es das Gleiche für mich. Carla und ich sind doch schon fünf Jahre zusammen.

Müssen Sie jetzt nicht häufiger zu Hause anrufen?

Garcia: Nein, nein, nein (lacht).

Wenn man heiratet, kommt zwangsläufig die Frage nach dem Nachwuchs.

Garcia: Wir sind dabei, schauen wir mal, was passiert.

Wo soll der Nachwuchs denn aufwachsen?

Garcia: Das weiß ich nicht. Im Leben eines Fußballers kann in einem Jahr alles passieren. Jetzt spielst du hier, dann plötzlich in Russland oder in Argentinien.

Wollen Sie noch ein anderes Land kennenlernen?

Garcia: Ich gucke nicht in die Zukunft. Als ich in Italien war, habe ich auch nicht gedacht, dass ich mal in Deutschland spielen werde.

Es gab Berichte, dass Benfica und Sporting Lissabon Sie verpflichten wollen. Wäre Portugal ein Land, das Sie reizt?

Garcia: Portugal ist ein schönes Land und beides sind super Mannschaften. Aber mein Berater hat mir davon nichts gesagt. Wir haben klar abgesprochen: Nur, wenn es ein offizielles Angebot gibt, dann berichtet er mir davon und wir diskutieren darüber.

Werders Ex-Sportchef Thomas Eichin wollte in der Rückrunde Ihren bis 2017 laufenden Vertrag vorzeitig verlängern, ist das kein Thema mehr?

Garcia: Doch. Mein Berater und ich haben einen Plan gemacht, ich fühle mich sehr wohl hier. Aber ich muss auch auf mich gucken – nicht nur wegen des Geldes. Ich bin seit drei Jahren hier, habe fast immer gespielt. Da fand ich das erste Angebot von Eichin nicht okay für mich. Ich habe aber schon mit seinem Nachfolger Frank Baumann gesprochen. Schauen wir mal, was passiert.

Sie wünschen sich also eine höhere Wertschätzung?

Garcia: Ich denke, jeder kennt meine Rolle hier. Ich bin kein Star. Aber ich laufe, kämpfe und gebe immer alles auf dem Platz. Das passt doch perfekt zu diesem Verein.

Linke Verteidiger sind selten Stars, oder?

Garcia: Ja, leider. Stürmer sind die Stars, manchmal ist es auch der Torwart. Außen zu spielen, ist nicht so einfach – gerade in der Bundesliga. Da gibt es so viele starke Offensivspieler, die uns das Leben schwer machen.

Kann es auch passieren, dass Sie Werder noch im Sommer verlassen?

Garcia: Ich weiß es nicht. Wenn ein gutes Angebot kommt und Werder sagt, ich muss gehen oder wir können deinen Vertrag nicht verlängern, was soll ich dann machen? Dann muss ich auch an meine Zukunft denken.

Bei der EM wurde viel mit Dreier- oder Fünferkette gespielt. Wird sich das auch auf die Bundesliga übertragen und müssen Sie da als Außenverteidiger umdenken?

Garcia: In Palermo haben wir auch Dreierkette gespielt. Ich mache das gerne. Wir haben hier auch schon darüber gesprochen, dass wir das machen könnten.

Wer ist aktuell der beste Linksverteidiger auf der Welt?

Garcia: Vielleicht David Alaba von Bayern München. Aber ich mag auch Maxwell von Paris St. Germain. Er war immer bei Topvereinen wie Barcelona und Inter und hat immer gespielt. Er ist sehr gut.

Sie sprechen inzwischen perfekt Deutsch, wie wirkt sich das auf den Alltag aus?

Garcia: Das ist super. Ich bin ein Typ, der mit allen reden will. Aber am Anfang war das schwer. Zum Glück hatte ich viel Kontakt zu Felix Kroos, Philipp Bargfrede und Clemens Fritz. Wir sind oft essen gegangen. Da habe ich zwar nichts verstanden, aber das wurde immer besser. Und der Deutschkurs hat mir auch geholfen.

Was muss nächste Saison besser laufen?

Garcia: Einiges. Die letzte Saison war wirklich anstrengend. Wir dürfen nicht wieder so viele Fehler machen.

Welche Fehler genau meinen Sie?

Garcia: In der Defensive waren wir zum Beispiel nicht immer so konzentriert, und in der Bundesliga kann in einer Sekunde alles passieren.

Wie verändert man das?

Garcia: Wir haben schon mit dem Trainer darüber gesprochen. Wir müssen das auch über die Taktik machen – und damit haben wir schon angefangen. Wenn du weißt, was dein Partner macht, dann wird es besser laufen.

Macht denn Taktiktraining auf dem Platz überhaupt Spaß?

Garcia: Ich mache das gerne. Ich habe das schon in Italien erlebt und viel gelernt.

Wird in Italien tatsächlich, wie immer behauptet wird, mehr Taktik trainiert als in Deutschland?

Garcia: Ja. Da gibt es immer einen Tag in der Woche, an dem viel Taktik gemacht wird. Zum Beispiel mit elf Mann auf dem Platz ohne Gegner. Manchmal ist das natürlich etwas langweilig. Aber wenn du später im Spiel merkst, was es bringt, ist das schön.

Sie hatten in der Vorsaison immer mal wieder mit Knieproblemen zu kämpfen, wie geht es Ihnen aktuell?

Garcia: Gut. Ich konnte bislang eigentlich alles machen. Ich habe jetzt nur leichte muskuläre Probleme und habe deshalb am Sonntag nicht voll trainiert.

Was ist mit Werder in dieser Saison möglich?

Garcia: Wir sollten darüber nicht so viel nachdenken. Wir sind eine gute Mannschaft, das müssen wir auf dem Platz demonstrieren. Dann kann alles passieren.

Aber Werder hat viele wichtige Spieler wie Jannik Vestergaard, Papy Djilobodji und Anthony Ujah verloren.

Garcia: Das stimmt. Aber wir haben mit Niklas Moisander und Fallou Diagne für die Abwehr auch gute Spieler dazubekommen. Außerdem ist Luca Caldirola zurück – und Alejandro Galvez ist auch gut. Offensiv haben wir Claudio Pizarro. Vielleicht kann er nicht immer trainieren und spielen, er ist ja schon älter (lacht). Aber er ist richtig gut. Und ich bin überrascht von den Eggesteins. Das sind sehr gute Spieler, sie können es schon in die Mannschaft schaffen.

Also wird es keine Zittersaison?

Garcia: Das hoffe ich. 

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