Rashica mit bemerkenswerter Entwicklung / „Jojo“ Eggestein Etappensieger

Werder-Saisonzeugnis - Sturm: Ein „Chancentod“ wird zum 20-Millionen-Mann

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Bremer Stürmer (v.l.): Jojo Eggestein, Max Kruse und Milot Rashica.

Bremen – „Tormaschine geht anders“ – das war vor einem Jahr die Überschrift über dem Saisonzeugnis der Werder-Offensive. 37 Tore hatte diese damals produziert – wenig, wenig.

Umso bemerkenswerter, was die Spielzeit 18/19 erbrachte. 58 Tore waren es diesmal, was einer satten Steigerung von 56,5 Prozent entspricht. Und besser noch: Werder hat wieder extrem spannende Stürmer in seinem Kader, nicht nur wegen Neuzugang Niclas Füllkrug und trotz des Abgangs von Kapitän Max Kruse. Das Spielerzeugnis Sturm:

Milot Rashica

Milot Rashica

Als es in die Winterpause ging, stellte sich so manch Fan die Frage, ob dieser junge Kosovare wirklich ein guter Einkauf des SV Werder war. Gut, er hatte den Last-Minute-Freistoß zum 2:1 gegen Eintracht Frankfurt sehr schön reingesemmelt, aber ansonsten kam halt nicht viel. Nachdem Rashica in den letzten beiden Hinrundenpartien gegen Hoffenheim und Leipzig gleich mehrfach beste Möglichkeiten ausgelassen hatte, machte sogar das böse Wort vom Chancentod die Runde. Aber Rashica strafte alle Kritiker Lügen. Denn die Rückrunde wurde für den 22-Jährigen zum Durchbruch.

Acht Tore in 16 Partien plus drei in den Pokal-Highlights gegen Dortmund, Schalke und den FC Bayern – die Rakete zündete endlich. Rashica bewies neben Schnelligkeit, seiner größten Stärke, nun auch Kaltblütigkeit und Finesse beim Abschluss. Der Doppelpack gegen Augsburg war beispielsweise großartig. Rashica, im Januar 2018 für sieben Millionen Euro gekommen, wird bei „transfermarkt.de“ mittlerweile mit einem Marktwert von 20 Millionen Euro geführt.

Spiele/eing./ausg.: 26/7/15

Tore/Vorlagen: 9/5

Minuten gespielt: 1556

Note: 3,08

Max Kruse

Max Kruse

Vertrag nicht verlängert! Sportlich gesehen ist das eine ganz schlechte Nachricht für Werder Bremen. Denn Kruse war der Kopf des Offensivspiels, der Strippenzieher und beste Scorer im Team. Elf Tore und elf Vorlagen – in diesen Bereich ist kein anderer Bremer vorgestoßen. Kruses intuitives Spiel wird den Grün-Weißen fehlen. Spannend wird auch, wie Rashica ohne ihn zurechtkommt.

Allerdings darf bei der Bewertung des Kapitäns nicht ausgeklammert werden, dass Kruse mit Übergewicht aus dem Sommerurlaub gekommen war und seine Zeit brauchte, bis er richtig fit war. Einem hochbezahlten Profi wie ihm darf so etwas nicht passieren. Erlauben konnte er es sich sowieso nur, weil Werder von ihm abhängig war und die Disziplinlosigkeit durchgehen ließ.

Spiele/eing./ausg.: 32/0/5

Tore/Vorlagen: 11/11

Minuten gespielt: 2836

Note: 3,05

Martin Harnik

Martin Harnik

Seine Rückkehr zu Werder nach neun Jahren in der Ferne hatte auch viel mit Max Kruse zu tun. Immer wieder wurde in den Medien die Geschichte der beiden Freunde erzählt, die schon in der Jugend auf dem Dorf zusammen gespielt hatten. Doch das große Freunde-Festival im grün-weißen Trikot entwickelte sich nicht. Harnik hatte mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, fand nie konstant zu einer zufriedenstellenden Form.

Vier Tore gelangen ihm in seinen 18 Liga-Spielen – immerhin drei davon waren wichtige Führungstreffer. Das persönliche Highlight war das Last-Minute-3:3 im Pokal gegen Borussia Dortmund, das das Elfmeterschießen brachte. Das Harnik aber auch mit der nächsten Verletzung bezahlte.

Für die neue Saison muss gefragt werden, was aus Harnik wird. Neuzugang Füllkrug drängt ihn wohl weiter in den Hintergrund.

Spiele/eing./ausg.: 18/8/9

Tore/Vorlagen: 4/4

Minuten gespielt: 828

Note: 3,78

Claudio Pizarro

Claudio Pizarro

Was soll man noch über ihn schreiben, was noch nicht über ihn geschrieben wurde? Alle Loblieder auf den torgefährlichsten Fußball-Opa der Liga-Geschichte sind längst gesungen. Nach seinem 40. Geburtstag gelangen ihm fünf Saisontore. Ob es so etwas schon mal gegeben hat? Natürlich nicht. Pizarro hat sich in einer bemerkenswerten Saison das Prädikat „einmalig“ verdient. In nur 637 gespielten Minuten hat er unfassbar viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und immer neue Liga-Rekorde aufgestellt.

Zudem werden sich viele andere 40-Jährige gefragt haben, wie viele Knochen sie sich wohl gebrochen und Bänder gerissen hätten bei dem Bewegungsablauf, den Pizarro bei seinem 2:2 im Pokal gegen Dortmund präsentiert hatte.

Spiele/eing./ausg.: 26/23/3

Tore/Vorlagen: 5/2

Minuten gespielt: 637

Note: 2,91

Johannes Eggestein

Johannes Eggestein

„Jojo“ oder Josh – es war das Duell um die Zukunft, in das Johannes Eggestein und Joshua Sargent zu Saisonbeginn gingen. Zwei extrem junge Stürmer auf dem Weg in die Bundesliga. 34 Spieltage später steht Eggestein als Etappensieger da. Der 21-Jährige hat sich mit 23 Einsätzen, vier Toren und zwei Assists im Team etabliert. Aber das nicht als zentraler Stürmer, der er in der Jugend war, sondern als Außenspieler – meistens rechts, ab und an auch links. Oder auch auf der Halbposition im Mittelfeld. Vielseitigkeit wird eben belohnt, Johannes Eggestein hat es erlebt. In der neuen Saison geht er dann in das Duell der Generationen mit dem elf Jahre älteren Fin Bartels, der nach seinem Kurz-Comeback mit zwei Einsätzen ab der Vorbereitung wieder richtig angreifen will.

Spiele/eing./ausg.: 23/11/11

Tore/Vorlagen: 4/2

Minuten gespielt: 1114

Note: 3,38

Josh Sargent

Josh Sargent

Endlich war der Sommer da, und Josh Sargent durfte nach Monaten des Wartens seine ersten Pflichtspiele für Werder bestreiten. Der US-Amerikaner startete wie erhofft, erzielte sieben Tore in zwölf Regionalliga-Partien und rückte ruckzuck zu den Profis auf. Gleich beim ersten Einsatz gelang ihm sein erstes Tor, das zweite folgte alsbald, und die Fans waren verzückt. Doch ganz so famos ging es für Sargent nicht weiter. In der Rückrunde blieb er unter dem Radar, bekam kaum noch Spielzeit, erzielte kein weiteres Tor mehr. Coach Florian Kohfeldt erklärte das mit der fehlenden „geistigen Frische“ bei dem 19-Jährigen. Aber es waren auch fußballerische Unfertigkeiten – beispielsweise in der Ballbehandlung und im Kombinationsspiel –, die Shootingstar Sargent dann doch wieder ausbremsten. Er lernt eben noch.

Spiele/eing./ausg.: 10/9/1

Tore/Vorlagen: 2/0

Minuten gespielt: 205

Note: -

Yuya Osako

Yuya Osako

Kein anderer Offensiver wurde so hin und her verschoben wie der Japaner. Mittelstürmer, Rechtsaußen, Linksaußen, Spielmacher – alles wurde abgefragt bei Osako. Immer wieder lobte Trainer Kohfeldt ihn auch für sein intelligentes Spiel, dennoch blieb der Eindruck zurück, dass der 4,5-Millionen-Euro-Einkauf vom 1. FC Köln noch nicht so richtig gezündet hat. Mögliche Erklärungen: Im Sommer hatte er die WM gespielt, im Winter den Asien-Cup (von dem er auch noch verletzt zurückkehrte). Eine hohe Belastung also für den quirligen Angreifer mit der erstaunlichen Kopfballstärke. Möglicherweise bekommen die Fans den wahren, weil ausgeruhten und gut vorbereiteten Osako erst in der kommenden Saison zu sehen.

Spiele/eing./ausg.: 21/6/10

Tore/Vorlagen: 3/3

Minuten gespielt: 1 350

Note: 3,67

Florian Kainz

Florian Kainz

Er hat es nicht geschafft beim SV Werder. Wegen Osako, wegen Rashica, wegen Eggestein und wegen mäßiger Leistungen wurde der Österreicher in der Winterpause an den 1. FC Köln verkauft. Ablöse: drei Millionen Euro. Ein gutes Geschäft für den SV Werder.

Spiele/eing./ausg.: 8/3/5

Tore/Vorlagen: 0/1

Minuten gespielt: 374

Note: 3,80

Du bist ein absoluter Alleswisser in Sachen grün-weiß? Dann mach jetzt mit bei unserem Werder-Quiz Teil zwei: Jetzt wird es heftig - Nur für Experten!

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