Leverkusens Sportchef über Werders Trainer und das Hoch der Werkself

Rudi Völler im Interview: „Kohfeldt überzeugt mich“

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Leverkusen-Sportchef Rudi Völler

Leverkusen – An das Hinspiel gegen Werder denkt Rudi Völler (59) liebend gerne zurück – was auch kein großes Wunder ist: Schließlich setzte sich Bayer 04 Leverkusen Ende Oktober mit 6:2 in Bremen durch.

„Es war ein fast perfekter Auftritt“, sagt Leverkusens Geschäftsführer Sport im Interview mit der DeichStube – und erklärt, warum er im Rückspiel am Sonntag eine völlig andere Werder-Vorstellung erwartet. Außerdem spricht Völler über seine Bremer Vergangenheit, seine Leverkusener Zukunft, Werders Trainer Florian Kohfeldt, und er verrät, was Frank Baumann und Simon Rolfes in seinen Augen gemeinsam haben.

Bayer Leverkusen hat sich nach enttäuschender Hinserie erheblich gesteigert. Haben Sie alles richtig gemacht, Rudi Völler?

In diesem Geschäft hängt vieles vom Gewinnen oder Verlieren ab. Aber so einfach ist es nicht. Wir sind nun in dieser Liga wieder gut im Zug, also fällt die Bewertung positiv aus. Doch wir sind im Pokal in Hoffenheim und in der Europa League gegen Krasnodar ausgeschieden. Das hat uns wehgetan. Grundsätzlich ist niemand fehlerfrei.

Gab es deswegen den Trainerwechsel von Heiko Herrlich zu Peter Bosz?

Wir haben eine nicht so gute Vorrunde gespielt, das lag aber nicht nur an Heiko Herrlich. Nach einer Bewertung der gesamten Situation haben wir uns zu dem Trainerwechsel entschlossen.

Kurz vor Weihnachten, nach dem letzten Spieltag der Hinrunde, kam diese Maßnahme dann doch recht überraschend. Gerüchte kursierten schon länger. Warum haben Sie so lange gewartet?

Wir waren zu dem Zeitpunkt davon überzeugt, handeln zu müssen. Deshalb haben wir es getan.

Ist Ihnen mit Nachfolger Peter Bosz ein Glücksgriff gelungen?

Bis jetzt funktioniert alles sehr gut, nicht nur auf dem Platz. Beim letzten Spiel in Hannover haben wir nicht nur fußballerisch überzeugt, sondern bei widrigen Bodenverhältnissen, auf einem fast unbespielbaren Platz, der eher ein Vorteil für 96 war, auch kämpferisch. Wir sind zurückgekommen, was für die Moral sehr wichtig gewesen ist und uns einen Schub für die nächsten Wochen geben kann.

Was zeichnet den Spielstil aus, den der neue Coach bevorzugt?

Unsere ganze Formation steht etwas höher als in der Hinrunde. Zudem hat Julian Brandt eine andere Position, was ihm und unserem Spiel entgegenkommt. Die offensive Ausrichtung ist nicht nur erfolgreich, sondern gefällt allen, den Spielern, den Zuschauern und mir auch.

Bei Borussia Dortmund war es unter Bosz anfangs ähnlich, doch im Endeffekt ist er dort an der Anfälligkeit in der Defensive gescheitert. Hatten Sie keine Bedenken bei seiner Verpflichtung?

Nein, die gab es nicht.

Leverkusens Mannschaft galt lange als eine Ansammlung von Talenten und Hochbegabten, die unter Wert gespielt hat. Zeigt sie nun ihr wahres Gesicht?

Die Mannschaft hat auch in der ersten Halbserie schon vieles angedeutet, auch wenn es immer wieder Rückschläge gab. Das Hinspiel in Bremen nehme ich als Beispiel (Leverkusen gewann mit 6:2, Anm. d. Red.). Da haben wir es richtig gut gemacht, alles hat funktioniert. Solche Sonderspieltage, wie ich es nenne, gibt es. Ein fast perfekter Auftritt und die glücklichen Momente, dass fast jeder Schuss ein Treffer ist. Sicherlich, momentan läuft es prächtig, doch wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Bei allem Lob müssen wir aufpassen. Es wird bis zum Schluss einen Kampf um die internationalen Plätze geben. In dieser Saison braucht man mehr Punkte als zuletzt für die Qualifikation. Wir dürfen nicht locker lassen.

Ein famoser 6:2-Sieg im Hinspiel – wie sehen Sie nun das Rückspiel gegen Werder?

Ich erwarte eine andere Bremer Elf, Werder wird ganz anders auftreten. Respekt, wie sich die Mannschaft in dieser Spielzeit präsentiert.

Verfolgen Sie Ihren Ex-Verein immer noch mit viel Herzblut?

Werder wird immer ein Teil von mir und in meinem Herzen bleiben. Ich habe an der Weser fünf herausragende Jahre verbracht. Neben dem AS Rom ist es der Verein, bei dem ich am längsten gespielt habe. Wenn ich in Bremen bin, werde ich überall herzlich empfangen, ob im Stadion oder in der Stadt. Nicht nur von den Offiziellen wie dem Aufsichtsratschef Marco Bode, meinem Spieler, als ich die Nationalelf betreut habe. Mit „Teamchef“ begrüßt mich Marco heute noch, wenn wir uns sehen.

Von 1982 bis 1987 kickte Rudi Völler im Trikot der Grün-Weißen. Das Bild entstand in der Partie Werder gegen Arminia Bielefeld, in der Völler zum 2:0 (Endstand 3:0) einnetzte.

Auch Frank Baumann, Werders Sportchef, zählte zu Ihren Schützlingen im Nationalteam. . .

Richtig, 2002 bei der WM war Frank auch dabei. Ich freue mich total für ihn, welchen Weg er genommen hat. Ich finde es großartig, wie er seinen Job erledigt. Super, eine Werder-Ikone, die in der Geschäftsführung gut agiert. Ähnlich wie bei uns Simon Rolfes.

Was haben Sie für einen Eindruck von Florian Kohfeldt, dem Aufsteiger in der Trainergilde?

Ich kenne ihn nicht persönlich, doch mein Eindruck ist sehr positiv. Er hat eine spielstarke Mannschaft geformt und lässt einen ansehnlichen Fußball spielen. Doch nicht nur der Fußball, auch sein Auftreten, seine Außendarstellung und seine Kommentare überzeugen mich.

Werder hat als Saisonziel das Erreichen der Europapokal-Plätze formuliert. Was haben Sie gedacht, als Sie von dieser ambitionierten Vorgabe gehört haben?

Jeder Club muss das für sich entscheiden. Ich finde dieses Vorgehen nicht schlecht. Werder hat einen gut zusammengestellten Kader und bildet eine funktionierende Einheit. Warum sollte der Verein nicht dieses Ziel ausgeben? Es ist überdies gut angekommen. Und wie der Saisonverlauf zeigt, ist das Ziel nicht so unrealistisch. Natürlich erhöht es den Druck, doch es ist gar nicht so verkehrt. In Leverkusen praktizieren wir es ähnlich. Seit Jahren ist unser Wunschziel das Erreichen der Champions League, das Mindestziel ist die Europa League. Es ist uns fast immer geglückt, bis auf die Ausnahme vor zwei Jahren.

In der Führungsetage von Bayer hat es Veränderungen gegeben: Simon Rolfes für Jonas Boldt als Sportdirektor. Zudem fungiert Ex-Spieler Stefan Kießling als Ihr Assistent. Was haben diese personellen Wechsel für Folgen?

Wir haben diese neue Konstellation bewusst so geschaffen, sind personell in der Vereinsführung gut aufgestellt. Was die Person Simon Rolfes betrifft, ist es ähnlich wie bei Werder. Wie Frank Baumann in Bremen arbeitet Simon bei uns. Er wird auf Sicht gesehen sicherlich der starke Mann hier in sportlichen Fragen werden. Stefan Kießling ist mehr als mein Assistent, wir tauschen uns zwar täglich aus, aber er durchläuft verschiedene Abteilungen und absolviert eine umfassende Ausbildung. Einige Projekte, wie die Eventplanung zu unserem Jubiläum „40 Jahre Bundesliga unter dem Bayer-Kreuz“ im Mai diesen Jahres, hat er bereits federführend vorangetrieben.

Rolfes als der starke Mann in der Zukunft. Sie haben gewisse Andeutungen gemacht, die einige Beobachter als Amtsmüdigkeit gewertet haben. Wann ist Rudi Völler Vergangenheit bei Bayer?

Alles ist endlich. Ich mache den Job schon viele Jahre, werde im nächsten Jahr 60. Irgendwann werde ich den Posten abgeben, doch dies bedeutet nicht, dass ich morgen schon aufhöre. Zumal mein Vertrag noch bis 2022 läuft.

Abschlussfrage: Das Spiel wird am Sonntag um 13.30 Uhr angepfiffen – eine ungewöhnliche Anstoßzeit. Ihre Meinung dazu und zu den ungeliebten Spielen am Montag?

Es ist so, wie es ist. Die Liga hat das damals beschlossen. Es sind Dinge, die in dieser Rechte-Periode nicht mehr zu beeinflussen sind. Alle haben eingesehen, dass die Montagsspiele nicht gut ankommen. Deshalb werden sie wieder abgeschafft.

(Das Interview führte Hans-Günther Klemm)

Quelle: DeichStube

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