Werders Schmid über Stammplatz, Schwierigkeiten & Ziele

Werder-Hoffnungsträger Romano Schmid im Interview: „Ich fühle mich noch nicht als Stammspieler“

Romano Schmid ist endgültig voll beim SV Werder Bremen angekommen, sieht sich aber noch nicht als Stammspieler.
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Romano Schmid ist endgültig voll beim SV Werder Bremen angekommen, sieht sich aber noch nicht als Stammspieler.

Bremen – Bei Werder Bremen ist er der neue Hoffnungsträger. Romano Schmid hat sich mit offensiver Kreativität und defensiver Disziplin in die erste Reihe gespielt. Im Interview mit der DeichStube erklärt der 21-Jährige, dass er von sich weit mehr erwartet als die bisher gelieferten zwei Torvorlagen, warum er so kurze Stutzen trägt, weshalb er große Anlaufschwierigkeiten hatte bei Werder und warum ihn Landsmann und Teamkollege Marco Friedl für keinen richtigen Österreicher hält.

In Bremen liegt im Moment viel Schnee - fühlen Sie sich als Österreicher jetzt so richtig zu Hause?

Ich finde es richtig schön, aber man merkt, dass der Schnee schon ungewöhnlich für Bremen ist. Es geht auf den Straßen mitunter sehr langsam voran. Teilweise wird ja nur 20 km/h gefahren.
 
Ähnlich langsam ging es am Sonntag von Bielefeld zurück nach Bremen. Hat die Spielabsage Ihren Rhythmus gestört?

Mich bringt das auf keinen Fall aus dem Tritt. Aber die Absage hat mich und uns schon geärgert, denn wir wollten unbedingt spielen und die Punkte holen. Aus meiner Sicht war es aber einfach besser abzusagen. Die Verhältnisse für ein Fußballspiel waren einfach nicht gegeben.
 
Mit einem Sieg in Bielefeld hätte Werder einen großen Schritt aus der Abstiegszone machen können. Am Samstag kommt nun der SC Freiburg (15.30 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) ins Weserstadion – anderer Gegner, andere Ausgangslage, aber gleiche Zielsetzung?

Natürlich wollen wir zu Hause gegen Freiburg gewinnen. Jeder Sieg ist auch gleich wichtig und gleich viel wert.
 
Trainer Florian Kohfeldt hat Ihre Entwicklung zuletzt als „beachtlich“ bezeichnet und Sie nach vier Startelf-Einsätzen in Folge als „Stammspieler“ bezeichnet. Wie haben Sie das aufgenommen?

Ich habe mich nicht wirklich damit beschäftigt – auch nicht damit, ob ich jetzt Stammspieler bin oder nicht. Ich weiß nur: Wenn ich spiele, will ich mein Bestes geben und der Mannschaft so gut wie möglich helfen.

Romano Schmid nicht zufrieden mit Leistungen bei Werder Bremen: „Muss viel mehr Tore vorbereiten“

Das ist sehr professionell geantwortet. Wo sind Ihre positiven Emotionen?

Wenn der Trainer sieht, dass ich einen guten Job mache, dann freut mich das natürlich. Aber Fußball ist immer nur eine Momentaufnahme. Deshalb muss ich in jedem Spiel wieder Gas geben, um der Bedeutung eines Stammspielers auch gerecht zu werden. Ich fühle mich auch noch nicht als wirklicher Stammspieler. Ich muss noch viel mehr Tore vorbereiten und auch selbst erzielen.

Die ersten Wochen bei Werder liefen für Sie schleppend. Erst am zehnten Spieltag haben Sie Ihr Bundesliga-Debüt gefeiert. Was war los?

Es war für mich schon ein Riesenunterschied zwischen dem Training in Österreich und dem Training bei Werder. In der Vorbereitung habe ich noch ganz gut begonnen, aber dann bin ich in ein Loch gefallen. Ich bin im Training sehr schnell müde geworden. Doch dann hat sich mein Körper an die gesteigerte Belastung gewöhnt. Mit dem Saisonstart ist es dann schon etwas bergauf gegangen.

Sie sagen über sich, Sie seien extrem ehrgeizig. Wie schwer war es dann, zu Saisonbeginn neun Spiele nur zugucken zu müssen?

Es tat richtig weh. Ich wollte von Beginn an zeigen, was ich drauf habe. Aber es läuft in unserem Geschäft nicht immer alles steil nach oben. Ich musste mich richtig reinkämpfen.

Wie hat es Ihnen gefallen, dass Coach Kohfeldt diese Zeit zuletzt noch mal mit deutlichen Worten beschrieben hat? Er sagte, Sie hätten „bis in den Oktober hinein über Trainingsleistung keinen Anspruch auf einen Kaderplatz“ gehabt.

Vielleicht hatte er nicht ganz Unrecht. Aber ich habe immer versucht, Gas zu geben und meine beste Leistung abzurufen.

Kohfeldt hat es ein „hartes Stück Arbeit“ genannt, Sie in die aktuelle Form zu bekommen.

Definitiv war es harte Arbeit. Ich musste in jedem Training 100 Prozent geben und muss es noch. Das ist nicht leicht. Bis man es dann in den Kader schafft, dauert es auch ziemlich lang. Der Trainer und das ganze Trainerteam haben mir aber immer geholfen.

Was war für Sie der größte Unterschied zur österreichischen Bundesliga?

Es ist das Tempo. Hier kommt man kaum zum Stehen, muss immer laufen, da geht es auf und ab die ganze Zeit. In Österreich hat man mehr Ruhe am Ball und mehr Zeit, um Entscheidungen zu treffen.

Werder Bremen-Profi Romano Schmid freut sich über „Riesenkompliment“ von Andreas Herzog

Ist dieser Anpassungsprozess mittlerweile abgeschlossen?

Ich glaube schon. Natürlich will ich mich immer weiterentwickeln, will immer besser spielen. Ich habe mich im Team ganz gut eingebracht.

Gegen Schalke 04 hat das nicht so geklappt, das Spiel war ein Knick in Ihrem Aufwärtstrend. Sie mussten zur Pause raus.

Ich war ziemlich wütend auf mich selbst. Wir alle hatten uns mehr vorgenommen in dem Spiel, ich natürlich auch. Es bringt aber nichts, wenn du dann den Kopf in den Sand steckst. Anschließend wollte ich dem Trainer im Training unbedingt zeigen, dass das nur ein Ausrutscher war – und ich glaube, das habe ich dann auch geschafft.

Jedenfalls standen Sie drei Tage später gegen Greuther Fürth wieder in der Startelf und haben eine gute Partie hingelegt mit klugen Pässen. Was erwarten Sie jetzt in den kommenden Spielen von sich?

An meiner Richtung ändert sich nichts: Ich gebe Gas – und diese Pässe wie gegen Fürth muss ich noch häufiger in unser Spiel einbringen. Umso öfter ich spiele, umso häufiger werden diese Pässe auch ankommen.

Andreas Herzog, Werder-Legende und österreichischer Rekordnationalspieler, hat sie zuletzt sehr gelobt und gesagt, Sie könnten „mit einem guten Pass oder einem guten Dribbling den Unterschied ausmachen“ im Bremer Spiel. Das geht runter wie Öl, oder?

Wenn Andi Herzog das sagt, ist das ein Riesenkompliment. Es freut mich sehr, dass er viel von mir hält.

So ein Lob kann aber auch zur Last werden.

Ich empfinde das nicht als Last. Aber klar: Wenn so ein großer Spieler dir so viel Aufmerksamkeit schenkt, dann willst du auch zeigen, dass du es wirklich kannst.

Werder Bremen: Romano Schmid hat sich heute nach Niederlagen „unter Kontrolle“

Sie haben mal über sich gesagt, Sie seien früher – als Folge Ihres Ehrgeizes – nach Niederlagen ungenießbar gewesen. Gilt das immer noch?

Nein, ich glaube nicht. Ich habe das mittlerweile unter Kontrolle. Früher war ich nach verlorenen Spielen wirklich ungenießbar. Ich wollte dann mit niemanden reden und habe mich einfach irgendwo in die Ecke gesetzt. Dann durfte mich auch niemand ansprechen, weil ich so wütend war. Das war schon brutal. Jetzt kann ich Niederlagen besser einordnen, und der junge Romano kommt nicht mehr so raus.
 
Optisch auffällig sind Ihre kurzen Stutzen, die Sie halbhoch unter dem Knie tragen. Wieso?

Mich stört es, wenn ich die Stutzen über meine Waden ziehe, dann ist es so eng. Das halte ich nicht aus, deshalb ziehe ich die Stutzen runter oder ich schneide sie ein bisschen kürzer.

Da ist der Ärger mit dem Zeugwart aber garantiert.

(lacht) Ich habe ihm letztens gesagt, er soll mir die alten, abgeschnittenen wieder geben, weil er mir immer neue hingelegt hat. Vielleicht macht er das bald auch.

Normale Schienbeinschoner passen da aber nicht drunter.

Deshalb sind die auch selbstgemacht. Ich schneide mir welche zurecht und klebe sie mit Tape zusammen. Ich würde meine Lösung elegant nennen. (lacht)

Werder Bremen-Hoffnungsträger Romano Schmid: „Franco Foda hat mir Disziplin beigebracht“

Sie wurden in Österreich schon als Jugendlicher als großes Talent gefeiert, mit 15 Jahren hat der damalige Sturm-Graz-Trainer und aktuelle ÖFB-Nationalcoach Franco Foda Sie das erste Mal mit in ein Trainingslager der Profi-Mannschaft genommen. Wie haben Sie es geschafft, sich von den Erwartungen nicht erdrücken zu lassen?

Wenn man 14, 15 oder 16 Jahre alt ist, dann denkt man, all das, was da über dich geschrieben wird, macht überhaupt nichts mit dir. Aber im Unterbewusstsein passiert doch etwas. Dennoch habe ich es geschafft, mir weder die positiven noch die negativen Dinge zu sehr zu Herzen zu nehmen. Schwierig ist aber, dass jeder, der etwas Schönes über dich schreibt, denkt, dass bei dir alles von alleine läuft und auch alles so weitergehen muss. Dabei steckt da viel Arbeit hinter. Dass Profi-Fußballer zu werden nicht leicht ist, weiß wohl jeder. Wenn du so einen Hype bekommst, musst du noch mehr machen als viele andere, damit du es dann auch wirklich schaffst.

Gab es mal den Punkt, an dem Sie Gefahr liefen, abzuheben?

Jeder, der mich kennt, kann bezeugen, dass ich nicht hochgeflogen bin, sondern immer weiter gearbeitet habe.

Bevor Sie im Januar 2019 bei Werder unterschrieben, standen Sie bei RB Salzburg unter Vertrag. Von dort wechseln die Talente normalerweise zu RB Leipzig – warum Sie nicht?

Das kann ich gar nicht beantworten. Werder ist gekommen und wollte mich haben. Weil Werder einer der geilsten Clubs in Deutschland ist, kann man da auch nicht Nein sagen.

Und RB wollte als österreichischer Vorzeigeclub nicht das österreichische Top-Talent in den eigenen Reihen behalten?

Ich glaube, Salzburg wäre nicht abgeneigt gewesen, mich zu halten. Aber es war wohl für beide Seiten besser, dass ich einen anderen Weg gehe. Ich habe mich in Salzburg nicht so wohl gefühlt, das hat die sportliche Leitung bei RB gemerkt und mir dann auch keine Steine in den Weg gelegt.

Werder Bremen-Profi Romano Schmid über Zeit bei RB Salzburg: „So richtig angekommen bin ich da nie“

Wieso haben Sie sich nicht wohl gefühlt?

Es war ein richtig cooler Club in einer richtig coolen Stadt, aber so richtig angekommen bin ich da nie.

Spekulieren Sie noch mit einem Platz im österreichischen Kader für die EM im Sommer?

Ich war schon zweimal auf Abruf für die Nationalmannschaft nominiert, wenn ich dabei sein könnte, würde ich mich natürlich freuen. Aber Kontakt zu Franco Foda hatte ich in dieser Hinsicht noch nicht.

Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Wir verstehen uns so, wie sich ein Trainer und ein Spieler verstehen sollten. Er hat mich mit 15 Jahren schon das erste Mal ins Profi-Team hochgezogen. Ich habe in meiner Anfangszeit sehr viel von ihm gelernt, da hat er sehr viel für mich gemacht. Vor allem hat er mir Disziplin beigebracht, da war ich nicht immer der Bravste. Wenn ich in der zweiten Mannschaft ausgewechselt wurde, bin ich direkt in die Kabine, weil ich so enttäuscht und wütend war. Da hat Franco Foda mich dann zurechtgestutzt und mir erklärt, was ich zu tun habe, wenn ich da oben bleiben möchte. Er ist ein strenger, aber guter Trainer.

Noch mal zurück nach Norddeutschland: Im Online-Format „Butter bei die Fische“ des SV Werder haben Sie die Frage „Berge oder Meer?“ mit „Meer“ beantwortet. Sind Sie am Ende doch norddeutscher als Sie glauben?

Ich liebe Urlaub am Meer und bin in meinem Leben noch nie auf Ski gestanden. Viele denken sich deshalb: Was ist mit dem los? Marco Friedl meint sogar, ich sei kein richtiger Österreicher deswegen.
 

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