Kommentar zu Nouris Jobgarantie

So riskiert Werder seine Zukunft

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Alexander Nouri

Ein Kommentar von Björn Knips. Werder steht nicht mehr am Abgrund, sondern hängt schon runter. Die Absturzgefahr ist größer denn je, weil alle in diesem Jahr schon gepunktet haben (sogar Darmstadt) – nur Werder nicht. Doch was machen die Bremer Verantwortlichen: Augen zu und durch.

Natürlich hat Sportchef Frank Baumann Recht, wenn er sagt, die Spieler auf dem Platz sind entscheidend. Aber entscheidend ist eben auch, was sie mit auf den Weg bekommen haben. Und das ist ganz offensichtlich zu wenig und/oder nicht weit genug gedacht. Es gibt zum Beispiel kaum ein Spiel, in dem Trainer Alexander Nouri nicht sein System ändern muss, um das Team wenigstens ein bisschen in die Spur zu kriegen. Er nennt es Flexibilität. Doch das sorgt für null Stabilität. Und die ist gerade im Abstiegskampf von extremer Bedeutung.

Was hat dagegen ein Dieter Hecking im Winter mit Borussia Mönchengladbach gemacht? Der erfahrene Coach hat seiner neuen Mannschaft ein simples 4-4-2-System verordnet – ohne Schnickschnack. Dafür gab es zehn Punkte in vier Spielen.

Sportredakteur Björn Knips

Werder ist dagegen eine Bastelstube mit einer Dreier-, Vierer- oder Fünferkette, einem Sechser oder auch mal zwei Mann vor der Abwehr. Mal gibt es echte Flügelflitzer, dann wieder keine, mal einen echten Stürmer oder auch zwei. Und dazu kommt: Die Spieler werden nicht auf ihren besten Positionen eingesetzt. Wie Serge Gnabry. Auf dem Flügel eine Rakete, in der Mitte ein Rohrkrepierer. Weil der 21-Jährige auch keine Lust darauf hat. Das kommt dann noch dazu. Das Verhältnis Nouri/Gnabry gilt als angespannt, seit der Trainer öffentlich behauptet hat, vor dem Dortmund-Spiel nichts von einer Magenverstimmung des Profis gewusst zu haben. Dabei hatte der Nationalspieler vom Mannschaftsarzt Tabletten bekommen. Darüber wird ein Trainer informiert.

Die Stimmung im Team kippt - und bei den Fans auch

Zudem ist die Hierarchie im Team mächtig ins Wanken geraten, seitdem Kapitän Clemens Fritz seine „wichtige Rolle“ (Nouri) nur noch auf der Bank spielen darf. Die Stimmung im Team kippt – und nicht nur dort. Auch bei den Fans schwindet die Hoffnung, dass es Werder mit Nouri schafft. Gegen Gladbach gab es zur Pause noch große Emotionen mit vielen Pfiffen, nach dem Spiel herrschte stille Resignation.

Im direkten Umfeld des Vereins ist es ähnlich. Mit wem man auch spricht, Zuversicht ist da nicht zu vernehmen. Die Clubverantwortlichen stellen sich zwar öffentlich hinter Nouri, doch wirklich überzeugt von seinem Weg ist nur der Trainer selbst. Deshalb bekam er auch noch keine Vertragsverlängerung. Warum auch nach nur 16 Punkten aus 17 Spielen? So erfolglos war noch kein Werder-Coach. Natürlich hat vor allem ein junger Trainer aus dem eigenen Verein eine Schonfrist verdient. Doch das darf nicht dazu führen, dass der Verein seine Zukunft riskiert.

Angeblich sollen Baumann und Co. auch deshalb mit einer Entscheidung zögern, weil sie keine Alternative auf dem Markt sehen. Ein Totschlagargument. Zumal ein gewisser Bruno Labbadia frei ist. Der 51-Jährige kann Abstiegskampf und hat die beim Traditionsverein immer so beliebte Werder-Vergangenheit (als Spieler von 1996 bis 1998). Gegen ihn spricht, dass er langfristig oft nicht funktionierte. Doch wer wie Werder am Abgrund hängt, sollte an seine Rettung denken – und an nichts anderes.

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