Nach der Pleite von Stuttgart ist der Konkurrenzkampf bei Werder neu entfacht

Riskiert Skripnik den Torwartwechsel?

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Raphael Wolf (links) oder Koen Casteels (rechts) – wer steht am Sonntag im Nordderby im Werder-Tor?

Bremen - Der freie Tag ist vorbei, heute Morgen müssen die Werder-Profis wieder ran – und es steht die spannendste Trainingswoche seit langem an. Denn nach der 2:3-Pleite in Stuttgart hat Viktor Skripnik seine Spieler öffentlich so hart wie nie kritisiert, ihnen amateurhaftes und egoistisches Verhalten vorgeworfen. Gut möglich, dass der Coach seine Startelf für das Nordderby am Sonntag gegen den Hamburger SV (15.30 Uhr, Weserstadion) umbaut. Aber welche Möglichkeiten hat Skripnik überhaupt? Ein Überblick:

Torwart
Einer hat bei Werders Nummer eins Raphael Wolf ganz genau hingeguckt – Stuttgarts Siegtorschütze Daniel Ginczek. „Wolf ist einer, der schnell die Beine breit macht, das wusste ich“, sagte Ginczek über seinen Tunnel in der Nachspielzeit. Die Wolf-Kritiker, und davon gibt es bei den Werder-Fans nicht wenige, werden sich bestätigt fühlen. Sie vermissen in solchen Fällen eine Glanzparade und beklagen die Riesenpatzer – wie beim zweiten VfB-Tor, als sich Wolf beim Herauslaufen verschätzt hatte. Es war bereits der fünfte Treffer, den der 26-Jährige in dieser Saison auf seine Kappe nehmen musste. Zeit also für einen Wechsel? In Koen Casteels steht ein Bundesliga-erfahrener Ersatz bereit, allerdings einer ohne Perspektive in Bremen. Der 22-Jährige ist nur bis Saisonende vom VfL Wolfsburg ausgeliehen. Wolf steht dagegen bei Werder noch bis 2017 unter Vertrag. Als abgesägte Nummer eins stünde er wohl endgültig auf dem Abstellgleis. Denn die Bremer haben längst Felix Wiedwald für die kommende Saison unter Vertrag genommen. Der Wechsel des Noch-Frankfurters wird nur noch nicht bekanntgegeben, um Wolf im laufenden Spielbetrieb nicht zu beschädigen. „Raphael hat zuletzt sehr stark gehalten, jetzt war mal wieder einer drin, am Sonntag wird er es wieder gut machen“, schließt Sportchef Thomas Eichin einen Torwartwechsel im Nordderby eigentlich aus. Doch die Aufstellung macht Skripnik.

Abwehr
Innen gibt es die Qual der Wahl, außen einen besorgniserregenden Notstand. Die Viererkette hat vor allem links ein großes Problem. Santiago Garcia wird wegen Patellasehnenproblemen diese Saison wohl nicht mehr spielen. Damit ist Janek Sternberg einziger Linksverteidiger im Kader – und mit dieser Aufgabe in der Bundesliga oftmals überfordert, wie zuletzt in Stuttgart. Doch Eichin nimmt den 22-Jährigen, der erst unter Skripnik zu den Profis kam, in Schutz und betont: „Gegen Mainz war er einer unserer Besten. Bei unseren jungen Spielern müssen wir es in Kauf nehmen, dass auch mal solche Spiele wie in Stuttgart dabei sind. Wenn wir ihnen diese Möglichkeiten nicht geben, werden sie sich nicht entwickeln. Wir können Qualität nicht einkaufen, wir müssen sie entwickeln.“ Für Sternberg wäre eine Herausnahme am Sonntag besonders bitter, schließlich hat er von 2007 bis 2013 das HSV-Trikot getragen.

Es gibt allerdings auch keine echten Alternativen: Innenverteidiger Luca Caldirola, der unter Robin Dutt schon mal links verteidigt hat, ist verletzt. Möglich wäre ein Seitenwechsel von Theodor Gebre Selassie, der aber rechts viel zu gut funktioniert. Genauso wie Clemens Fritz im Mittelfeld, der dann nach hinten rücken müsste. Bleibt noch Leon Guwara aus der U23, der ist allerdings erst 18 Jahre alt.

Und innen? Da haben Jannik Vestergaard und Assani Lukimya trotz der Niederlage in Stuttgart überzeugt. Aber Sebastian Prödl hat seine Gelbsperre abgesessen, und auch der wiedergenesene Alejandro Galvez brennt auf sein Comeback. Vestergaard ist gesetzt, die drei anderen müssen sich nun im Training beweisen.

Mittelfeld
Flaute in der Raute – es läuft nicht mehr. Bis auf Kapitän Fritz stecken alle im Formtief, ganz speziell Zlatko Junuzovic. Doch der Österreicher dürfte seinen Platz allein schon durch die guten Standards sicher haben. Im Gegensatz zu Levent Aycicek: Der 21-Jährige durfte sich gegen Mainz und Stuttgart als Zehner versuchen, viel gelang ihm dabei nicht. Er zeigt noch zu viel Respekt vor der Bundesliga. „Das ist auch nicht so einfach“, weiß Eichin: „Wir müssen ihm diese Zeit zugestehen.“ Für Aycicek könnte – gerade auch nach der Verletzung von Fin Bartels – Levin Öztunali (19) eine Chance bekommen. Ausgerechnet gegen den HSV, das wäre schon was für den Enkel von Uwe Seeler, der beim HSV groß geworden ist.

Und sonst? Philipp Bargfrede bleibt trotz Leistungslochs Werders Sechser, weil die Konkurrenten Felix Kroos und Cedrick Makiadi zu schwach sind.

Sturm
324 Minuten! So lange wartet Franco Di Santo nun schon auf sein nächstes Bundesliga-Tor. So eine lange Leidenszeit gab es bei ihm in dieser Saison noch nie. Trotzdem ist der Argentinier unersetzlich. Wie auch Davie Selke – das hat der künftige Leipziger mit seinem schnellen Jokertor in Stuttgart bewiesen. Das Duo wird gegen den HSV stürmen.

kni

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