Relegation zwischen Werder und Heidenheim

DAZN-Experte Ralph Gunesch: „Kohfeldt denkt sich bestimmt etwas Besonderes für Werder aus“

Ralph Gunesch (r., mit Moderator Alex Schlüter) verfolgt als DAZN-Experte die Relegation zwischen Werder Bremen und dem 1. FC Heidenheim.
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Ralph Gunesch (r., mit Moderator Alex Schlüter) verfolgt als DAZN-Experte die Relegation zwischen Werder Bremen und dem 1. FC Heidenheim.

Bremen – Wenn der SV Werder Bremen am Montag in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim um die Zukunft in der Bundesliga spielt, dann ist auch Ralph Gunesch ganz dicht dran.

Der Ex-Profi arbeitet als Experte des Streaming-Dienstes DAZN, der die Relegationsspiele live im Internet überträgt. Auch der 36-Jährige, der beim FSV Mainz 05, beim FC St. Pauli, dem FC Ingolstadt und Alemannia Aachen gespielt hat, war von schwachem Auftritt des SV Werder Bremen beim 0:0 im Hinspiel gegen den 1. FC Heidenheim ziemlich überrascht. Im Gespräch mit der DeichStube beschreibt Ralph Gunesch die Bremer Probleme und erklärt, warum er auf Vorgespräche mit den Trainern Florian Kohfeldt und Frank Schmidt hofft.

Einschub: Das Relegations-Rückspiel zwischen Werder Bremen und dem 1. FC Heidenheim gibt es hier im Live-Ticker.

Wer spielt in der nächsten Saison in der Bundesliga: Heidenheim oder Werder Bremen?

Gute Frage. Am Donnerstag haben die Heidenheimer den Bremern das Leben wirklich sehr, sehr schwer gemacht. Sie konnten fast alles umsetzen, was sie sich vorgenommen haben. Das wird für Werder im Rückspiel eine richtig schwierige Sache.

Warum hat Werder so schlecht gespielt?

Ich würde das Spiel gerne aus zwei Perspektiven beleuchten. Florian Kohfeldt hat sich ja sehr kritisch zum Auftritt seiner Mannschaft geäußert und war dabei sehr offen und direkt, fast schon überraschend offen...

...zu offen?

Nein! Man hat ihm deutlich angemerkt, dass er nicht zufrieden ist. Aber ich finde es sehr positiv, wenn man sich dann nicht in irgendwelche Floskeln reinrettet. Werder hat wirklich nicht gut gespielt. Das lag aber auch an Heidenheim. Sie haben es geschafft, Werder immer wieder im Eins-gegen-Eins – und das über den ganzen Platz – den Schneid abzukaufen und sie zu nerven. Damit haben sie gerade die kreativen Bremer wie Milot Rashica und Yuya Osako aus dem Spiel genommen.

Wie muss jetzt der Werder-Plan lauten: Kampf annehmen oder auf die eigene Spielstärke setzen?

Werder wusste, dass Heidenheim unheimlich kompakt steht und intensiv gegen den Ball kämpft. Die Bremer haben es aber nicht geschafft, dieses Konstrukt in Unordnung zu bringen. Dafür braucht man gute Ballstafetten in hohem Tempo. Dann kommt Bewegung rein und die Abstimmung ins Wanken.

Werder Bremen gegen 1. FC Heidenheim: Das erwartet DAZN-Experte Ralph Gunesch vom Relegations-Rückspiel

Fehlte bei einigen Bremern wie zum Beispiel bei Marco Friedl der Mut, schnell, direkt und vor allem auch nach vorne zu spielen?

Das Mentale hat gewiss auch eine Rolle gespielt. Es war schon zu erkennen, dass es ein All-in-Spiel ist. Da ist das Nervenkostüm bei dem einen oder anderen ein bisschen seichter.

Wird es ein komplett anderes Spiel?

Ich glaube, dass Heidenheim nur in Nuancen etwas ändern wird. Sie werden vielleicht das Ganze fünf Meter weiter vorne versuchen, um bei Ballgewinn einen Tick schneller vor dem gegnerischen Tor zu sein. Es ist auch gut möglich, dass sie versuchen, die Bremer die ersten zehn Minuten hinten reinzudrücken – so als Überfall.

Und Werder?

Von den Bremern erwarte ich eine andere Spielweise mit deutlich mehr Flexibilität und mehr Tempo mit Ball. Ansonsten bekommen sie Heidenheim nicht ins Laufen und nicht aus der Ordnung.

Aber war das nicht schon der Plan für das Hinspiel?

Wahrscheinlich. Aber es hat nicht funktioniert. Das lag sicher auch an Sebastian Griesbeck, der als Sechser das Zentrum komplett dominiert hat. Da müssen sich die Bremer Gedanken machen, wie sie das gelöst bekommen.

Heidenheims Coach Frank Schmidt hat Florian Kohfeldt mit einer unerwarteten Grundordnung überrascht. Hat da ein erfahrener Coach einem jungen Kollegen ein echtes Schnippchen geschlagen?

Nein. Aber Frank Schmidt hat mit der Umstellung von der gewohnten Vierer- auf eine Dreier-/Fünferkette schon so etwas wie den ersten Zug gemacht. Jetzt ist die spannende Frage: Welche Antwort findet Florian Kohfeldt darauf? Denkt er sich selbst etwas Besonderes aus? Ich gehe davon aus.

Werder Bremen gegen 1. FC Heidenheim: DAZN-Experte Ralph Gunesch erklärt Austausch mit Trainern vor Spiel

Sie haben mit Frank Schmidt zusammen bei Alemannia Aachen gespielt, allerdings nur zwei Partien, die eine ging 0:5 (2. Liga, November 2001 in Duisburg), die andere 0:7 (DFB-Pokal mit Alemannia Aachen II, September 2002 gegen 1860 München) verloren. Hat das Ihr Verhältnis dauerhaft geschädigt?

(lacht) Nein. Ich bin damals als A-Jugendlicher zu den Profis hochgezogen worden, und Frank war der Kapitän. Wir haben eine ähnliche Position gespielt, und ich habe mir als Innenverteidiger viel von ihm abgeguckt.

Wie bereiten Sie sich als DAZN-Experte vor?

Ich werde mir noch mal ein paar Analyse-Szenen aus dem Hinspiel anschauen. Und ich würde mich freuen, wenn ich noch mal mit beiden Trainern kurz sprechen könnte. Da geht es nicht um die genaue Aufstellung oder die Taktik. Mich interessiert mehr, wie sie das Hinspiel wahrgenommen haben. Ich möchte ein Gespür bekommen, wie die Gefühlslage ist.

Wie ist die Bereitschaft der Bundesliga-Trainer, in der Spielvorbereitung noch so ein Gespräch zu führen?

Gut. Das ist ein sehr professioneller Austausch, der so 15 bis 20 Minuten dauert, manchmal auch 30. Der eine Trainer erzählt mehr, der andere weniger. Das ist sehr hilfreich für die Vorbereitung. Vielen Trainern ist es auch wichtig, dass die Personen, die über sie berichten, die Grundidee des Trainers kennen.

Wie sind eigentlich Ihre Verbindungen zu Werder?

Ich habe lange mit Fin Bartels bei St. Pauli zusammengespielt. Mit Clemens Fritz habe ich die Jugend-Elite- und die A-Lizenz gemacht – und mit Tim Borowski ebenfalls die A-Lizenz. Mit Mediendirektor Christoph Pieper habe ich bei St. Pauli zusammengearbeitet.

Also hätten Sie nichts dagegen, wenn Werder in der Bundesliga bleibt?

Es gibt aber auch auf Heidenheimer Seite Menschen, für die ich mich freuen würde. Ich bin da wirklich neutral.

Mehr News zum SV Werder Bremen

Die Werder Bremen-Startelf-Aufstellung in Heidenheim gibt es hier.

Quelle: DeichStube

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