Die 1:3-Pleite im Nordderby deckt auf: Werder ist keine Einheit mehr

Ein schwieriges Miteinander

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Eben noch hatten sich Werder-Sportchef Thomas Eichin (li.) und Viktor Skripnik für die anstehenden Medienauftritte nach der Derbypleite abgesprochen. Doch danach gingen sie getrennte Wege und redeten von unterschiedlichen Dingen. Skripnik glaubt an neue Spieler im Winter, Eichin sagt: Geht nicht. Kein Geld.

Bremen - Von Björn Knips. Es knirscht beim SV Werder. Auf und neben dem Platz. Als wäre der Auftritt beim 1:3 (0:2) im Nordderby gegen den Hamburger SV nicht schon schmerzhaft genug gewesen, taten sich die Bremer anschließend noch gegenseitig weh.

Im Mittelpunkt dabei Viktor Skripnik. Der Trainer kritisierte die Einstellung seiner Spieler. Ersatzkapitän Zlatko Junuzovic widersprach energisch und verzichtete im Abstiegskampf auch auf ein Plädoyer für seinen unter Druck geratenen Chef. Der bekam dafür zwar Rückendeckung von Sportchef Thomas Eichin, aber auch einen ordentlichen Rüffel. Skripniks öffentliche Forderung nach Wintertransfers wies Eichin barsch zurück.

Es ist gerade ein schwieriges Miteinander bei Werder, das in einem Auseinandergehen enden könnte. Und das schon bald. Vielleicht sogar schon nach dem nächsten Spiel am Sonntag beim VfB Stuttgart, dem es genauso schlecht geht wie den Bremern. Eichin wiegelte zwar ab: „Es wird auch danach keine Trainerdiskussion geben.“ Und Eichin gab Skripnik sogar eine Jobgarantie bis zur Winterpause: „Dann ziehen wir ein Fazit.“ Doch wie viel ist das wert, wenn sich Werder noch so einen Auftritt wie gegen den HSV erlaubt? Ausgerechnet am Tag, als der Bundesligist stolz die neue Werder-Geldkarte der Sparkasse präsentierte, erlebten die 42 100 Zuschauer im ausverkauften Weserstadion eine Bremer Bankrotterklärung.

Gegen ersatzgeschwächte Hamburger setzte es eine hochverdiente Heimniederlage, die fünfte in Folge – Vereinsrekord ausgebaut. Die sechste Pleite im siebten Heimspiel der Saison – eine desaströse Bilanz. „Ich habe etwas anderes von den Jungs erwartet“, sagte Skripnik. Nach der Selbstaufgabe in Wolfsburg (0:6) hatte der Coach eine Reaktion gefordert – und er bekam nichts. Seine Spieler liefen beim frühen Rückstand durch Ivo Ilicevic nebenher und anschließend nur noch hinterher. Die Gäste waren immer einen Tick giftiger und schneller. Sie hatten das Derby-Gen. Und Werder? „Ich lege für jeden Spieler meine Hand ins Feuer, wir hatten alle die richtige Einstellung, haben alles gegeben, um zu gewinnen“, behauptete Junuzovic.

Einzelkritik nach dem Nordderby

Was war also das Problem? „Wenn ich das wüsste“, seufzte Junuzovic. Immerhin betrieb er Ursachenforschung – wenn auch nur indirekt. Denn er sagte, was Werder nun bräuchte und beschrieb damit ungewollt, was fehlte. „Wir schaffen es nur gemeinsam, müssen uns mehr helfen“, sagte der Österreicher. Da kommt natürlich sofort der Verdacht auf, dass der Teamgeist nicht mehr stimmt. „Nein“, widersprach Junuzovic, klärte allerdings auch auf: „In schwierigen Phasen ist jeder zuerst mit sich beschäftigt. Wir müssen das Miteinander wiederfinden, genauso wie eine gewisse Lockerheit.“

Durchaus ein Appell an das Trainerteam. Es war nicht der einzige. Es geht auch ums System. Zum wiederholten Mal hat Skripnik die Taktik geändert. Diesmal vom sicheren 4:1:4:1 zum mutigeren 4:4:2. Das bescherte allerdings den Hamburgern mit ihrem 4:2:3:1 im Mittelfeld eine deutlich sichtbare Überzahl. Und Werder fehlte die Power, mit den beiden Stürmern schon vorne ins Pressing zu gehen. „Wir müssen wieder zurück zu der Kompaktheit wie in den Spielen gegen Bayern und Dortmund“, meinte Junuzovic mit Blick auf das Stuttgart-Spiel. Also wieder ein 4:1:4:1 mit weniger Risiko. Anders geht es nicht. Werder ist vom angepeilten nächsten Schritt zu mehr spielerischer Klasse wieder meilenweit entfernt.

Fast so weit wie vor einem Jahr, als Skripnik den Trainerposten von Robin Dutt übernahm. Der Ukrainer entfachte eine große Euphorie, machte aus mickrigen drei Zählern nach neun Dutt-Partien immerhin 13 nach dem 14. Spieltag. Genauso viele hat Werder auch jetzt. Nur fehlt die Euphorie. Dafür setzt Skripnik erneut auf den Transfermarkt. So wie im Januar. Da hatte sich Werder mit den Hoffenheimern Jannik Vestergaard und Koen Casteels entscheidend verstärken können. „Wenn wir solche finden, bin ich glücklich“, meinte Skripnik und verriet: „Ich bin fest davon überzeugt, da wird sich was bewegen.“

Werder-Pleite gegen den HSV

Wirklich? „Kein Thema“, raunzte Eichin auf Nachfrage: „Wir haben keine Möglichkeiten.“ Eine klare Ansage für den Coach, der sich zu weit vorgewagt und damit interne Absprachen gebrochen hatte. Schließlich werden Transfers nicht einfacher, wenn alle Welt weiß, dass ein Club dringend sucht. Und so ließ Eichin den Coach anders als bei der Trainerdiskussion einfach mal öffentlich auflaufen. Genauso machte es Junuzovic. Der Österreicher antwortete auf die Frage, ob Skripnik noch der richtige Trainer sei, ziemlich nüchtern: „Wir haben ein gutes Verhältnis. Wir haben uns letztes Jahr aus einer ähnlichen Situation herausgezogen. Ich bin optimistisch, dass es auch diese Saison gelingt. Aber als Spieler hat man an so was nicht zu denken. Jeder muss sich mit sich selber beschäftigen, muss sich selber hinterfragen.“

Das hat sich in der Vergangenheit auch schon mal anders und viel emotionaler angehört. Auch wollte Junuzovic partout nichts davon hören, dass die Mannschaft den Trainer gegen den HSV vielleicht im Stich gelassen hat. „Wir sind alle nicht glücklich“, lautet seine lapidare Antwort. Es ist eben gerade ein schwieriges Miteinander beim SV Werder…

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