900 Fans sehen seinen ersten Trainingstag bei Werder

Pizarro-Hype am Osterdeich

+
Mittendrin: Claudio Pizarro wurde gestern an seinem ersten Werder-Trainingstag von Fans umlagert – vormittags und nachmittags.

Bremen - Jetzt ist er so richtig wieder da! Gestern Vormittag absolvierte Rückkehrer Claudio Pizarro seine erste Einheit mit den Teamkollegen von Werder Bremen. Als der 36-jährige Peruaner um kurz vor halb elf zum Trainingsplatz schlenderte, strahlte er mit der Bremer Sonne um die Wette. Und die rund 500 Werder-Fans, die sich am Weserstadion versammelt hatten, strahlten mit.

So lief der Auftakt des Torjägers und Publikumslieblings, der am Tag zuvor einen Einjahresvertrag bei seiner alten, neuen Liebe unterschrieben hatte:

9.16 Uhr: Pizarro fährt am Weserstadion vor und verschwindet in den Katakomben. Dort frühstückt er kurz mit den Teamkollegen, dann steht ein Anschwitzen im Kraftraum auf dem Programm.

9.56 Uhr: Die Fans sind schon gespannt wie Flitzebogen, warten ungeduldig auf „Pizzas“ ersten Auftritt. Der Stürmer ist zwar zum dritten Mal bei Werder – man könnte aber meinen, es wäre seine Premiere. So viele gut gelaunte und euphorisierte Fans waren zuletzt bei einem Bremer Training, als Chefcoach Viktor Skripnik und sein Trainerteam Ende Oktober ihren Dienst antraten.

Es ist aber noch etwas Geduld gefragt. Als erstes kommen die beiden Torhüter Felix Wiedwald und Michael Zetterer sowie Torwarttrainer Christian Vander raus – sichtlich beeindruckt von der Menschenmenge. Wiedwald scherzt: „Heute ist doch gar kein Training.“ Wenig später gehen Luca Zander und Raphael Wolf (trainieren beide nicht mit) über den Parkplatz. Kaum einer nimmt Notiz von ihnen – alle sind voll auf Pizarro fokussiert.

10.16 Uhr: Die nächste Kleingruppe macht sich auf den Weg zum Platz, diesmal sind es Skripnik und Co-Trainer Torsten Frings. Beide lächeln, Frings sagt mit einem Grinsen: „Pizza kommt gleich“ – und erntet Lacher.

10.31 Uhr: Da ist er! Das Marathontor geht auf, Pizarro erscheint. Er macht in Arbeitskleidung eine recht gute Figur, scheint in den vergangenen Wochen individuell ordentlich trainiert zu haben. Kameras klicken, Handys filmen und fotografieren. Das Spalier an Fans reicht vom Stadion fast bis zum Trainingsplatz. Es gibt Applaus und „Pizza“-Rufe. Pizarro geht zwischen Kapitän Clemens Fritz und Felix Kroos, schaut immer wieder nach links und rechts. Er ist gut drauf und witzelt: „Ist das nicht immer so voll hier?“ An der Tür zum Platz steht ein Fan, der es offenbar noch immer nicht glauben kann, dass Pizarro wieder für Werder stürmt. „Er ist tatsächlich da! Hallo“, sagt er mit seinem Handy in der Hand. Pizarro grüßt nett zurück und trabt dann los. Sein erstes Werder-Training beginnt um 10.33 Uhr.

Spaß bei der Arbeit: Claudio Pizarro nach einem Duell mit Felix Kroos.

10.52 Uhr: Nach dem Aufwärmen folgt ein Trainingsspiel. Neun gegen Neun auf sechs kleine Tore. Pizarro trägt ein weißes Leibchen und neongelbe Schuhe. Um 10.56 Uhr bedient er Lukas Fröde mit einem Lupfer – Tor. Seine erste Vorlage. Pizarros Mannschaft gewinnt die erste, zehn Minuten dauernde Halbzeit mit 6:2. Nur er selbst hat noch nicht getroffen. Er legt lieber ab, zeigt ein paar feine Pässchen und einige präzise lange Bälle. Sonst hält er sich im Hintergrund, dirigiert oder kommandiert nicht, fällt kaum auf.

11.09 Uhr: Drin! Pizarro schießt sein erstes Tor. Aus zehn Zentimetern drückt er den Ball über die Linie. Applaus bekommt er allerdings nicht – der war wohl zu einfach zu machen...

11.11 Uhr: Pizarro trifft erneut, Schiedsrichter Frings hatte aber schon abgepfiffen. Endstand: 13:9 für die „Weißen“. Nach einer knappen Dreivierstelstunde endet die Einheit mit einem lockeren Auslaufen.

11.15 Uhr: Der Hype bricht wieder los. Fotos, Selfies, Autogramme en masse. Wie die Lemminge laufen die Fans Pizarro hinterher. Er scheint entschlossen, möglichst rasch in die Kabine zu kommen. Vergeblich. Zwischendurch bleibt er immer wieder stehen, schon bildet sich eine Menschentraube um ihn herum. Um 11.19 Uhr ist es vorbei, Pizarro verschwindet hinter der Stahltür am Stadion. Das erste Training ist geschafft.

Am Nachmittag, bei der zweiten Einheit des Tages, geht der ganze Rummel dann noch mal von vorne los, diesmal mit rund 400 Fans. Pizarros Team verliert das Trainingsspiel übrigens mit 1:6 – ohne Pizarro-Treffer.

Fazit: Es war, wie schon bei seiner Ankunft am Sonntagabend am Bremer Flughafen, deutlich zu spüren: Viele Fans lieben Pizarro noch immer abgöttisch. Er ist ein Held, er sorgt für gute Stimmung, er nährt durch seine bloße Anwesenheit ihre Hoffnungen auf erfolgreichere Zeiten. Wie fit er nach zuletzt wenig Spielpraxis beim FC Bayern und mit seinen fast 37 Jahren noch ist, bleibt aber die große, spannende Frage. Gestern wirkte er zunächst recht frisch, nachmittags aber etwas müde.
mr

Video: Erstes Pizarro-Training

Erstes Pizarro-Training nach seiner Rückkehr

Werder-Training am Dienstag

Zverev-Auftritt in Melbourne vorbei: Federer zu gut

Zverev-Auftritt in Melbourne vorbei: Federer zu gut

Autostudien mit nachwachsenden Rohstoffen

Autostudien mit nachwachsenden Rohstoffen

Trauergottesdienst für Roman Herzog - Bilder

Trauergottesdienst für Roman Herzog - Bilder

Gedenken an Roman Herzog in Berlin

Gedenken an Roman Herzog in Berlin

Meistgelesene Artikel

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Thomas Delaney: Ein Gewinner unter Verlierern

Thomas Delaney: Ein Gewinner unter Verlierern

Kommentare