Bremen holt defensiven Mittelfeldspieler vom 1. FC Nürnberg

Werder-Neuzugang Patrick Erras in der DeichStube-Analyse

"Es war ein intensives und anstrengendes Jahr und ich muss meiner Familie und meinen Freunden einen großen Dank für ihre Unterstützung aussprechen."
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Patrick Erras ist beim SV Werder Bremen der neue Mann fürs defensive Mittelfeld. Er wechselt ablösefrei vom 1. FC Nürnberg an die Weser.

Bremen - Von Tobias Escher. Werder Bremen hat die Verpflichtung von Patrick Erras offiziell bestätigt. Der Ex-Nürnberger füllt eine vakante Position im System des Vereins. Zugleich ist seine Verpflichtung nicht der ganz große Wurf, schreibt unser Analyst Tobias Escher.

Was lange währt, wird endlich gut. Bereits im Herbst 2015 gab es Gerüchte, nach denen Werder Bremen an einer Verpflichtung von Patrick Erras interessiert sei. Damals blieb Erras dem 1. FC Nürnberg treu. Fünf Jahre später kam der Transfer doch noch zustande: Nachdem Erras‘ Vertrag im Juli ausgelaufen war, wechselt er zur neuen Saison ablösefrei zu Werder.

Auf den ersten Blick liest sich dieser Transfer reichlich unspektakulär. Erras kommt von einem Zweitliga-Verein, dem der Klassenerhalt buchstäblich in der letzten Sekunde der Relegation geglückt war. Und selbst dort war Erras kein unumstrittener Stammspieler: Nur in 17 von 38 Pflichtspielen stand er in der Startelf, obwohl er fast durchgehend fit war. Wie passt es da, dass dieser Patrick Erras nun in die höchste Spielklasse wechselt?

Patrick Erras füllt eine Lücke im Kader des SV Werder Bremen

Ganz einfach: Patrick Erras füllt eine vakante Position im Kader des SV Werder Bremen. Im zentralen Mittelfeld klafft nach dem Abgang von Kevin Vogt (Rückkehr nach Hoffenheim), Philipp Bargfrede sowie Nuri Sahin (Verträge ausgelaufen) eine Lücke. Trainer Florian Kohfeldt hat keinen Spieler zur Verfügung, der als Sechser vor der Abwehr agieren kann. Maximilian Eggestein beherrscht diese Rolle zwar, wird allerdings eher eine Reihe weiter vorne auf der Achter-Position benötigt.

Patrick Erras spielt die Sechser-Position seit Jugendtagen. Er besticht dabei durch sein ruhiges, stabiles Passspiel. Als zentraler Mann vor der Abwehr lässt er sich gerne tief fallen und bringt Struktur in das Spiel seiner Mannschaft. Er bietet sich vor der Abwehr an und leitet den Ball zügig und punktgenau weiter. Selten sind seine Pässe spektakulär, doch immer sind sie zielgerichtet. Solch ein Ankerspieler im zentralen Mittelfeld fehlte Werder über weite Strecken der vergangenen Saison.

Auch im Spiel gegen den Ball passt Patrick Erras in das Profil eines klassischen Sechsers. Er fühlt sich wohl in der Rolle des tiefsten Mittelfeldspielers, der im Rückraum für seine Kollegen absichert. Deshalb benötigt er vor sich weitere zentrale Mittelfeldspieler, die sich in die Offensive einschalten. Genau dieses Umfeld ist bei Werder Bremen gegeben: Davy Klaassen und Eggestein könnten nach vorne preschen, während Erras ihre Vorstöße absichert.

Werder Bremen-Neuzugang Patrick Erras ist kopfballstark, aber langsam

Patrick Erras bringt zudem eine Stärke mit, die Werder Bremen in der vergangenen Saison fast vollständig gefehlt hat: Kopfballstärke. Er weiß seine Körpergröße von 1,96 Meter einzusetzen: Durchschnittlich gewann Erras in der vergangenen Zweitliga-Saison über drei Kopfball-Duelle pro Spiel. Im Bremer Kader weist nur Niclas Füllkrug einen höheren Wert auf (vier gewonnene Duelle pro Partie).

Erras könnte damit eine Schwachstelle der Bremer ausmerzen: deren Schwächen nach ruhenden Bällen. Sowohl bei defensiven als auch bei offensiven Standards überzeugt er mit seiner Wucht. Alle seine drei Saisontore erzielte er per Kopf nach ruhenden Bällen.

Seine Kopfballstärke sowie seine Zweikampfhärte legen nahe, dass Patrick Erras auch in der Innenverteidigung spielen könnte. Tatsächlich hat er in der Vergangenheit auf dieser Position ausgeholfen. Allerdings fehlt ihm eine wichtige Eigenschaft, um als Innenverteidiger auf höchstem Niveau mitzuhalten: die Geschwindigkeit. Weder im Antritt noch in der Höchstgeschwindigkeit erreicht er Bestwerte, erst recht nicht seit einem Kreuzbandriss im Jahr 2016.

Patrick Erras ist für Werder Bremen nicht die große Lösung

Seine mangelhafte Geschwindigkeit ist der augenscheinlichste Grund, warum Patrick Erras sich bislang nicht auf Top-Niveau durchsetzen konnte. Hinzu kommt, dass seine Fähigkeiten offensiv wie defensiv solide sind – mehr aber auch nicht. Monstergrätschen sind von ihm genauso selten zu sehen wie brillante Diagonalbälle. Seinen schwachen linken Fuß nutzt er kaum, was sein Passspiel noch ausrechenbarer macht, als es ohnehin schon ist.

Um Stammspieler auf Bundesliga-Niveau zu werden, müsste sich Erras taktisch wie fußballerisch steigern. Werders Verantwortliche betonten nach der Verpflichtung, sie sähen bei ihm durchaus Entwicklungspotential. Gerade im Passspiel dürfte er gerne mehr riskieren; die technischen Anlagen besitzt er. Vielleicht gelingt es Kohfeldt sogar, Erras jene Rolle beizubringen, die Vogt in der vergangenen Rückrunde gespielt hat: einen Hybriden aus Innenverteidiger und Sechser.

Für Werder Bremen stellt die Verpflichtung in erster Linie eine risikoarme Möglichkeit dar, den Kader aufzufüllen. Patrick Erras kommt ablösefrei, sein Gehalt dürfte moderat sein. Er ist ein solider Spieler mit Entwicklungspotential, durch den Werder etwas breiter aufgestellt in die Saison geht – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Quelle: DeichStube

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